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"Wir füllen eine Marktlücke"

Am 8. März findet die erste (ausverkaufte) Premiere im neuen Vorarlberger Volkstheater von Stefan Vögel in Götzis statt. Ein Gespräch über das Konzept des Theaters, Vögels Liechtenstein-Aktivitäten.

Außerdem erzählt Vögel eine ganze Reihe über zukünftiger Projekte, über die er “noch nichts sagen” darf.

NEUE: Bevor das Volkstheater eine einzige Vorstellung gespielt hat, sind knapp 1200 Abos verkauft. Reicht der Name Stefan Vögel, um die Menschen anzuziehen?

Stefan Vögel: Es macht sicher viel aus. Allerdings glaube ich, dass es zwei Faktoren sind: Wir füllen offenbar wirklich diese Marktlücke, Unterhaltungstheater abseits der Bauernbühne zu machen und es gibt Vorschusslorbeeren durch meinen Namen. Vielleicht meint der eine oder andere auch, dass es Kabarett ist.

NEUE: Welches Publikum sprecht ihr an?

Dasselbe wie beim Kabarett, nämlich breiteste Schichten.

NEUE: Aber alle werden nie ins Theater gehen?

Stimmt. Sagen wir so: Ich weiß ziemlich genau, wer nicht zu uns ins Theater kommt.

NEUE: Wer kommt nicht?

Die etwas alternativere, intellektuellere Schicht sprechen wir am allerwenigsten an. Komischerweise haben wir aber alle Bildungsschichten, vom Arzt bis zum Bauarbeiter, und das freut uns. Es ist uns ein Anliegen, die Hemmschwelle vom Theater zu senken und nicht diesen Anspruch zu haben, Bildungstheater zu machen, sondern gut gemachte, nicht seichte Unterhaltung.

NEUE: Was unterscheidet das Volkstheater, das mit einer Mischung aus Profi s und Amateuren arbeitet, von anderen Profi – bzw. Amateurbühnen im Land?

Durch die Stückauswahl und das ganz klare Bekenntnis, dass wir Unterhaltungstheater machen, grenzen wir uns sehr stark ab. Für das, was wir machen, gibt es in jeder deutschen mittleren bis Großstadt eine Bühne. Die meisten Stadt- und Landestheater müssen ein ziemlich breites Spektrum anbieten und nehmen daher vielfach die einzelnen Genres nicht ernst. Gerade die Komödie leidet oft darunter, dass man sie verfremdet, dass man sie bricht und das funktioniert eigentlich nie. Der Komödie hängt dieser Makel an, dass sie per se schon billiger ist und das ist schade. Es unterscheidet uns in der Machart nichts von anderen Theatern, nur muss man das Genre ernst nehmen. Prinzipiell grenzen wir uns aber auch dadurch ab, dass wir ganz bewusst Mundartfassungen machen. Diese Kombination gibt es ja gar nicht – deutsche und englische Boulevardstücke in Mundartfassungen. Dadurch kriegen wir ein ganz eigenes Produkt.

NEUE: Wie schaut euer Finanzierungsplan aus?

Ich bin gelernter Wirtschafter und stecke da mein Geld hinein. Insofern haben wir das schon genau ausgerechnet, da wir auch keine öffentlichen Gelder bekommen.

NEUE: Kriegt ihr nicht oder wollt ihr nicht?

Täten wir schon kriegen, aber den Ehrgeiz haben wir. Wir wollen uns auch diese Unabhängigkeit wahren. Ich will mich gegenüber der Politik nicht rechtfertigen müssen, wie ich etwas mache.

NEUE: Sponsoren habt ihr? Ja klar.

NEUE: Gibt es da keinen Rechtfertigungszwang?

Nicht in der ersten Spielzeit. Wenn es ihnen nicht gefällt, werden sie in der zweiten Spielzeit abspringen. Die Standbeine, die wir haben, sind das Sponsoring, die Abos, die einen finanziellen Grundstock bilden und Gastspiele. Aber man braucht eine gewisse Auslastung und die ist interessanterweise fast unabhängig davon, wie viel Sponsorgelder man hat. Außer man hat Millionen, die man ja nicht kriegt. Aber wenn die Auslastung unter 60 Prozent sinkt, rutschen wir unweigerlich in die roten Zahlen.

NEUE: Wie sind die Bedingungen im Vereinssaal in Götzis, in dem ihr spielt?

Der Saal wird jetzt auf 350 Plätze umgebaut und wir haben den Vorteil, dass wir das Haus pro Abend mieten können. Insofern können wir, wenn es gut läuft, Termine anhängen. Wenn es nicht so gut läuft, hören wir nach einer gewissen Anzahl von Aufführungen auf.

NEUE: Wir schaut euer Spielplan aus?

Wir machen vier reguläre größere Produktionen und so genannte Extras, entweder einmalige Sachen von uns im Haus, im kommenden Jahr wird es etwa ein Live-Hörspiel geben, oder Gastspiele in unserem Haus, im Frühjahr Simon Enzler, der den Salzburger Stier gewonnen hat.

NEUE: Eure Gastspiele?

Im ersten Spielplan haben wir ein Kabarett, da wird es sehr viele Gastspiele geben. Für die großen Produktionen sind 35 Gastspiele im ersten Jahr in Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz fixiert.

NEUE: Was tust du bei den jeweiligen Produktionen?

Ich bin nicht in der Firma (eine GmbH, Anm.), sie gehört mir aber mehrheitlich. Ich mache mit meiner Firma in Liechtenstein, die als Zulieferer fungiert, klassische Dramaturgie, Kontakte, die ich habe, nutzen, und die Extras. Im ersten Stück spiele ich mit. Das werde ich anfänglich ein bisschen mehr tun, um den Werbeeffekt durch mich zu nutzen. Aber das Ziel ist, dass diese Bühne ohne mich läuft.

NEUE: Zur Liechtensteiner Firma. Was passiert dort?

Momentan liefere ich damit an das Volkstheater, das ist das Produktionstechnische. Das Verlagstechnische werden wir in Kooperation mit deutschen Verlagen machen und die Schreibgeschichte in Kooperation mit zwei, drei Bühnen, die ich aber noch nicht nennen darf. Das startet 2008, eher 2009.

NEUE: Um was geht es da konkret?

Es wird einen größeren Dramenwettbewerb geben und der Sieger wird auf der Bühne unseres Volkstheaters und von zwei anderen Theatern im süddeutschen und Ostschweizer Raum aufgeführt. Das wird über meine Firma abgewickelt.

NEUE: Nach welchen Kriterien erfolgt eure Stückauswahl für das Volkstheater?

Den Unterschied zwischen gut und schlecht siehst du sehr schnell. Ich lese pro Jahr sicher 50, 60 Stücke. Und nach Seite drei, vier merkst du, ob der Mensch mit Sprache umgehen kann, ob er Szenen aufbauen kann Ä es gibt viele Stücke, die unheimlich gut gebaut, aber inhaltlich nichts Besonderes sind. Irgendwann musst du die Grenze ziehen. In unserem Spielplan haben wir etwa das Stück „Ladies Night“, in dem es um Nacktheit geht, um fünf männliche Stripper. Da haben wir lange überlegt, denn zu uns kommen sehr viele ältere Leute und die stoßen sich an so was. Die mögen nicht, dass man groß flucht, die mögen keine Gotteslästerung. Das Ausschlaggebende dafür, dass wir das Stück doch genommen haben, ist, dass es einfach viel Herz hat. Die fünf Typen sind so liebenswert und dann hält es, dann ist es nicht billig. Für mich ist auch ganz wichtig, dass ein Stück gut gebaut ist. Ich will nicht an einem Text arbeiten, ich will kein Regietheater machen, ich will, dass es funktioniert. Und da sind andere Bühnen anders. Für uns ist das Risiko zu hoch.

NEUE: Finanziell?

Ja. Ich kann natürlich privatwirtschaftlich auch was ganz Billiges machen. Aber das will ich nicht.

NEUE: Doch Ansprüche?

Sicher. Aber ich kann nicht sagen, wo die genaue Grenze ist. Und vor allem kann ich nicht alle Stücke selber schreiben. Aber wir möchten auch neue Stoffe fördern. Daran leidet das Theater, dass wir keine neuen Stoffe speziell aus dem deutschen Sprachraum haben.

NEUE: „Ein Traum von Hochzeit“ heißt eure erste Produktion. Um was gehtÑs?

Da geht es um die Situation, die eigentlich jeder kennt: Panik vor der Ehe. Die Leute sind eingeladen, die Hochzeitsgesellschaft ist im Anmarsch. Was mir an dem Stück gefällt, ist, dass es alles hat und es nimmt jeden Charakter ernst. Es zeichnet Menschen.

NEUE: Wird auch von dir eine Uraufführung im Volkstheater zu sehen sein?

Ich würde das wahnsinnig gern machen, aber ich kriege da immer Schwierigkeiten mit meinen deutschen Bühnen und dem Verlag, weil die Uraufführungen immer an großen Bühnen sein sollten. Und die großen Häuser nehmen die Stücke zum Teil nicht mehr, wenn sie schon irgendwo gespielt wurden. Für mich wäre eine Uraufführung in Götzis auch interessant, weil ich ein Stück austesten könnte. Ich habe eine Auftragsarbeit für ein großes österreichisches Theater – welches darf ich noch nicht sagen – und die kommt im Frühjahr 2008 heraus. Wir haben angefragt, ob wir das Stück ein halbes Jahr später im Volkstheater spielen können. Zeter und Mordio.

NEUE: Du scheinst eigentlich genug zu tun zu haben. Hast du auch im Kabarettbereich noch was vor?

Im Herbst spielen wir ein „Best of ÁGrüß Gott in Voradelbergѓ, aber ich möchte schon wieder etwas Neues fürs Volkstheater machen.

NEUE: Was?

Darf ich noch nicht sagen, weil ich es mit einem Partner machen will und es noch nicht schriftlich fixiert ist. Es wird in Richtung Zwei-Personen-Stück über einen Abend gehen.

Vorarlberger Volkstheater im Vereinshaus-Saal in Götzis. Komödie„Ein Traum von Hochzeit“: ab 8. März. Komödie „Ladies Night“: ab 3. Mai. Informationen: www.vovo.at

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