WM-Bilanz nach der Vorrunde: Tops und Flops der Gruppenphase

Die großen Stars traten bisher mit recht unterschiedlichen Leistungen bei der WM in Brasilien in Erscheinung.
Die großen Stars traten bisher mit recht unterschiedlichen Leistungen bei der WM in Brasilien in Erscheinung. ©AP/EPA
Am ersten spielfreien Tag seit Anpfiff der Fußball-WM 2014 in Brasilien ist es Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. Das sind bisher die absoluten Superstars, die größten Enttäuschungen und die spannendsten Fakten der WM.
Alle Infos im WM-Special
FIFA sperrt "Beißer" Suarez

Die Tops der WM

Tore: Es ist eine WM des Offensivfußballs. 2,83 Tore pro Spiel sind im Schnitt in der Gruppenphase gefallen. Damit steuert das Turnier in Brasilien auf den höchsten Wert seit 1970 zu. 2010 in Südafrika waren in der Gruppenphase noch magere 2,10 Treffer pro Partie erzielt worden. Seither hat aber auch bei den Teamchefs ein Umdenken eingesetzt. Der Mut zur Offensive ist zurückgekehrt.

vanPersieEPA2-600

Superstars: Brasiliens Neymar und Argentiniens Lionel Messi sind ihren Erwartungen gerecht geworden. Beide erzielten wie Deutschlands Thomas Müller bereits in der Gruppenphase vier Tore. Messi war fast allein dafür verantwortlich, dass die Argentinier alle drei Spiele gewannen. Für seinen Barcelona-Clubkollegen Neymar scheint Druck bei der Heim-WM ebenfalls ein Fremdwort.

Miroslav Klose: Auf den Rekordmann ist Verlass. Selbst in seiner Rolle als “Joker” erzielte der Deutsche gegen Ghana (2:2) einen enorm wichtigen Treffer. Mit seinem 15. WM-Tor stellte Klose den Rekord von Ronaldo ein. Der 36-Jährige hat in der K.o.-Phase die Chance, die Marke weiter auszubauen. Bei vier verschiedenen WM-Turnieren haben außer ihm nur Landsmann Uwe Seeler und Pele getroffen.

KloseEPA-600

Amerika: Südamerika brachte fünf seiner sechs WM-Teams ins Achtelfinale, der häufig belächelte Verband von Nord- und Mittelamerika mit den USA, Mexiko und Costa Rica drei von vier. Amerika hat Europa beim Turnier in Brasilien endgültig den Rang abgelaufen. Die Europäer stellen in der K.o.-Phase wie 2010 in Südafrika nur noch sechs Teams.

Dreier- bzw. Fünferkette: Die WM rüttelt an der Alleinherrschaft der Viererkette. Mehrere Teams waren mit flexiblen Defensivreihen erfolgreich, bei denen sich die Außenverteidiger in Ballbesitz noch stärker in die Offensive einschalteten. Bei Ballverlust dagegen wurde mit den drei Innenverteidigern eine Fünferkette gebildet – gesehen etwa bei den Niederlanden, Mexiko, Chile oder Costa Rica.

Costa Rica: Den Mittelamerikanern war in einer Gruppe mit drei Ex-Weltmeistern die Rolle des Punktelieferanten zugedacht. Mit Siegen gegen Uruguay (3:1) und Italien (1:0) sowie einem torlosen Remis gegen England erreichte Costa Rica aber sensationell ohne Niederlage als Gruppensieger das Achtelfinale. Dort geht es mit Griechenland ebenfalls gegen einen Außenseiter.

CostaRicaAP2-600

Torlinientechnik: Fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen gibt es weiterhin. Doch dank der erstmals eingesetzten Torlinientechnik blieben den Unparteiischen zumindest diesbezüglich Diskussionen erspart. Auch die überflüssige Darstellung glasklarer Treffer mit der neuen Technik hat sich die FIFA bald abgewöhnt.

Fans: Die Begeisterung der südamerikanischen Fans verleiht der WM ein einzigartiges Flair, die Euphorie rund um die “Copa” in Brasilien übertrifft bei weitem jene bei den Turnieren in Deutschland und Südafrika. Seit Turnierbeginn mutierten die Austragungsstädte zu riesigen Party-Zonen. Die Befürchtung, Demonstrationen könnten die Wohlfühl-Atmosphäre stören, bewahrheitete sich nicht, auch gravierende Ausschreitungen blieben vorerst aus.

Die Flops der WM

Tiqui-taca: Sechs Jahre lang hatte Spanien mit seinem Kurzpass-Spiel den Weltfußball dominiert. Am 18. Juni endete die spanische Ära. Mit einem 1:5 gegen die Niederlande und einem 0:2 gegen Chile war die Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung schon nach zwei Spielen verspielt. Die Spanier verabschiedeten sich als fünfter amtierender Weltmeister schon in der Vorrunde.

TiciTacaEPA-600

Ballbesitz: Nicht nur für Spanien, auch für andere Teams, die das Spielgerät gern in den eigenen Reihen zirkulieren lassen, gab es bei der WM nichts zu holen. Die Italiener zum Beispiel schieden in der Gruppenphase aus, obwohl sie in allen drei Partien mehr Ballbesitz hatten. Im Gegensatz dazu setzt sich immer mehr die Taktik des schnellen Umschaltspiels durch.

Europas Schwergewichte: Erstmals scheiterten beide EM-Finalisten bei der folgenden WM bereits in der Gruppenphase. Neben Spanien und Italien erwischte es von den namhaften europäischen Teams aber auch Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo oder England. Die Engländer verzeichneten mit nur einem Punkt aus drei Spielen überhaupt das schlechteste WM-Abschneiden ihrer Geschichte.

Asien: Alle vier Teams der asiatischen Konföderation verabschiedeten sich bereits in der Gruppenphase – und das ohne einen einzigen Sieg. Der Iran, Japan, Südkorea und Australien, das seit 2006 ebenfalls in der asiatischen Qualifikation antritt, holten zusammen nur drei magere Punkte. Die FIFA könnte die Zahl der WM-Startplätze für Asien überdenken.

AustralienEPA1-600

Prämienstreit: Gleich bei drei afrikanischen Teams wurde vor und während der WM über das Geld diskutiert. Einzig Nigeria schaffte es daraufhin noch ins Achtelfinale. Kameruns zerstrittener Haufen trat ohne Punkt mit 1:9 Toren die Heimreise an. Bei Ghana wurden die Stars Kevin-Prince Boateng und Sulley Muntari noch vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Portugal wegen Disziplinlosigkeiten suspendiert. Immerhin erhielten die Spieler ihre WM-Antrittsprämien – in Geldkoffern.

Vorbereitung in Österreich: Keines der drei Teams, das sich in Österreich auf die WM vorbereitet hat, hat reüssiert. Kroatien, Ende Mai eine Woche in Bad Tatzmannsdorf stationiert, musste trotz eines Sieges gegen Kamerun (4:0) die Koffer packen. Der Iran (im Mai drei Wochen in Bad Waltersdorf und Stegersbach) und Kamerun (zehn Tage in Walchsee in Tirol) zählten zu den schwächsten WM-Teams.

Luis Suarez: Uruguays Stürmerstar sorgte für einen unrühmlichen Höhepunkt der Gruppenphase. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Italien (1:0) biss der Liverpool-Angreifer Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter. Suarez fasste dafür neun Spiele Sperre bzw. vier Monate Ausschluss von allen Fußball-Aktivitäten aus.

SuarzeBissAP-600

Schiedsrichter: Die Vorbereitung war so professionell wie nie, gebracht hat sie wenig. Die Referees leisteten sich vom Eröffnungsspiel an zahlreiche und manchmal sogar im Aufstiegsrennen entscheidende Fehlpfiffe.

Daten und Zahlen zur Gruppenphase

Daten und Zahlen zu der am Donnerstagabend abgeschlossenen Gruppenphase der Fußball-WM in Brasilien:

Sieglos: 9 der 32 Mannschaften fahren nach der Gruppenphase ohne Sieg nach Hause: Russland, Ghana, England, Südkorea, Iran, Japan, Australien, Honduras, Kamerun. Darunter befinden sich alle vier Vertreter des asiatischen Kontinentalverbands (Südkorea, Iran, Japan, Australien).

Afrika: Erstmals haben sich zwei afrikanische Mannschaften (Nigeria, Algerien) für das Achtelfinale qualifiziert.

Tore: 2,8 Tore sind durchschnittlich gefallen und damit um 0,5 mehr als 2010 (2,3).

Spielzeit: 55,5 Minuten Netto-Spielzeit hat die FIFA durchschnittlich errechnet. Da ist klar weniger als 2010 (69,8).

Offensive: 62 Angriffe und damit so viele wie keine andere Mannschaft hat Frankreich verbucht. Der Durchschnitt lag bei 38,5.

Passspiel: 1.792 Pässe hat die deutsche Mannschaft gemacht, 85 Prozent davon fanden auch einen Mitspieler (Durchschnitt: 1.153).

DeutschPassAP-600

Passgeber: Javier Mascherano hat 89,4 Prozent seiner Pässe an einen seiner argentinischen Teamkollegen gebracht.

Marathonmann: Die meisten Kilometer, nämlich 38,019, hat US-Spieler Michael Bradley abgespult.

Kilometer: Dass Laufbereitschaft nicht unbedingt Erfolg bedeutet, zeigt die Statistik der gelaufenen Kilometer einer Mannschaft. Die Australier (118,1) und die Russen (115,8) liefen in der Gruppenphase am meisten, schieden aber beide aus. Die ebenfalls ausgeschiedene Elfenbeinküste machte am wenigsten Kilometer (95,8).

2.454.377 Zuschauer in ersten 48 Partien

In der Gruppenphase, das heißt den ersten 48 von 64 Spielen der Fußball-WM in Brasilien, wurden 2.454.377 Zuschauer in den zwölf Stadien gezählt. Das bedeutet, dass im Schnitt 51.133 Fans ein Match live mitverfolgten.

ZuschauerAP-600

Bei der WM 2010 in Südafrika waren es nach allen 64 Partien 3.178.856 Zuschauer, das bedeutete einen Schnitt von 49.670. Am meisten Zuschauer im Schnitt pro Partie kamen in der WM-Geschichte 1994 in den USA mit 68.991.

Trefferreichste WM seit 1970 winkt

Die Fußball-WM in Brasilien ist die trefferreichste der vergangenen Jahrzehnte. In der Gruppenphase sind in 48 Spielen insgesamt 136 Tore gefallen. Das ergibt einen Schnitt von 2,83 pro Partie. Vor vier Jahren in Südafrika lag dieser Wert in der Vorrunde lediglich bei 2,10, zu Turnierende bei 2,27.

Derzeit rangiert die WM 2014 sogar vor jener 1982 in Spanien. Damals waren in 52 Spielen im Schnitt 2,81 Treffer erzielt worden. Brasilien könnte damit zum trefferreichsten Turnier seit Mexiko 1970 (Schnitt 2,97) werden. Rekordhalter in der WM-Geschichte ist das Turnier 1954 in der Schweiz mit 5,38 Toren pro Partie.

(APA)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Fußball
  • WM-Bilanz nach der Vorrunde: Tops und Flops der Gruppenphase
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen