"Wir müssen effektiver werden"

Die Austria kann nicht mehr siegen. Möglicherweise kommt da das Heimderby am Freitag (20.30 Uhr) gegen Altach gerade recht.

Im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel wartet auf Helgi Kolvidsson am Freitag. Der Austria-Trainer, der heute seinen 40. Geburtstag feiert, erhält Besuch aus der Heimat. Seine Eltern reisen aus Island an, seine Schwester aus Schweden. Doch gefeiert wird – im Familienkreis – erst am Samstag, bis dahin steht das Derby gegen Altach und die Frage nach der Kehrtwende im Mittelpunkt. Immerhin werden es am Spieltag schon 49 Tage ohne Sieg sein.

 

Warum schafft es die Austria derzeit nicht, einen Sieg einzufahren?

Helgi Kolvidsson: Weil wir einfach zu wenig Tore machen . . . Ich habe mir das Spiel in Linz noch einmal angeschaut. Wir haben gut 65 oder 70 Prozent Ballbesitz, 9:1 Eckbälle und 10:1 Freistöße in der gegnerischen Hälfte. Wir betreiben einen Riesenaufwand, werden dafür aber nicht belohnt.

 

Gibt es denn dafür eine Erklärung?

Kolvidsson: Ich denke, es ist eine Konzentrationssache. Etwa bei den Standards. Wir schaffen es derzeit einfach nicht, einen Freistoß dorthin zu bringen, wo er hin sollte. Es ist wie verhext, dass es uns nicht gelingt, mehr Kapital daraus zu schlagen. Es fehlt allerdings auch etwas das Spielglück: Etwa in Linz. Da hat Blau-Weiß einen Eckball, wir bekommen den Ball nicht aus dem Gefahrenbereich und dann pfeift der Schiedsrichter einen Elfmeter, über den zumindest diskutiert werden kann.

 

Was kann, was muss man in einer solchen Situation mit sechs Spielen ohne Sieg machen?

Kolvidsson: Arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten – an den Laufwegen in die Tiefe, an den Automatismen, an der Durchsetzungskraft. Vom Spielerischen und Läuferischen her kann ich der Mannschaft absolut keinen Vorwurf machen. Aber wir machen uns das Leben selbst schwer. Wirmüssen einfach effektiverwerden.

 

Möglicherweise kommt also das Derby genau zur rechten Zeit?

Kolvidsson: Mit Sicherheit wird es eine offene Partie. Für uns vielleicht sogar leichter, auf jeden Fall nicht vergleichbar mit Spielen wie gegen Grödig, St. Pölten oder BW Linz. Diese Mannschaften agieren gegen uns zumeist sehr defensiv. Das wird gegen Altach sicher nicht so sein.

 

Zuletzt in Linz haben Sie mit einem 4-4-2-System agiert. Denken Sie daran, dieses System weiter zu behalten?

Kolvidsson: Es wird immer viel vom System gesprochen. Für uns ist es wichtig, dass wir unser Spielsystem unserem Personal anpassen. Das kann von Match zu Match verschieden sein. Zumal die Mannschaft schon bewiesen hat, dass sie eigentlich alles spielen kann. Ob 4-3-3, 4-1-4-1, 4-2-3-1 oder 4-4-2, das Wichtigste ist letztendlich doch das Ergebnis.

 

Welche Lehren können Sie für sich aus den Spielen ohne Sieg ziehen?

Kolvidsson: Als Trainer ziehst du aus jedem Spiel deine Lehren. Für mich war es wichtig, dass wir stabiler stehen, dass unsere Defensivarbeit kompakter wird. Da haben wir große Fortschritte gemacht. Aus dem Spiel heraus haben wir in den letzten Runden nicht mehr viel zugelassen. Jetzt muss im Spiel nach vorne eine Verbesserung erzielt werden.

 

Ist es möglich, dass die Causa „Sascha Boller“ – Wechsel oder nicht – der Austria geschadet hat?

Kolvidsson: So eine Sache hinterlässt immer ihre Spuren. Wir haben uns natürlich auch mit der Frage: Was wäre wenn beschäftigt. Intern haben? wir uns schon mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, was bei einem Abgang von Sascha Boller zu tun wäre. Vielleicht haben sich auch einige junge Spieler schon Chancen ausgerechnet. Spurlos geht so eine Geschichte jedenfalls nicht vorbei. Auch nicht bei Boller. Er wusste lange nicht, ob er bleibt oder geht.

 

Sie feiern heute ihren 40. Geburtstag. Was wünschen Sie sich?

Kolvidsson (schmunzelt): Natürlich einen Sieg gegen Altach. Viele Freunde von mir werden am Freitag im Stadion sein. Auch meine Eltern und meine Schwester sind da. Gefeiert wird allerdings erst nach dem Spiel. Davor haben wir noch eine Aufgabe zu erledigen.

 

Hochzeit verhindert Einsatz von Karatay, auch Krajic ist fraglich

Wenn am Freitag das große Vorarlberger Fußballderby im Reichshofstadion angepfiffen wird, fehlt auf Seiten der Hausherren mit Dursun Karatay ein Stürmer, auch der Einsatz seines Offensivkollegen Gerald Krajic ist fraglich. Bei Karatay verhindert die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Sultan einen Einsatz. „Schade, ich hätte so gerne gespielt“, meint der 26-jährige Türke. Die offizielle Feier findet zwar erst am Samstag statt, doch am Abend davor steigt das „Kina-Gecesi“-Fest. In der Nacht vor der Hochzeit feiert man dieses wohl wichtigste und emotionalste Fest, in der sich die Braut vom Elternhaus, aber insbesondere von ihrer Mutter, verabschiedet. Für das Hennaritual zieht die Braut ein sogenanntes Bindalli – ein rotes, üppig verziertes, langes Gewand – an und bedeckt ihren Kopf mit einem roten Schleier. Die Farbe Rot symbolisiert Fruchtbarkeit und steht für Liebe, viele Kinder und Wohlstand. Bei Krajic (29) ist es eine Sportwoche im Rahmen seiner Ausbildung zum Lehrer, die bezüglich eines Einsatzes für Ungewissheit sorgt.

 

Teamnews:

SC Austria Lustenau

Ausfall: Felix Roth (23) ist nach seiner fünften Gelben Karte für das Derby am Freitag gesperrt. Aaron Kircher (19) ist noch immer nicht fit.

cashpoint SCR Altach

Derby-Bus-Shuttle: Zum Spiel am Freitag im Reichshofstadion (Anpfiff um 20.30 Uhr) wurde für die Altach-Fans ein Shuttle-Dienst eingerichtet. Der erste Bus fährt um 18.45 Uhr von der Cahspoint-Arena Richtung Reichshofstadion, die letzte Fahrt ist um 19.30 Uhr. Hin- und Rückfahrt konsten vier bzw. zwei Euro (Kinder). In der Cashpoint-Arena ist das Klubheim (TV-Übertragung) ab 18 Uhr geöffnet. Eintrittskarten bzw. Buskarten gibt es ab sofort im SCRA-Office.

Ausfall: Offensivspieler Patrick Scherrer (24) muss weiterhin auf seinen ersten Saisoneinsatz warten.

VN: Christian Adam
home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg Sport
  • "Wir müssen effektiver werden"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen