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Wohnhaus in Moskau explodiert

Eine Gasexplosion hat ein fünfstöckiges Wohnhaus in Moskau von einer Sekunde zur nächsten zum Einsturz gebracht und acht Bewohner getötet.

Sieben Menschen erlitten Verletzungen, wie die Zivilschutzbehörde in der russischen Hauptstadt am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax mitteilte. Die Regierung schloss einen Anschlag als Ursache des Unglücks aus.

Unter den Opfern der Explosion vom Dienstagabend seien auch zwei Kleinkinder im Alter von zwei und vier Jahren. In Fernsehberichten war zunächst von neun Toten die Rede gewesen. Die Rettungskräfte stellten im Tagesverlauf die Bergungsarbeiten in dem gewaltigen Schuttberg ein.

Die Polizei hatte nach der Explosion am Dienstagabend zunächst auch einen Terroranschlag im Norden der Zehn-Millionen-Metropole in der Nähe der Fernsehturms nicht ausgeschlossen. Die Detonation zerstörte das große Mietshaus bei einem mittleren Stiegenaufgang. Nach vorläufigen Erkenntnissen ereignete sich die Explosion im ersten oder zweiten Stock.

Vielen Hausbewohnern blieb keine Zeit, um sich mit einem Sprung über den Balkon zu retten. Elf Etagenwohnungen stürzten in Sekundenbruchteilen wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Insgesamt waren dort 48 Bewohner bei den Behörden gemeldet. Viele der zumeist älteren Bewohner weilten aber zum Zeitpunkt der Explosion auf ihren Datschen im Moskauer Umland.

Aus Sorge vor einem erneuten Sprengstoffanschlag auf ein Wohnhaus hatte Präsident Wladimir Putin unmittelbar nach der Explosion die Führung von Zivilschutz und Inlands-Geheimdienst zur Unglücksstelle beordert. Vor drei Jahren waren bei bis heute nicht aufgeklärten Sprengstoff-Attentaten auf Wohnhäuser in Moskau und anderen Städten des Landes hunderte Menschen getötet worden.

Etwa 300 Rettungskräfte hatten stundenlang in den Trümmern nach Überlebenden gesucht. Verzweifelte Angehörige und Nachbarn harrten an der Unglücksstelle aus. „Es gab eine schreckliche Explosion“, berichtete eine Nachbarin aus einem Nebenaufgang in der Nacht dem Fernsehsender ORT.

Ein verletzter Anrainer weigerte sich, den Unglücksort zu verlassen, weil er vergeblich auf die Rettung seines unter den Trümmern begrabenen Kindes hoffte. Bei vielen Moskauer Bürgern weckten Fernsehbilder vom zerstörten Wohnhaus Erinnerungen an die Sprengstoffanschläge vom Herbst 1999.

Dutzende Beamte der Polizei und des Inlandsgeheimdienstes FSB suchten bis zum Mittag die Unfallstelle nach Spuren ab. „Es sieht eher nach einer Gasexplosion als nach einem Terrorakt aus“, teilte auch ein FSB-General nach Angaben von Interfax mit. Anrainer berichteten dagegen, unmittelbar nach der Explosion habe es nach Schießpulver und nicht nach Gas gerochen. Ein Experte betonte, seit einiger Zeit werde dem Gas in Russland eine Schwefelverbindung beigefügt, um undichte Leitungen schneller zu entdecken.

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