"Wir leben auf einem Vulkan"

Die Nutzung der Atomenergie ist für Dr. Rudolf Seewald, den Gründer der Initiative "Rechtsanwälte gegen Atomgefahr" ein Spiel mit dem Feuer.

Als vor 20 Jahren der Atommeiler in Tschernobyl barst und eine radioaktive Wolke weite Teile Nord- und Mitteleuropas verseuchte, wurde vielen Menschen schlagartig bewusst, dass die friedliche Nutzung der Atomenergie eine große Gefahr für Mensch und Natur darstellt. Damals läuteten auch beim Dornbirner Anwalt Dr. Rudolf Seewald die Alarmglocken. Er beschloss, die Initiative „Rechtsanwälte gegen Atomgefahr“ ins Leben zu rufen. „Zwölf bis 15 Kollegen erklärten sich spontan bereit mitzumachen“, erinnert sich Seewald an die Anfänge einer großen Kampagne.

Die notwendige Zeit, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um möglichst viele Menschen auf die atomare Gefahr aufmerksam zu machen, hatte er. Denn der heute fast 90-Jährige trat im Tschernobyl-Jahr in den Ruhestand. Also setzte er sich an die Schreibmaschine und verschickte Briefe. Nicht an irgendjemand, sondern an höchste Stellen. „Die Empfänger waren der Bundespräsident, die Bundesregierung, die Bischofskonferenz, Präsident Gorbatschow oder sogar Papst Johannes Paul II.“ Als Beweis nimmt er die Kopien aus dem Ordner. In den Schreiben forderte er unter anderem den kompletten Ausstieg aus der Atomenergie. „Man hat uns höflich geantwortet, getan hat sich nicht viel.“ Das haben sich die kämpferischen Anwälte auch nicht erwartet. „Wir haben aber immerhin erreicht, dass das Thema Atomenergie in der Bevölkerung diskutiert wurde“, ist der eifrige Briefschreiber heute noch überzeugt.

56.000 Unterschriften

Aufgegeben hat die Initiative trotzdem nicht. Und das war auch gut so, denn im bayerischen Wackersdorf drohte der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe. Grund genug für Seewald, den Kampf gegen das Projekt aufzunehmen. „Wir haben 56.000 Unterschriften gesammelt, die wir in München vorgelegt haben.“ Auch viele andere Gruppierungen und Initiativen bekämpften Wackersdorf und konnten am Schluss einen Erfolg feiern: Das Projekt wurde nie realisiert.

Buchautor

Rudolf Seewald, inzwischen Ehrenpräsident der „Rechtsanwälte gegen Atomgefahr“, be obachtet die Szene nach wie vor genau. Aktionen gibt es derzeit keine mehr. Zur Ruhe gesetzt hat sich Seewald, der sich trotz seines hohen Alters bester Gesundheit erfreut, aber nicht. Er verfasste in den letzten Jahren mehrere Bücher, noch dieses Jahr wird das neueste Werk, ein Bilderbogen über seine Heimatgemeinde Lustenau, gedruckt.

ZUR PERSON

Dr. Rudolf Seewald

  • Geboren: 1916 in Lustenau
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Bildungsweg: Volksschule, Matura an der Stella Matutina, Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Wien und Graz.
  • Berufliche Laufbahn: 40 Jahre Rechtsanwalt in Dornbirn
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