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"Wunderteam" findet Balance im Mannschaftsgedanken

So manch Außenstehender mag sich wundern, oder gar von einem Wunder sprechen. Österreichs Skisprung-Mannschaft wird in den letzten Tagen nicht zum ersten Mal als "Wunderteam" bezeichnet. Gregor Schlierenzauer, Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und einige andere haben in den vergangenen Jahren neue Maßstäbe gesetzt. Kein Wunder, dass die Konkurrenz ein Ende dieser Serie herbeisehnt.

Die ÖSV-Adler dominieren als Team schon seit 2005: Als in Oberstdorf zwei WM-Titel auf beiden Schanzen vergeben wurden, begann die Serie mit zwei Mal Gold. Es folgten 2006 Olympia-Team-Gold in Pragelato/Turin, 2007 WM-Team-Gold in Sapporo, 2008 Team-Gold bei der Skiflug-WM und der Mannschafts-Titel bei der WM in Liberec vor knapp einem Jahr. Hinzu kamen Olympia-Gold und -Silber auf der Großschanze durch Morgenstern und Kofler, der Skiflug-WM-Sieg durch Schlierenzauer, Normalschanzen-WM-Titel durch Loitzl und u.a. der Gesamt-Weltcupsieg samt Rekordflut von 13 Saisonsiegen in der Vorsaison von Schlierenzauer.

Wer gedacht hatte, diese Serie würde ausgerechnet in der Olympiasaison enden, war bisher auf dem Holzweg. Schlierenzauer führt nach vier Saisonsiegen schon wieder im Weltcup, Kofler kam nach zwei mageren Jahren triumphal zurück und führt in der Tourneewertung vor dem Schlussbewerb am Mittwoch vor seinen Teamkollegen Schlierenzauer und Loitzl.

Diese nicht einmal komplette, imposante Sammlung kann den Gedanken an Wunder schon kreieren. “Wunder klingt öfters so wie eine kurze Zeitspanne: Man schnippt mit dem Finger und es passiert etwas. Es war für mich aber ein ganz langer Prozess, eine Entwicklung über viele Jahre”, meint Cheftrainer Alexander Pointner im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur zu seinen “Superadlern”.

Doch über Jahre hinweg ist sehr professionell von Athleten und Betreuern gearbeitet worden, ein von Pointner immer wieder betontes dichtes Netzwerk ist gespannt worden. Als Beleidigung kann man den Begriff “Wunderteam” freilich trotzdem nicht auffassen. “Wenn man als Zuschauer sieht, was für Ausnahmeleistungen die Athleten bringen, neigt man dazu, zu sagen, wow, das ist ein Wunderteam – ein Traumteam. Das muss man dann auch als Wertschätzung sehen”, so Pointner.

Wichtig ist allerdings, trotz der Erfolge nicht überheblich zu werden. Fragt man Pointner, ob er sich denn nun einen Triple-Sieg bei der Tournee wünscht, wird dies verneint. “Ich werde nie sagen, ich möchte alle drei vorne haben. Unser Ziel ist, dass jeder in der Position ist, am Ende zu gewinnen.” Darum sei der Teamgedanke immer vorangestanden.

Trotz all der Höhenflüge bedarf es einer gesunden Balance, wenn die Landung erfolgt ist. “Man muss mit beiden Füßen am Boden bleiben und auch Respekt vor der Leistung der anderen haben.” Pointner sieht deshalb auch den Skisprung-Sport ob der Überlegenheit von Rot-Weiß-Rot nicht in Gefahr. “Janne Ahonen bringt hervorragende Leistungen, auch Simon Ammann ist über ein Jahrzehnt ein Topspringer, das sind Persönlichkeiten unseres Sports. Es wäre hochnäsig von unserer Seite zu sagen, wir wollen jetzt die Plätze 1-2-3 haben. Es wäre eine Geringschätzung der anderen.”

Dass die Ziele auch nach der 58. Vierschanzen-Tournee große bleiben, dafür sorgt eine an Höhepunkten sehr dichte restliche Saison. Nach dem Heim-Skiflug-Weltcup auf dem Kulm am Wochenende stehen ja noch Olympische Spiele in Whistler sowie zum Saisonschluss die Skiflug-WM in Planica auf dem Programm.

Schon in diesen Tagen wird im Team über die Zeit nach Bischofshofen gesprochen und geplant. Pointner: “Man wird sich individuell entscheiden, wer geht Skifliegen, wer fliegt nach Japan. Wer lässt wann was aus? Gibt es Springer, die alles machen?” Körperlich seien die Sportler auf die komplette Saison-Serie vorbereitet. Aber man müsse eben auch mit dem psychischen Bereich umgehen. “Der Kulm ist eine Riesenveranstaltung und gehört für uns noch zur Tournee dazu, aber dann müssen wir schauen, dass wir für Vancouver und die Skiflug-WM optimal vorbereitet sind.”

Der Start zu möglichen nächsten Höhenflügen ist am 8. Februar, wenn die für Olympia qualifizierten “Adler” auf den Weg nach Kanada abheben. Das Einzelspringen am 6.2. in Willingen steht grundsätzlich auf dem Plan der Olympia-Starter, Pointner räumt aber ein, dass der Teambewerb am Tag vor dem Abflug möglicherweise mit einer anderen Besetzung erfolgen könnte.

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