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Wird Rheinfall bald zum Rinnsal?

1,3 Millionen Menschen aus aller Welt lassen sich dieses Spektakel jedes Jahr nicht entgehen: Der Rheinfall – größter Wasserfall Europas – weckt nun auch Begehrlichkeiten der Stromproduzenten.
1,3 Millionen Menschen aus aller Welt lassen sich dieses Spektakel jedes Jahr nicht entgehen: Der Rheinfall – größter Wasserfall Europas – weckt nun auch Begehrlichkeiten der Stromproduzenten. ©Roland zh
Schaffenhausen (CH) - Energieversorger im Kanton Schaffhausen planen ein Kraftwerk. Ein Fünftel des Wassers soll entnommen werden.


Europas größter Wasserfall stürzt nahe Schaffhausen 23 Meter tosend in die Tiefe. Dort plant der Kanton nun ein neues Wasserkraftwerk. Martin Steiger, Verwaltungsratspräsident der Rheinkraftwerke Neuhausen AG, nennt den Rheinfall einen „einmalig attraktiven Standort für ein Wasserkraftwerk“. Zwar dürfe die entnommene Wassermenge den touristischen Wert „nicht zu stark schmälern“. Immerhin reisen jährlich 1,3 Millionen Besucher an. Aber die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) gab bereits grünes Licht und schreibt in ihrer Stellungnahme: „Die Kommission geht davon aus, dass eine vertretbare gesamthafte Entnahmemenge von 20 Prozent des Mittelwasserabflusses nicht übersteigen sollte, damit der Erlebniswert nicht geschmälert wird.“

“Absoluter Tabubruch”

Für die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva-Rheinaubund bedeuten die Pläne einen „absoluten Tabubruch“. In den Augen des Geschäftsführers Stefan Kunz ist der Rheinfall absolut unantastbar. „Wir fragen uns, was wohl als nächstes kommt“, zeigt sich Kunz wütend im VN-Gespräch. Seitens der Betreiberfirma kann sich Martin Steiger aus der Geschäftsleitung „auch vorstellen, bei Nacht mehr Strom zu produzieren“. Für den Schaffhauserland Tourismus signalisiert der stellvertretende Direktor Stefan Ulrich Einverständnis: „Unsere Besucherströme ebben gegen 18 Uhr deutlich ab.“

Gesetz müsste geändert werden

Schrumpft also in absehbarer Zeit der Rheinfall bei Nacht zum Rinnsal? Erst muss eine gesetzliche Hürde genommen werden. Der Schaffhausener Kantonsrat muss zunächst das Wasserwirtschaftsgesetz ändern. Dessen Artikel 19 verbietet nämlich eine weitere Wasserkraftnutzung des Rheins auf Schaffhausener Gebiet. Die Bestimmung geht auf eine Volksinitiative aus 1969 zurück.

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