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Windpockenzeit: Auch Erwachsene kann es treffen

Auch Erwachsene können an Windpocken erkranken, wie Dr. Jonas erklärt.
Auch Erwachsene können an Windpocken erkranken, wie Dr. Jonas erklärt. ©VOL.AT/Mayer, Symbolbilder: Canva Pro
Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Derzeit gibt es wieder "sehr viele" Windpockenfälle, wie Kinderärztin Dr. Jonas erklärt. Wieso das so ist, was man unternehmen kann und wieso die Krankheit auch Erwachsene betrifft.

"Windpocken, Schafblattern oder auch Varizellen – wie sie genannt werden – sind momentan wieder viel herum", verdeutlicht Kinderärztin Dr. Daniela Jonas im Zoom-Videointerview mit VOL.AT.

In Kindergärten, Spielgruppen und teilweise auch in Volksschulklassen gebe es wieder "sehr viele Fälle". "Frühling und Herbst sind einfach die Windpockenzeiten", gibt die Feldkircher Kinderärztin zu verstehen.

Windpocken treten meist bereits im Kindesalter auf. ©Symbolbild: Canva Pro

Fälle waren aufzuholen

Derzeit gebe es so viele Fälle, wie üblich. Vor dem Frühling gab es laut er Ärztin bereits eine Welle. "Weil doch in den letzten paar Jahren einige Fälle quasi aufzuholen waren", erklärt sie. Seit dem Herbst sei Kinderärzten im Land aufgefallen, dass viele Infektionskrankheiten "ganz massiv" vorgekommen seien. "Weil doch in den letzten paar Jahren das Immunsystem der Kinder damit nicht belastet wurde", so Dr. Jonas. Auch Maske und Abstand hätten dazu beigetragen. Das werde bei den Kindern sehr stark nachgeholt.

Dr. Daniela Jonas ist Kinderärztin in Feldkirch. Sie ist auch eine der beiden Impfreferentinnen der Vorarlberger Ärztekammer. ©VOL.AT/Mayer

Solle man gleich zum Arzt gehen?

Prinzipiell könne eine Erkrankung mit einem milden Fieber anfangen. Typisch seien erste Bläschen hinter den Ohren und im Nacken. Es falle meist erst auf, wenn am ganzen Körper juckende Bläschen auftreten. "Wenn man sich unsicher ist, sollte man natürlich mit dem Hausarzt oder mit dem Kinderarzt Kontakt aufnehmen", erklärt die Kinderärztin. Zuerst solle man telefonisch Kontakt aufnehmen, da die Erkrankung sehr ansteckend sei. "Bitte nicht so sofort in die Praxis kommen", so Dr. Jonas. Wenn man sich nicht sicher sei, ob es sich um Windpocken handle, könne man dem Arzt auch ein Foto schicken.

Auch Erwachsene können die juckenden Bläschen noch treffen – wenn sie als Kind nicht erkrankt sind. ©Symbolbild: Canva Pro

(K)eine typische Kinderkrankheit

Meistens treten Windpocken schon im Kindergarten- oder Spielgruppenalter auf. "Man muss schon in fünf Prozent der Fälle sagen, dass es doch schwere, schwierigere Verläufe gibt, mit Komplikationen", so die Kinderärztin gegenüber VOL.AT. Die Bläschen können sich entzünden, Bakterien und Hautinfektionen können dazukommen. Es könne aber auch zu weiteren Erkrankungen, wie etwa einer Bronchitis oder Lungenentzündung, kommen. Je älter die Patienten seien, desto eher träten vermehrt Komplikationen auf.

Was gefährlich werden könne, sei, wenn eine nicht geschützte Frau in der Schwangerschaft erkranke: "Das kann für das ungeborenen Kind wirklich schwer verlaufen", so die Ärztin. Das Virus bleibe im Körper, niste sich quasi in den Nervenzellen ein und schlummere dort. "Wenn das Immunsystem dann aus irgendeinem Grund einmal geschwächt ist und nicht mehr aufmerksam ist, kann dieses Virus reaktiviert werden", gibt Dr. Jonas zu verstehen. Auch eine Gürtelrose kann so entstehen. Das Virus kann entlang der Nerven in den Körper auswandern und zu schmerzhaften Infektionen der Haut werden.

Dr. Jonas im VOL.AT-Gespräch

"Prävention der richtige Schritt"

Man könne bei Windpocken nur die Symptome lindern. Typisch sei hierfür eine Tinktur: "Das kennt jeder: diese weißen Punkte, die dann die Kinder haben", meint die Ärztin. Das lindere den Juckreiz und trockne die Bläschen aus. "Die Schmerzen dabei oder die Infektionen, die muss man dann später mit Antibiotika behandeln." Weitere Komplikationen könne man ebenfalls nur symptomatisch behandeln. "Hier ist wirklich die Prävention der richtige Schritt", verdeutlicht Dr. Daniela Jonas daher. Entweder müsse man den Kontakt vermeiden, was nicht immer klappe, oder sich impfen lassen.

Typisch für die Behandlung von "Schafblattern" ist eine weiße Tinktur. ©Symbolbild: Canva Pro

Wann die Impfung Sinn macht

"Prinzipiell ist die Impfung zugelassen ab dem ersten Geburtstag" , so die Kinderärztin und Impfreferentin der Ärztekammer. Wenn man nicht erkranken wolle, wäre es sinnvoll, sich impfen zu lassen. Kinder und Jugendliche ab dem Eintritt ins Schulalter hätten bereits ein erhöhtes Risiko von Komplikationen: "Denen empfehlen wir die Impfung auf jeden Fall", gibt Dr. Jonas zu verstehen. Auch Frauen mit Kinderwunsch, die bis dato noch nicht erkrankt oder geimpft seien, könnten sich mit einer Impfung schützen. Ebenfalls wichtig sei das Umfeld von Personen, die etwa eine immunsuppressive Therapie machen. So könne diese Patienten mit-geschützt werden. Die Impfung ist nicht im normalen Gratis-Kinderimpfprogramm enthalten. Sie besteht aus zwei Teilimpfungen mit einem Lebendimpfstoff. Im Vorfeld sollte man sich laut der Ärztin aufklären lassen. Bei chronischen Patienten übernehme manchmal die Versicherung die Kosten.

Auch Coolbags können helfen

Aufgrund der Fallzahlen sind die Mittel aus der Apotheke derzeit sehr gefragt. Hier könne auch ein Hausmittel helfen, so Dr. Jonas. "Was schon gegen Juckreiz auch hilft, sind zum Beispiel Coolbags", verdeutlicht die Kinderärztin gegenüber VOL.AT. Diese solle man nicht direkt auf die Haut legen, sondern in ein Stofftuch wickeln, um juckende Stellen kurzzeitig zu kühlen. Das Kratzen könne die Haut schädigen. Dadurch entstünden auch Narben, wie man sie immer wieder sehe.

(VOL.AT)

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