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Work-Life-Balance oder: die neue Definition von Erfolg

Der Teilzeitmann als neues role model: 67% der jüngeren Beschäftigten würden für eine bessere Work-Life-Balance sofort den Job wechseln.
Der Teilzeitmann als neues role model: 67% der jüngeren Beschäftigten würden für eine bessere Work-Life-Balance sofort den Job wechseln. ©handout/VoKi
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschäftigt Eltern rund um den Globus. In der Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs forderte die Berliner Soziologin und vierfache Mutter Michaela Schonhöft ein Umdenken seitens Wirtschaft und Gesellschaft.

Christine-FlatzPosch
Christine-FlatzPosch
Der letzte Vortrag der aktuellen 12. Staffel in der Reihe „Wertvolle Kinder“ wurde von Gerd Endrich im ORF Publikumsstudio in Dornbirn eröffnet. Er selbst habe es gut, meinte der Chefredakteur. Eine bereits erwachsene Tochter und eine tolerante Frau machten es ihm möglich, ein Arbeitspensum bis zu 80 Stunden wöchentlich zu stemmen. Viele berufstätige Eltern hingegen seien aufgerieben zwischen Existenzängsten, beruflichen und privaten Herausforderungen.

67 % würden für bessere eine Work-Life-Balance den Job wechseln

Auf ihrer Reise um die Welt hat die Autorin und Journalistin Michaela Schonhöft unterschiedlichste Vereinbarkeitsmodelle und Praktiken kennengelernt, wie Beruf und Familie unter einen Hut gebracht werden können. So beschäftige der Mittelstand in Amerika und Asien häufig Kindermädchen, in Frankreich bekämen berufstätige Eltern viel gesellschaftliche Unterstützung, z. B. durch qualitativ hochwertige Kinderbetreuungseinrichtungen, und in den Niederlanden arbeiteten Eltern – auch in Führungspositionen – häufig in Teilzeit.

Stress und wenig Zeit schaden den Kindern

Laut aktuellen Umfragen würden 67 % der jüngeren Beschäftigten in Deutschland für eine bessere Work-Life-Balance sofort den Job wechseln. „Eltern stehen unter großem Druck, es dem Arbeitgeber recht zu machen“, so Schonhöft. „Bei den Arbeitgebern ist noch nicht angekommen, dass ihre Beschäftigten auch ein anderes Leben haben.“ Die Soziologin und Mutter von vier Kindern, sieht es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen und zu erleichtern. „Work-Life-Balance ist ein Idealzustand. Wir sprechen eher von Work-Life-Enrichment.“ Schonhöft fordert mehr gesellschaftliche Unterstützung für Familien, denn Stress und Zeitmangel wirke sich negativ auf die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern aus.

Die Wirtschaft sträubt sich

Hartnäckig halte die Wirtschaft an alten Bildern fest, wonach „zuhause jemand das Backup macht“. Die wöchentliche Arbeitsbelastung sei in den vergangenen Jahren sogar noch gestiegen – und das obwohl sich Frauen wünschen würden, ein bisschen mehr zu arbeiten, Männer dagegen ein bisschen weniger. Für nur drei Prozent der Beschäftigten in Deutschland sei dies derzeit realisierbar. Die Soziologin hatte konkrete Lösungsvorschläge im Gepäck, eine  „neue Feierabendkultur“ zum Beispiel. „Vier bis sechs Stundentage erhöhen sowohl die Produktivität als auch die Lebensqualität der Mitarbeiter“, verwies die Familieforscherin auf aktuelle Untersuchungen und fordert eine Neudefinition der
35-h-Woche.

Der Teilzeitmann als neues role model

Dass neue Vereinbarkeitsmodelle durchaus machbar sind, zeigt der Blick über den Tellerrand: In der Schweiz sei die Quote teilzeitarbeitender Männer nach der Initiative „Der Teilzeitmann“ binnen weniger Jahre auf 16 % gestiegen. In den Niederlanden arbeite jeder dritte Mann und 11% der Führungskräfte in Teilzeit. Zudem darf in den Niederlanden ArbeitnehmerInnen das Recht, Home-Office zu beantragen, nur in begründeten Ausnahmefällen verweigert werden.

Bessere Vereinbarkeit, weniger Kinderarmut

Mehr als ausgefallene Aktivitäten wünschen sich Kinder laut Schonhöft gemeinsame Familienzeit und alltägliches Zusammensein. Je mehr Stress Eltern hätten, desto unsensibler würden sie auf den Nachwuchs reagieren. Alleinerziehende und Kinder seien zudem vom größten Armutsrisiko betroffen. Auch in diesem Punkt lohnt sich ein Ländervergleich: Während in Deutschland die Kinderarmutszahlen alarmierend sind, weist Island europaweit die geringste Kinderarmut auf. In Island ist die Elternzeit mit je fünf Monaten zwischen Mutter und Vater gleich aufgeteilt und kann nicht übertragen werden. In Schweden würden neuere Befragungen zwar ergeben, dass Männer befürchten, als „moderne Väter“ weniger sexy zu sein, dennoch kann sich Schweden über sinkende Scheidungsziffern freuen. Eine bessere Vereinbarkeit von Job und Privatleben führe auch zu einer Stabilisierung der Familien und in Folge zu einem Sinken der Kinderarmut.

Wir können nicht zurück

Es gäbe keine Patentrezepte, denn „jede Gesellschaft und jede Familie ist anders“. Ein gesellschaftlicher Umdenkprozess sei allerdings das Gebot der Stunde: „Wir können nicht zurück. Väter möchten sich mehr beteiligen, Mütter möchten mehr in den Arbeitsmarkt.“ Und alle wünschen sich ein glückliches, erfülltes und möglichst entspanntes Familienleben. Was Familien selbst dazu beitragen können? „Viel Platz für Improvisation lassen, weniger Verplanung und bitte: keinen Freizeitstress“, rät Michaela Schonhöft.

Die Vortragsreihe „Wertvolle Kinder“ wird vom Vorarlberger Kinderdorf in Kooperation mit dem ORF Vorarlberg und Russmedia durchgeführt und vorwiegend vom Land Vorarlberg/ Fachbereich Kinder- und Jugend finanziert. Die nächste 13. Staffel „Wertvolle Kinder“ startet im Herbst 2016.

Sämtliche Vorträge können nachgehört und -gelesen werden:
www.vorarlberger-kinderdorf.at/familienimpulse

 Autorin: Christine Flatz-Posch (c.flatz-posch@voki.at)

 

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