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Wirtschafts-Nobelpreis an Aumann und Schelling

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft 2005 geht an den gebürtigen Deut-schen mit isrealisch-amerikanischer Doppelstaatsbürgerschaft Robert Aumann und den Amerikaner Thomas Schelling für Arbeiten im Bereich der Spieltheorie.

Dies erklärte das Nobelkomitee am Montag in Stockholm. „Ihre Arbeit hat die Sozialwissenschaften weit über die Grenzen der Ökonomie hinaus verändert“, hieß es in der Begründung der Jury.

Der 75-jährige Aumann wurde 1930 in Frankfurt am Main geboren und hat die israelische und die US-Staatsbürgerschaft. Er lehrte an der hebräischen Universität von Jerusalem. Der 84 Jahre alte US-Bürger Schelling war unter anderem in Harvard tätig. Die beiden Forscher teilen sich das Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro).

Der Sekretär des Nobelkomitees, Peter Englund, sagte: „Wir haben hier ein enorm ungleiches Paar ausgezeichnet.“ Zum langen Zeitraum bis zur Zuerkennung des Preises meinte Englund: „Ihre Modelle mussten sich ja erst in der Realität bewähren.“

Die Arbeiten von Aumann und Schelling zur „strategischen Interaktion“ hätten eine Brücke zwischen den Wirtschaftswissenschaften und den Verhaltens- und Sozialwissenschaften geschlagen, hieß es weiter. Dank ihrer Forschungen lasse sich eine Vielzahl von Zusammenhängen erklären: Von der Preisbildung auf Märkten über Tarifverhandlungen bis hin zu Rüstungswettläufen und sogar Massenschießereien. Schelling zeigte sich in einer ersten Reaktion überwältigt. Er wolle mit seiner Hälfte des Preises „etwas Nützliches“ tun, sagte er der schwedischen Agentur TT.

Der emeritierte Schelling, der in Harvard und an der University of Maryland in College Park lehrte und forschte, legte die Grundlagen seiner Theorie in dem Klassiker „The Strategy of Conflict“ (Die Strategie des Konflikts) von 1960. Mitten im Kalten Krieg untersuchte er die Bedingungen für die internationale Sicherheit und das Wettrüsten zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion. Schelling wirkte am Marshall-Plan mit, der Grundlage für das deutsche Wirtschaftswunder, und war in den 50er Jahren Berater im Weißen Haus.

Im Konflikt mit der UdSSR machte sich Schelling zum Verfechter einer harten Linie in der US-Verteidigungspolitik: Er versuchte nachzuweisen, dass die Drohung mit Vergeltungsschlägen äußerst wirksam sein könne. Ende der 70er Jahre erklärte der US-Forscher zudem gesellschaftliche Phänomene wie die zunehmende Ghetto-Bildung und die Diskriminierung auf Grund von Rasse und Geschlecht.

Der in Frankfurt geborene Aumann floh 1938 mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland nach New York, von wo aus er später nach Israel übersiedelte. Der heute 75-Jährige entwickelte Schellings Ansätze mit Hilfe der Mathematik weiter. Aumann konzentrierte sich dabei vor allem auf die Theorie „fortgesetzter Spiele“, bei denen mehrere Parteien über eine lange Zeit interagieren. Er zeigte auf, dass eine friedliche Zusammenarbeit zur Durchsetzung der eigenen Interessen mehr bringt als ein harter Konfliktkurs. Aumanns Ideen tragen dazu bei, wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln zu erklären, vom Tarifabschluss bis hin zu internationalen Handelsabkommen.

Der Wirtschafts-Nobelpreis wird in diesem Jahr zum 36. Mal vergeben. Mit Abstand die meisten Träger stammen aus den USA. Zu den bekanntesten Preisträgern zählen die US-Forscher Milton Friedman (1976), James Tobin (1981) und Joseph Stiglitz (2001).

Österreich kam bisher nur auf eine einzige Ehrung: 1974 erhielt der gebürtige Österreicher Friedrich Hayek – laut Reisepass seit 1938 Engländer – gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal den Wirtschafts-Nobelpreis für „bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und den tiefgründigen Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen“. Eine Frau war noch nie unter den Preisträgern. Übergeben wird die Auszeichnung am 10. Dezember in Stockholm.

Der Wirtschaftspreis geht im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen nicht direkt auf das Testament von Alfred Nobel zurück, sondern ist eine Ehrung der Schwedischen Reichbank in Gedenken an den Dynamit-Erfinder. Er wird seit 1969 verliehen. Er ist der vorletzte im alljährlichen Nobelpreisreigen. Voraussichtlich am Donnerstag folgt noch die mit Spannung erwartete Auszeichnung für Literatur.


Stichwort: Spieltheorie – Schach und Poker für Wahlkämpfe und Wirtschaft

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