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Wolfgang Troy schließt die Kleinkunstbühne in Egg Mitte Juni.

Egg - „Jeder Anfang hat ein Ende, dies aber selbst zu bestimmen, das hat Qualität“, sagt Wolfgang Troy, Inhaber der Kulturbühne „Domizil“ in Egg. Nach zwölfjähriger Tätigkeit als Kulturveranstalter, Programmdirektor, Barmann, „Mädchen für alles“ und „was halt sonst noch so dazu gehört“, schließt Troy die Pforten der Kellerbühne in Egg.

1996 wurde das „Domizil“ erstmals von den „Provinz-Prohpeten“ bespielt. „Das war ein fulminanter Auftakt“, erinnert sich Troy. Seither gingen unzählige prominente Künstler im „Domizil“ ein und aus. So hatte beispielsweise Gerhard Bronner 2006 in seinen letzten Lebensmonaten noch zwei grandiose Auftritte im „Domizil“. Neben international arrivierten Künstlern wurde aber auch „Newcomern“ eine Bühne geboten. Immer wieder feierten junge heimische Künstler bei Wolfgang Troy Premiere. Man erinnere sich an die Veranstaltungsreihe „Auch so klinxts im Would“, bei der heimisches Liedgut wie auch Literatur auf unkonventionelle Weise präsentiert wurde. „So ist vieles entstanden, was heute die spannende musikalische Vielfalt im Tal ausmacht“, so Troy. Bis zu 45 Veranstaltungen gab es pro Jahr. „Die Beweggründe zur Schließung sind persönliche Überlegungen, die in meiner Lebensplanung begründet liegen. Nicht minder ausschlaggebend hat dies auch mit der lokalen Kulturpolitik zu tun“, betont Wolfgang Troy.

Zukunftspläne

„Etwas Wehmut wird wohl bei den nunmehr letzten Kulturveranstaltungen im „Domizil“, dem Familienunternehmen, auftreten“, sagt der Kulturveranstalter. Aber diese Wehmut ist leicht zu ertragen, denn es geht weiter in Sachen Kultur.

Konzerte fixiert

Die Zukunft soll laut Wolfgang Troy auf ausgesuchten Bühnen im Bregenzerwald stattfinden. Anfragen und Angebote an Spielstätten gibt es einige. „Domizil Kultur“ heißt das Programm künftig. Konzerte in Andelsbuch und Schwarzenberg sind bereits fixiert.

Sulzberg-Thal

Bespielt wird, in Kooperation mit dem „SHV Dorfgemeinschaft Thal“, seit Oktober 2007 auch der Thalsaal in Sulzberg-Thal. Es gibt im Bregenzerwald kaum einen vergleichbaren Saal“, erläutert Wolfgang Troy.

„Wie eine große Stube“ empfindet Wolfgang Troy, den Tanzsaal vom Gasthof Krone. „Es gibt im ganzen Bregenzerwald keinen vergleichbaren Saal“, sagt er und vermutet: „Das hier könnte Kult werden.“ Troy will dazu beitragen, indem er einmal monatlich etwas Besonderes in das kleine Grenzdorf holt: Kleinkunst, Jazz, Literatur oder Kammermusik – alles passt in diesen Rahmen. Erste Veranstaltungen dieser Art waren bereits erfolgreich. Auch die Künstler waren von der Atmosphäre begeistert. Die nationale „Randlage“ von Thal möchte Troy als Vorteil nutzen: Er plant auf hohem Niveau einen Kulturaustausch mit den Allgäuern. Und möglicherweise geht auch noch mehr. Wolfgang Troy streckt seine Fühler schon in Richtung Appenzell aus, um die Kulturbrücke noch weiter zu spannen.

Finnisage

Nach wie vor ist Troy bemüht Neuem Bühne zu geben. Die Zukunft soll laut Troy auch auf mehreren Bühnen des Bregenzerwaldes stattfinden. Angebote gibt es genug. Fixe Veranstaltungsräume sind der Saal in Andelsbuch sowie der Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg. „Ich will sowohl meinem treuen Stammpublikum als auch den Künstlern, die sich im Domizil wohl gefühlt haben, wieder Heimat geben“.

Wer auf den Zug aufspringen will, hat am 14. Juni bei der Bahnhof-Finnisage noch Gelegenheit dazu. Mit dem definitiven Aus der Kultur im „Domizil“ Egg als Spielstätte gerät auch der seit 2005 durch die Eisenbahnausstellung thematisierte Titel „Bahnhof„ in die Endphase. Nach und nach verließ Zug um Zug den Bahnhof „Domizil“. Lediglich Thres, Mikle und Blanca, drei Trachtenfrauen aus Fichtenholzbrettern warten noch geduldig auf die Ankunft des allerletzten mit illustren Fahrgästen besetzten „Dusa – Express“.
Gleichzeitig wird ein mit „Journalblüten„ beladener Güterzug zur Abfahrt zum Endmülllager „Yesterday„ bereit stehen.

Der legendäre Percussionist El Moses begleitet akustisch den Bahntransport dorthin, naja, kontrovers und hochgradig authentisch waren die Darbietungen im Domizil schon immer…

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