Witziges Seelenharakiri

Wer sein Heil in zwischenmenschlichen Beziehungen sucht, der sei gewarnt.

Zumindest sollte er sich die neueste „Asoa-Theater”-Produktion „Sushi Connection” von Uli Brée und Michaela Scheday auf der Schrunser Kulturbühne ansehen. Eine zynische Komödie, die sich um vielerlei Rohheiten rund um die bekannten japanischen Häppchen dreht. Vor allem aber geht es um rohe Wahrheiten. „Die Wahrheit ist ein Hund, sie beißt jeden, der sich vor ihr fürchtet”, heißt eine alte japanische Weisheit.

Wahrheit als Waffe

Die Wahrheit wird in der „Sushi-Connection” zur ultimativen Waffe im partnerschaftlich-familiären Kleinkrieg. Immer schneller folgen die Sushi-Runden aufeinander. Mit unergründlichem Lächeln sitzen Andrea und Ulli – zwei Schwestern – einander gegenüber, die Stäbchen zum Angriff bereit. Andrea ist bereits geschieden und hat ihre Vergangenheit (Erik, ein Zahnarzt) im Nacken, Ulli hingegen hat ihre mögliche Zukunft (Michael, ein Schriftsteller) im Schlepptau. Das Quartett spielt in sieben unterschiedlichen Szenarien japanisches Roulette. Die vier treffen sich regelmäßig, um alte Rechnungen zu begleichen und das Leben zu besprechen. Die Grundregel: „Talken wir small.” Doch die Gespräche entgleisen, der Ton wird roh wie der Fisch. Und um ein Haar kommen Wahrheiten ans Licht.

Bereits ein Klassiker

Spätestens als sich Julia und Adi Kettner, Susanne Marosch und Sebastian Ganahl mit Fischvergiftung auf dem Boden wälzen, wird klar, dass der Sushi-Gott nicht nur Lügen hart straft, sondern auch das Schauspielquartett mit viel Schauspieltalent ausgestattet hat. In der „entschärften” Regie von Josefine Ganahl verleiht das Quartett dem mittlerweile bereits zum „Klassiker” mutierten Lustspiel auch zehn Jahre nach der Wiener Uraufführung bei der Vorarlbergpremiere den Touch des unterhaltsamen Seelenharakiris. Da kommt Schadenfreude auf. Rohe Wahrheit, unverfälscht und frisch. Brain Kamikaze. Ein Gesellschaftspiegel unserer Schicki-Micki-Multimedia-Gesellschaft, die zwar reich an Materiellem, aber arm an Zwischenmenschlichem ist. Das Publikum genießt den Leidensmarathon der beiden Pärchen („Wir sind alle schon im Minenfeld der Lächerlichkeit gestanden”, „Im Bett bin ich ehrlich”) und spendet wiederholt Szenen­applaus.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Kultur
  • Schruns
  • Witziges Seelenharakiri
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen