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Wo Gewalt den Alltag prägt

Feldkirch, Cuenca - Marion Burger aus Lech leitet in Ecuador eines von vier Frauenhäusern. Reiner Zufall verschlug die heute 38-jährige Marion Burger aus Lech nach Ecuador.

Sie hatte Grafikdesign studiert und auch anderthalb Jahre in dem Beruf gearbeitet. „Aber ich wollte mit bedürftigen Menschen zu tun haben.“ Ein freiwilliges soziales Jahr führte sie nach Bosnien „in ein Flüchtlingslager“.

Hinter schönen Kulissen

Fünf Jahre später wollte sie in Ecuador eigentlich nur Spanisch lernen. Wieder suchte sie ein soziales Aufgabenfeld. In Cuenca bauten sie eben ein Frauenhaus. Das vierte in Ecuador. Die drittgrößte Stadt des Landes hat 277.000 Einwohner. Hübsch ist es dort. Die Altstadt zählt seit 1999 zum Weltkulturerbe. Aber Marion Burger und ihre ecuadorianische Partnerin Marlene Villavicencio sehen tagtäglich das andere Ecuador, das den Touristen verborgen bleibt. Zusammen leiten sie das Frauenhaus „Maria Amor“, das sie im August 2004 eröffnet haben.

Gewalt „ganz normal“

„Gewalt ist in Ecuador alltäglich“, sagt Villavicencio. gewalt wird auf gewisse Weise auch gerechtfertigt. Gegen Kinder und Frauen ist sie an der Tagesordnung. Auch Marion Burger machte Erfahrungen mit der stark hierarchischen Gesellschaft. „In der Schule und am Arbeitsplatz ist das Wort des Patron Gesetz. Widerspruch erfolgt, wenn überhaupt, nur ganz vorsichtig.“ Der Andenstaat „hat bis heute keine Kultur des Dialogs entwickelt“. Die Faustregel gilt. Der Stärkere hat recht. Selbst im Straßenverkehr ist das so: „Wenn du mit einem kleinen Wagen unterwegs bist, wird dir unentwegt die Vorfahrt genommen.“ Im Frauenhaus von Cuenca betreuen Burger, Villavicencio und ihr Team gegenwärtig 13 Frauen und mehr als 30 Kinder. Die Arbeit wird privat geleistet und von der Caritas unterstützt. Der Staat hält sich weitgehend raus. „Es fehlt auch ein soziales Netzwerk wie in Vorarlberg.“ Meist erleben die Frauen zusätzlich Druck ihrer Herkunftsfamilie. Die Argumente sind immer dieselben: „Das haben wir auch erlebt“ und „das hört wieder auf“. Aber immer mehr Frauen wollen nicht solange warten, bis es vielleicht „wieder aufhört“. Im Frauenhaus werden sie therapeutisch begleitet. Mühsam suchen die Sozialarbeiterinnen Auswege aus einem Geflecht von Alkohol, Gewalt, Schulden und Abhängigkeit und Perspektiven für die Kinder. Die Caritas Vorarlberg unterstützt das Projekt.

Möchten Sie mithelfen? Spendenkonto: Raiba Feldkirch, Kto.-Nr. 40.006, BLZ 37.422, Verwendungszweck: Frauenhaus Maria Amor

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