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Wochen der Entscheidung

Dornbirn - Der Dornbirner Traditionsbetrieb F.M. Hämmerle kommt mitten in der Wirtschaftskrise erneut ins Schlingern.
F.M. Hämmerle in Schieflage

Nachdem nicht nur Löhne, sondern auch Sozialversicherungsbeiträge zu spät überwiesen wurden, gibt es mit der Gebietskrankenkasse nun Zahlungsvereinbarungen, „die auf Punkt und Beistrich einzuhalten sind“, wie GKK-Chef Manfred Brunner den „VN“ bestätigt. Die Fristen seien ausgereizt, „weiteren Spielraum wird es nicht geben“, sagt Brunner. Im Betrieb wird der 30. Juni als magisches Datum genannt, was bei der GKK aber nicht bestätigt wird. Nur so viel: „Wenn zu den vereinbarten Terminen kein Geld kommt, wird man die in solchen Fällen üblichen formalen Schritte einleiten, die von der schriftlichen Konkursandrohung bis hin zum Konkursantrag reichen“, sagt der GKK-Obmann. Die nächs­ten Wochen werden über die weitere Zukunft des 2008 von der indischen Vardhman Polytex gekauften Unternehmens entscheiden. Die Hoffnung der 180 Beschäftigten ruht auf Textilunternehmer Ashok Oswal. Kritik kam von Arbeitern, weil Webstühle im Jänner von Dornbirn nach Indien transportiert wurden. Sie fürchten Know-how-Transfer. Andere Beobachter widersprechen: Es handle sich um „Webstühle aus den Siebzigerjahren“, man ­könne hier niemals von Know-how-Abtransport, sondern vielmehr nur von einer finanziellen Rettungsaktion sprechen: „In Europa hätte diesen alten Schrott überhaupt niemand gekauft, so haben wir noch Geld dafür bekommen.“ Probleme mit pünktlicher Gehaltszahlung gibt es bei F.M. Hämmerle bereits länger, wie Mitarbeiter schildern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Der April-Gehalt von Hämmerle-Angestellten wurde teils erst am 27. Mai auf ihrem Konto verbucht. Der Betriebsrat, der sich auf „VN“-Anfrage nicht öffentlich äußern wollte, trat für eine soziale Staffelung ein: Nur Hämmerle-Bestverdiener mit über 2500 Euro Nettoverdienst mussten besonders lange warten, solche mit den üblicheren 1000 bis 1500 Euro Einkommen wurden teils etwas früher bedient. Aber das am Monatsende fällige Urlaubsgeld wird nicht zeitgerecht ausbezahlt werden.

Rechnungen offen

Stecke eine Firma „in argen Nöten“, sagt Arbeiterkammerdirektor Rainer Keckeis auf „VN“-Anfrage, drücke man eben beide Augen zu. „Aber wenn ein Unternehmen nicht einmal mehr das Geld hat, Sozialversicherungsabgaben und Löhne pünktlich zu bezahlen, fragt man sich, inwieweit der Gesamtbetrieb Sinn macht.“ Bei der Arbeiterkammer in Feldkirch weiß man von „mehr oder weniger großen Problemen bei F.M. Hämmerle“: So hätten Kapazitäten nicht im erwarteten Umfang ausgenützt werden können – auch seien neben den Lohnrückständen andere Rechnungen offen. Nach „VN“-Informationen geht es dabei vor allem um Zahlungen an die Stadt Dornbirn, Rechnungen für Strom und Gas sowie Forderungen von Garn- und Chemielieferanten. An den ehemaligen Eigentümer Josef Hahnl muss das Unternehmen Immobilienmiete abführen. Vertreter der indischen Geschäftsführung und deren heimische Anwaltsvertretung waren für die „VN“ gestern nicht zu sprechen. F.M. Hämmerle gehört zu den ältesten Unternehmen in Vorarlberg, war lange eines der Flaggschiffe der Textil­industrie Österreichs. Heute steht die Marke „F.M. Hämmerle“ im Hintergrund, produziert wird beispielsweise für Benetton und Lacoste.

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