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Wo Ostern im Jänner beginnt

Buch - Bertram Martin versorgt kleine und große Osterhasen mit jeder Menge bunter Eier.

„Wenn die Herde singt, fühlt sie sich wohl“, pflegen Hühnerbauern zu sagen. Stimmt das, müssen sich die Hennen am „Martinshof“ in Buch wie im Paradies fühlen. Denn dort herrscht den lieben langen Tag zufriedener Singsang. Keine Spur von Osterstress bei den gefiederten Eierlieferanten. Aber die lassen sich ohnehin nicht hetzen. Hühner haben ihren eigenen Legezyklus und Bertram Martin muss sich danach richten. Ob er will oder nicht.

Damit er an saisonalen Spitzenzeiten liefern kann, wechselt Martin seine Herde nur im Sommer aus. Und das im Abstand von knapp drei Jahren. In dieser Zeit beschert ihm jedes Huhn alljährlich rund 270 Eier. Macht bei drei Betrieben und etwa 10.500 Hennen an die 270.000 bis 280.000 Eier im Monat und stattliche drei Millionen im Jahr. Die umsatzstärkste Zeit ist Ostern. „Allein im März gingen fast 300.000 Eier weg“, erzählt der Bauer, für den Ostern schon im Jänner beginnt. Kaum sind die Weihnachtsleckereien aus den Regalen verschwunden, finden sich dort die ersten bemalten Eier.

Die Zeit dazwischen füllt er mit der Produktion von Nudeln aus. Gibt auch 54.000 Packungen. Vor 13 Jahren hat er den Hof seiner Eltern von Milchwirtschaft auf Freilandeierhaltung umgestellt. Die anfänglichen Bedenken zerstreuten sich schnell. Eier vom „Martinshof“ waren bei den Kunden trotz des höheren Preises bald gefragt. „Die Leute sind durchaus bereit, für regionale Produkte ein bisschen mehr auszugeben“, freut sich Bertram Martin über den Lohn für die Mühen. Heute beschäftigt er vier Mitarbeiter und eröffnet demnächst in Langen bei Bregenz den vierten Betrieb.

Lust auf Spiegelei

Auch die Einrichtung einer eigenen Eiermalstube geistert durch seine Gedanken. Weil er als naturnah wirtschaftender Bauer die weiten Transportwege zu den innerösterreichischen Färbereien nicht verantworten kann, lässt Bertram Martin derzeit bei einem Kollegen in Ravensburg färben. „Mittelfristig“ würde er das gerne ändern. Ihm selbst ist die Lust am Genuss von Eiern trotz Überfluss nicht vergangen. Mindestens einmal pro Woche stehen Spiegeleier auf dem Speiseplan. „Mit cremig weichem Dotter“, wie er anmerkt. Aber das ist nicht das einzige, was ihn mit der Hühnerschar verbindet. Ein bisschen hat Bertram Martin auch ihren Rhythmus angenommen. Frei nach dem Motto „mit den Hühnern ins Bett und mit den Hühnern wieder auf“.

Und was passiert mit den Hennen nach den drei Arbeitsjahren? Der Bauer kennt die Frage und druckst bei der Antwort auch gar nicht lange herum. „Die einen kommen zu privaten Leuten, die anderen werden zu Suppenhühnern verarbeitet. Aber wenigstens hatten sie ein Leben wie zu Omas Zeiten.“ Stimmt.

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