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WM-Abfahrts-Gold für Kucera

John Kucera darf sich überraschend erster kanadischer Abfahrts-Weltmeister nennen. Er siegte für Didier Cuche und Carlo Janka.

Auch im zweiten Speedrennen, bei dem ab Startnummer 6 für das gesamte Favoritenfeld der Nebel im oberen Teil für Sichtbehinderungen sorgte, erlitten die Österreicher eine herbe Niederlage.

 

Hermann Maier landete trotz vermurkster Fahrt als Bester auf Rang sechs (+1,18 Sekunden), Michael Walchhofer, der sogar zweimal fahren “durfte” und dank des Kraftaktes zum heimlichen Helden mutierte, wurde Neunter vor Klaus Kröll, Qualifikant Christoph Gruber schied aus. Mit Ausnahme von Cuche (Startnummer 16) und dem Liechtensteiner Marco Büchel (14) auf Platz vier hatte kein Läufer mit einer höheren Nummer eine Chance, so nützte der 24-jährige Kucera, der bisher erst ein Weltcuprennen gewonnen hat (2006 Super-G in Lake Louise) und in der Abfahrt einen siebenten Rang als bestes Weltcup-Resultat zu Buche stehen hatte, die Gunst der Stunde.

“Es ist unglaublich, das ist mein erster Abfahrts-Podestplatz, den habe ich mit für das richtige Rennen aufgehoben. Weltmeister zu sein, ist das Größte neben Olympia”, jubelte Kucera, der bei der zweiten Fahrt von Walchhofer nochmals “zitterte”. Schwer geschlagen waren im Nebel die Co-Favoriten Bode Miller (USA/8.), Aksel Lund Svindal (NOR/12.) und der Schweizer Wengen- und Kitzbühel-Sieger Didier Defago, der spektakulär stürzte. Insgesamt zehn Ausfälle gab es, nur 28 Läufer kamen in die Wertung.

Am Samstag zweimal in den Genuss der “Face de Bellevarde” kam Walchhofer. FIS-Chef-Renndirektor Günter Hujara hatte wegen starken Nebels im oberen Teil Start-Stopp angeordnet, der Startrichter ließ den ÖSV-Abfahrer mit Startnummer 21 aber fahren, woraufhin Cheftrainer Toni Giger bei der FIS um eine Re-Start anfragte, den Hujara genehmigte. Das bedeutete Stress für den Servicemann Walchhofers am Start, und Knochenarbeit für den Sportler, der dann nach Nummer 37 noch einmal über die 2.988 m lange brutale Strecke ging. Die Zeit beim zweiten Lauf war besser, beim ersten hatte Walchhofer einmal schon mit dem Hinterteil den Schnee gestreift.

“Noch einmal zu fahren, das ist mir noch nie passiert. Der Start-Stopp ist überhört worden, als ich gerade rausgefahren bin. Das war ein bissel chaotisch. Wie ich herunten war, hat man mir dann gesagt, ich kann noch einmal fahren, weil es ein Juryfehler war. Da habe ich mir gedacht, ja wenn Du noch einmal eine Chance hast”, erzählte Walchhofer im Ziel. Er habe daraufhin den Trainern gesagt, dass er nur fahre, wenn die Bedingungen super sind. “Die Kollegen haben mir Respekt gezollt, dass ich da zweimal runtergefahren bin, aber das zählt nur für mich, sonst nichts.”

Startnummer 1 wäre am Samstag ideal gewesen, Maier erwischte allerdings eine zu unsaubere Fahrt. “Eine Medaille wäre drinnen gewesen, aber ich wollte eine bisschen zu viel. Meine Fahrt war nicht schlecht, aber unsauber, man ist mit den Gedanken immer ein bisschen zu weit vorne”, sagte der Flachauer nach dem besten Abfahrtsergebnis der Saison. “Unten hatte ich einen groben Schnitzer, da habe ich viel Zeit verloren. Der obere Teil war in Ordnung, doch das Rennen wird im unteren entschieden”, wusste er.

Klaus Kröll, der bis zur zweiten Zwischenzeit voran gelegen war, haderte mit seiner Kurvenleistung. “Es war nicht so schlecht, aber ich habe ein Manko in den technisch anspruchsvollen Kurven. Der Grundspeed wäre gewaltig. Aber ich kann den hier leider nur teilweise ausspielen.” Christoph Gruber, der es über die Qualifikation ins WM-Abfahrtaufgebot geschafft hatte, schied aus. “Mich hat es in der Kompression ausgehoben, dann bin ich abgeflogen und hatte keine Chance. Ich spüre die Kniekehle, aber es ist sicher nichts gerissen.”

“Groß” war die Enttäuschung natürlich bei ÖSV-Alpinchef Hans Pum, warten die Österreicher nun doch bereits seit 2003 auf WM-Gold in der Abfahrt. “Wir haben schon mit einer Medaille gerechnet, wir haben eine starke Mannschaft. Es gibt aber viele Favoriten, und wir sind besser, als das Ergebnis besagt.” Es sei schade, dass Maier und Gruber die niedrigen Nummern nicht nutzen konnten.

Den Hut zog Pum vor Walchhofer: “Das war eine sensationelle Leistung von Michael, in so kurzer Zeit zweimal da runterzufahren ist. Nicht umsonst hat sich Cuche vor ihm in den Schnee gekniet.”

 

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