WM-Finale 2014: Deutschland gegen Argentinien

Deutschland gegen Argentinien - Das WM-Finale 2014.
Deutschland gegen Argentinien - Das WM-Finale 2014. ©EPA/AP
Das WM-Finale wird für die Beteiligten wieder einmal zum "Spiel ihres Lebens". Deutschlands Generation will nach dritten Plätzen bei den jüngsten zwei Turnieren in Brasilien endlich die Krönung. Nach dem fulminanten Halbfinalauftritt gegen den Gastgeber geht der dreifache Weltmeister am Sonntag (21.00 Uhr MESZ) als ungewohnt klarer Favorit im Endspiel im Maracana von Rio de Janeiro.
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Gegner Argentinien hofft in der legendären Heimstätte des großen südamerikanischen Rivalen einmal mehr auf Genieblitze von Lionel Messi – und baut auf die schier unüberwindbare Abwehr. Der zweifache Champion hat in der K.o.-Phase zwar offensiv noch wenig Zeichen gesetzt, in den entscheidenden Spielen aber auch kein einziges Gegentor einstecken müssen. Für die “Albiceleste” ist es die erste Finalteilnahme seit 24 Jahren.

1990 verloren Diego Maradona und Co. gegen Deutschland mit 0:1. Maradonas legitimer Nachfolger soll es nun richten. Mit einem WM-Titel in der Tasche würde sich der in der Heimat in der Vergangenheit kritisch beäugte Messi endgültig den Platz in der argentinischen Ruhmeshalle sichern. “Ich würde alle meine persönlichen Rekorde hergeben, um Weltmeister zu werden”, sagte der Barcelona-Superstar vor dem Endspiel.

Deutschland auf den Titel fokusiert

Dort wartet jedoch eine vermeintliche Mammutaufgabe. Spätestens nach dem 7:1 gegen Brasilien glaubt ganz Deutschland daran, dass die schon 18 Jahre währende Titel-Durststrecke seit dem EM-Erfolg 1996 in England beendet wird. Zwar übten sich die Beteiligten nach dem historischen Erfolg im Understatement, ihre Favoritenrolle wurden sie dadurch aber nicht los.

Wo der deutsche Fokus liegt, untermauerte Miroslav Klose. “Mich interessiert nur, dass das Team erfolgreich ist und wir das Ding endlich in die Höhe stemmen”, betonte der 36-jährige WM-Rekordtorjäger. Der fünffache Turniertorschütze Thomas Müller klang ähnlich: “Wir werden alles in die Waagschale werfen mit all den Fähigkeiten, die wir haben, ob fußballerisch oder mental.” Kein Heimflug ohne Trophäe – darauf hat sich die DFB-Auswahl eingeschworen.

Akribisch bereitete Bundestrainer Joachim Löw sein in großen Spielen bereits erfahrenes Team um Kapitän Philipp Lahm auf die angestrebte Krönung vor. Videoschulung und gedrosseltes Training standen auf dem Programm. Noch keine Mannschaft aus Europa ist in Südamerika Weltmeister geworden. Die seit 16 Pflichtspielen ungeschlagenen Deutschen (14 Siege, 2 Unentschieden) könnten den Bann brechen. Die letzte Niederlage gab es im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien (1:2).

Messi will Karriere krönen

Argentinien will diese Serie stoppen. Anders als der Finalgegner überzeugte die Mannschaft von Trainer Alejandro Sabella im Turnierverlauf noch nicht wirklich. Minimalistenfußball stand auf der Tagesordnung. Dazu kommt noch die einen Tag kürzere Regenerationsphase nach dem kräfteraubenden Halbfinale gegen die Niederlande. Die argentinische Moral sollte nach dem Elferkrimi aber hoch sein, 20.000 bis 30.000 blau-weiße Fans im Maracana sind ebenfalls Motivation.

Während bei Deutschland nicht nur für Klose (“Es geht nur über die Truppe”) die Mannschaft im Vordergrund steht, dreht sich bei Argentinien vieles, wenn nicht alles, um Messi. Der vierfache Turniertorschütze wirkte zwar im Halbfinale ausgepumpt und traf in der K.o.-Runde noch nicht, ein Genieblitz könnte aber am Ende entscheidend sein. Gegen die Niederlande band Messi darüber hinaus auch an der Seitenlinie stehend zwei Gegenspieler.

Für Argentiniens “brandgefährliche Offensive” (Löw) mit Gonzalo Higuain oder dem schnellen Ezequiel Lavazzi könnte sich dadurch mehr Platz ergeben. Entscheidend wird aber sein, ob Argentinien die starke deutsche Mittelfeldachse kontrollieren kann. Antreiber Javier Mascherano kommt eine Schlüsselrolle zu. “Das ist die Chance, von der wir unser Leben lang geträumt haben. Wir werden sie vielleicht nie wieder bekommen”, sagte Argentiniens heimlicher Chef.

Mascherano versucht wie Messi bereits zum dritten Mal, Weltmeister zu werden. Bei ihren Anläufen 2006 und 2010 scheiterten sie jeweils im Viertelfinale – an Deutschland. In Südafrika gingen die Argentinier unter Teamchef Diego Maradona als 0:4-Verlierer vom Spielfeld. Eine ähnlich desolate Defensivleistung wie damals ist unter Sabella nicht zu erwarten.

Hoffnung macht man sich im argentinischen Lager, Angel di Maria noch fit zu bekommen. Der an einer Muskelverletzung im Oberschenkel laborierende Profi von Real Madrid absolvierte am Donnerstag leichtes Training. Löw kann aller Voraussicht nach die zuletzt so starke Stammelf aufbieten. Auch Innenverteidiger Mats Hummels behindert eine leichte Knieblessur nicht mehr entscheidend.

Deutschland gegen Argentinien lautet bereits zum dritten Mal ein WM-Endspiel. Die Südamerikaner krönten sich 1986 in Mexiko mit einem 3:2 zum zweiten Mal zum Weltmeister, vier Jahre später gelang Deutschland in Rom die Revanche.

Die Teams im WM-Vergleich 2014

Im WM-Datencenter auf VOL.AT lassen sich die beiden Finalk-Kontrahenten auf einen Blick statistisch vergleichen. Und die Zahlen zeigen leichte Vorteile für Deutschland.

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Neymar wegen Messi für Argentinien

Brasiliens verletzter Superstar Neymar drückt im WM-Finale am Sonntag Argentinien die Daumen – wegen Lionel Messi. “Das kommt euch vielleicht komisch vor, dass ein Brasilianer für Argentinien ist, aber ich bin nicht für Argentinien. Ich bin für Messi”, sagte der 22-jährige Stürmer am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz in Teresopolis. “Wenn ihr so wollt, bin ich Fan des Messi Fußball Clubs.”

Neymar und Messi spielen zusammen beim FC Barcelona. “Argentinien und Deutschland haben sich dieses Finale verdient”, meinte der Brasilianer. Er habe mit Messi und Javier Mascherano zwei Clubkollegen im argentinischen Team. “Ich wünsche meinen Freunden Glück und hoffe, dass sie gewinnen”, ergänzte Neymar. “Messi ist eine Person, die früher mein Idol war, und die ich heute noch mehr bewundere, je mehr ich ihn jeden Tag erlebe.”

DFB-Team ist laut Zico tausendmal besser als Argentinien

Die deutsche Nationalelf ist der argentinischen Auswahl nach Ansicht des früheren brasilianischen Weltstars Zico weit überlegen. “Als Mannschaft ist Deutschland tausendmal besser”, sagte der 61-Jährige am Donnerstag (Ortszeit) in Rio de Janeiro. Er gab aber auch zu bedenken, dass Torjäger Lionel Messi spielentscheidend sein könne.

“Deutschland hat Organisation, Technik, Talent und eine Mannschaft, die schon lange zusammenarbeitet. Aber Argentinien hat einen Typen wie Messi, der das alles in einem Spielzug zerstören kann”, meinte Zico, der einst als “weißer Pele” bekannt war. Argentinien sei nur dank Messi überhaupt ins Endspiel gekommen, ergänzte er. Im Finale werde er keines der beiden Teams anfeuern. “Ich bin Brasilianer und möchte ein gutes Fußball-Spektakel sehen.”

Romero bis Messi, Neuer bis Müller: Stamm 2010 dabei

Das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien am Sonntag in Rio de Janeiro wird zu einem Wiedersehen alter Bekannter. Im argentinischen WM-Kader stehen acht Spieler, die bei der Schmach vor vier Jahren gegen Deutschland zum Einsatz kamen. Insgesamt erlebten neun Akteure vom heutigen Aufgebot das 0:4 im Viertelfinale am 3. Juli 2010 in Kapstadt unter dem damaligen Trainer Diego Maradona mit.

Bei den Argentiniern stand Sergio Romero bereits im Tor. In der Abwehr spielte Martin Demichelis, damals bei Bayern München, durch. Kapitän war 2010 Mittelfeldchef Javier Mascherano, die Nummer 10 trug Lionel Messi. Für Angel di Maria wechselte Maradona eine Viertelstunde vor Schluss Sergio Aguero ein. In der Startformation standen außerdem Mittelfeldspieler Maxi Rodriguez und Stürmer Gonzalo Higuain. Zu den Ersatztorhütern zählte damals wie heute Mariano Andujar.

Die deutsche Elf von heute unterscheidet sich nur unwesentlich von der damaligen Startformation. Mit Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jerome Boateng, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Mesut Özil und Miroslav Klose werden acht von elf damals eingelaufenen Akteuren auch Sonntag von Beginn weg erwartet. Toni Kroos wurde vor vier Jahren für Khedira eingewechselt. Die damals durchspielenden Per Mertesacker und Lukas Podolski sitzen im Maracana voraussichtlich auf der Bank.

Messi, Mascherano und Rodriguez hatten auch schon die Niederlage 2006 miterlebt, als Argentinien am 30. Juni in Berlin im Elfmeterschießen ebenfalls in der Runde der besten acht an Gastgeber Deutschland gescheitert war. Der damalige Trainer Jose Pekerman verzichtete allerdings auf Messi. Ebenfalls im damaligen Kader stand Rodrigo Palacio. Für Deutschland spielten Mertesacker, Lahm, Schweinsteiger, Klose und Podolski.

Die deutsche Mannschaft im Kurzporträt

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Nach dem Halbfinal-Erfolg gegen Brasilien sollen diese elf deutschen Spieler am Sonntag im WM-Finale gegen Argentinien antreten. Das Team im Kurzporträt:

Manuel Neuer (28 Jahre): Ob auf der Linie oder als “Torhüter-Libero” – das Prädikat Weltklasse gab es immerzu. Keiner ist besser als der Bayern-Schlussmann, nur vier Gegentore.

Philipp Lahm (30): Erst in der Mittelfeldzentrale, dann rechts hinten Leistungsträger. Der Bayern-Profi ist als Kapitän bisher eine vertraute Konstante.

Jerome Boateng (25): Der Bayern-Verteidiger begann rechts hinten, dann auf seiner geliebten Innenverteidiger-Position. Zweikampfstark, schnell und zuverlässig.

Mats Hummels (25): Abwehrorganisator und Kopfball-Ungeheuer. Beide WM-Tore bejubelte der Dortmund-Verteidiger nach Standards. Verpasste erkrankt das Achtelfinale, laborierte auch vor dem Finale an einer Sehnenreizung im Knie.

Benedikt Höwedes (26): Zum Linksverteidiger umgeschult, bestach der Schalke-Profi durch Konstanz. Nach vorne limitiert, aber in der Defensive ohne Fehl und Tadel.

Sami Khedira (27): In dieser Saison verletzungsbedingt bei Real Madrid kaum im Einsatz, fand mehr und mehr den WM-Rhythmus. Gegen Brasilien top. Fünf Spiele, ein Treffer.

Bastian Schweinsteiger (29): Erst Reservist mit Reha-Programm, dann Führungsfigur. Der ebenfalls vor der WM angeschlagene Mittelfeldstratege vom FC Bayern gab dem deutschen Spiel mehr Struktur.

Toni Kroos (24): Großer WM-Gewinner im deutschen Lager. Soll nach der Endrunde von Bayern zu Real Madrid wechseln. Top-Assistgeber des Turniers, Super-Standards und auch zweifacher Torschütze beim 7:1-Halbfinaltriumph über Brasilien.

Thomas Müller (24): Laufwunder, Lückenreißer, Tor-Phänomen. Der Bayern-Angreifer könnte als Erster die Torjägerkrone erfolgreich verteidigen.

Miroslav Klose (36): Neuer WM-Rekordschütze, nur Lothar Matthäus kam öfter für Deutschland zum Einsatz. Der Mittelstürmer von Lazio Rom will im Finale noch einmal den Tor-Salto zeigen.

Mesut Özil (25): Fremdelt weiter in der Rolle als linke Offensivkraft. Bundestrainer Joachim Löw setzt aber weiter demonstrativ auf den Arsenal-Star. Im Achtelfinale wichtiges Tor gegen Algerien.

Die argentinische Mannschaft im Kurzporträt

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Nach dem Halbfinal-Erfolg gegen die Niederlande sollen diese elf argentinischen Spieler am Sonntag im WM-Finale gegen Deutschland antreten. Das Team im Kurzporträt:

Sergio Romero (27 Jahre): Galt immer als Schwachpunkt der Argentinier und war zuletzt auch bei seinem Verein AS Monaco meist nur Ersatz. Zwei gehaltene Elfmeter im Halbfinale machten ihn zum Helden.

Pablo Zabaleta (29): Er wird bei Manchester City ständig zum “Spieler der Saison” gewählt, nicht Aguero oder Yaya Toure. Die Fans lieben seinen Kampfgeist und Offensivdrang auf der rechten Seite.

Martin Demichelis (33): Dem routinierten Verteidiger von Manchester City gelang ein spektakuläres Comeback. Drei Jahre lang wurde der ehemalige Bayern-Profi nicht für das Nationalteam nominiert. Jetzt steht er im WM-Finale.

Ezequiel Garay (27): Wurde jedes Jahr mit Clubs wie Manchester United oder Bayern in Verbindung gebracht. Der Innenverteidiger wechselt nach der Endrunde aber von Benfica Lissabon zu Zenit St. Petersburg.

Marcos Rojo (24): Vor der WM als Fehlerquelle ausgemacht, spielt der Profi von Sporting Lissabon eine starke WM. Trainer Alejandro Sabella lobte ihn sogar öffentlich.

Javier Mascherano (30): Messi ist das Herz dieser Mannschaft, aber Mascherano ihr “Symbol” und ihre “Bastion”, wie Sabella sagte. Der Barcelona-Profi ist Chef im defensiven Mittelfeld, sehr zweikampfstark und passsicher.

Lucas Biglia (28): Teamkollege vom deutschen WM-Rekordtorschützen Miroslav Klose bei Lazio Rom. Profitierte von den schlechten Leistungen des Ex-Real-Profis Fernando Gago und nutzte seine Chance sehr zuverlässig. Im Halbfinale über 15 Kilometer gelaufen.

Angel di Maria (26): Argentinien hofft auf seine Genesung. Neben Messi ist der Flügelspieler vom Champions-League-Sieger Real Madrid der zweite große Star im Team. Sehr dynamisch, lauf- und dribbelstark.

Ezequiel Lavezzi (29): Ersatz für den verletzten Sergio Aguero. Der Angreifer von Paris St. Germain ist technisch stark und dynamisch.

Lionel Messi (27): “Er ist das Wasser in der Wüste”, sagte Sabella über den Kapitän. Messi gewann mit Barcelona dreimal die Champions League, viermal die Wahl zum Weltfußballer und 2008 Olympia-Gold. Nur Weltmeister war er noch nie.

Gonzalo Higuain (26): In den ersten Turnierspielen völlig außer Form. Das Siegestor gegen Belgien war für den Napoli-Angreifer wie eine Erlösung. Gefürchteter Torjäger, einziger kräftiger Mittelstürmer.

Müller jagt auch Torjägerkrone

Vor dem Finalwochenende liegt weiterhin der Kolumbianer James Rodriguez mit sechs Treffern an der Spitze der Torschützenliste der Fußball-WM in Brasilien. Doch Deutschlands Torjäger Thomas Müller kann den Shootingstar im Endspiel noch abfangen, aber wichtiger ist ihm natürlich der Titel. “Es ist nicht das Ziel Torschützenkönig zu werden, sondern Weltmeister”, stellte Müller klar.

Der Bayern-Offensivspieler hält bei fünf Toren und drei Vorlagen, womit ihm schon ein Treffer gegen Argentinien genügen würde, um Rodriguez, der nur zweimal ein Tor aufgelegt hat, von der Spitze zu verdrängen. “Natürlich ist beides möglich. Ich hoffe natürlich, dass ich meiner Mannschaft mit ‘nem Törchen noch im Finale helfen kann”, erklärte Müller. “Wenn nicht, dann ist es auch nicht so schlimm. Ich will einfach diesen Pokal haben mit der Mannschaft.”

Nie zuvor in der WM-Historie bejubelte ein Star zweimal den Sieg in der Torjäger-Wertung. Müller könnte nach dem Erfolg 2010 in Südafrika mit einem neuerlichen Triumph der erste sein. Schon dreimal – Gerd Müller 1974, Miroslav Klose 2006 und Thomas Müller 2010 – kam der beste WM-Torschütze aus Deutschland. Nur Brasilien ist mit fünf Erfolgen besser. Doch seit der Heim-WM vor acht Jahren ist Deutschland die Nummer eins – und will es auch in dieser Kategorie bleiben. “Wir ziehen durch bis zum Schluss. Mal schauen, was dann alles abgefallen ist”, meinte Müller.

(APA)

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