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Wilde Natur Patagoniens

©SRT
Auf dem „W-Trek“ im Torres-del-Paine-Nationalpark gibt es weder Handygequatsche noch Klingeltöne.
Bilder

Das Krachen der Spalten im Gletscher. Das Knacken der Eisblöcke auf dem See. Das Glucksen der Bäche unter den Hängebrücken. Das Knirschen der Bergstiefel auf dem Wanderweg. Das Wispern des Windes in den Zypressen. Das sind die Geräusche im Torresdel- Paine-Nationalpark im Süden Chiles.

Wunderbare Geräuschkulisse
Weil das mit der Stille so eine Sache ist, war es ein großer Glücksfall, dass genau an jenem Punkt im Nationalpark, wo das Schild „Service“ auf dem windschiefen Holzbrett zu lesen war, zum ersten Mal „No Service“ auf dem Mobiltelefon aufblinkte. Wo „Service“ stand, verkaufte ein Chilene Paprika-Chips, Rotwein und Nescafé an die Wanderer aus Europa und Nordamerika, die wegen des „Dabbelju-Treks“ gekommen waren, einer Wanderung, die drei Tage lang in W-Form durch den Park führt. Nun blickten sie auf ihre Telefone, überrascht, dass sie hier, am Ende der Welt, keinen Empfang hatten. Theoretisch könnte es im Nationalpark natürlich Handyempfang geben. So wie es mittlerweile auf jedem Alpengipfel, in den letzten Winkeln europäischer Nationalparks und sogar auf dem Kilimandscharo Empfang gibt, würde ein zentral platzierter Sendemast genügen. Doch dagegen hat sich die Parkverwaltung gewehrt. Nachdem ein riesiger Waldbrand vor vier Jahren 15.000 Hektar Wald zerstört hatte, forderten viele diesen Sendemast.

Kein Sendemast im Park
Der Brand hätte wohl schnell gelöscht werden können, wenn Mobiltelefone funktioniert hätten. Die Parkverwaltung entschied sich dennoch gegen die Klingeltöne. Handys aus, alle Sinne an, und nichts wie rein in die patagonische Bergwelt. Das „französische Tal“ macht den Einstieg. Vom Service-Laden führt ein Pfad am Ufer des Lago Nordenskjöld entlang. Der Río Francés spült laut rauschend milchiges Schmelzwasser ins Tal, und nur das Krachen einer Lawine, die sich staubend aus dem Gletscher löst,übertönt das Geräusch. Der Weg endet in einem Amphitheater aus Granit, Schnee und Eis; in einem Talschluss aus Felsen, Wänden und Gletschern. Auf dem Weg ins Tal wird uns auch klar, was man uns über das Wetter erzählt hatte. Die Sonne scheint – dann zieht der Wind wie ein Schnellzug heran. Erst ist er nur zu hören, in der nächsten Sekunde pfeift er schon durch die Jacken und Frisuren, treibt dunkle Wolkenfetzen über den Wald und peitscht Graupelkörner in die Gesichter. Schneesturm und Sonnenglut, das lernt man hier schnell, treten in Patagonien im gleichen Akt auf.

Die „Paine Grande Lodge“
Im Tal, wo das „W“ auf dem Boden steht, steht die „Paine Grande Lodge“. Und auch hier wirkt sich der Handy- Entzug wunderbar aus: Die Menschen unterhalten sich, lesen Bücher, spielen Karten oder schauen stundenlang in die Landschaft und über die türkise Wasseroberfläche des Lago Pehoé. Von der Lodge aus bringt uns am dritten Tag ein Boot zum Salto Grande, dem großen Wasserfall, der den Nordenskjöld-See mit dem Pehoé-See verbindet. An Land vermischten sich alle drei Touristentypen – vom Luxus-Pauschaulreisenden bis zum Individual-Trecker. Ihr gemeinsamer Nenner ist das Staunen in ihren Gesichtern, als sich plötzlich die Kulisse öffnet und die Cuernos del Paine, die „Hörner des Parks“, durch die Wolkenschicht stoßen. Dann fällt der Vorhang auch schon wieder herab, es beginnt zu graupeln, Kapuzen werden aufgesetzt, Schirme gespannt. Am vierten Tag geht es wieder zurück nach Puerto Natales.

Zurück ans Ende der Welt
Erst über Brücken, die Kleinbusse nur mit eingeklappten Außenspiegeln überqueren können, vorbei an glitzernden Seen voller Flamingos, Schafherden hinter windgeplagten Weidezäunen und schließlich auf der schnurgeraden Straße durch die Pampa zurück in die Stadt. Zurück ans Ende der Welt. Zurück ins Mobilfunknetz. So ein Mobiltelefon, sagt eine Figur in Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“, „nimmt die Wirklichkeit aus allem“. Dann surrt prompt das Handy, und die erste und auch einzige SMS seit vier Tagen kommt an. Sie ist von großer Wichtigkeit: „Willkommen im Netz von CL Entel.“

Steppenartige Ebenen und ein stetiger Wind
Landschaftlich ist Patagonien durch steppenartige Ebenen geprägt, die Pampas. Der chilenische Teil ist geprägt durch das feuchte, kühle Klima der Westanden und durch den dazugehörigen Valdivianischen Regenwald. Der argentinische Teil liegt im Regenschatten der Anden und ist sehr trocken. Charakteristisch ist der immerwährende starke Wind.

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Einwohner pro Quadratkilometer – so „hoch“ liegt die mittlere Bevölkerungsdichte in Patagonien, in Santa Cruz sinkt der Wert sogar auf eins. Dafür ist die Tierwelt im Nationalpark äußerst vielfältig: Auffällig sind besonders die Guanakos, Darwin-Nandus, Kondore und viele kleinere Vogelarten.

Bis zu 3000 Meter hohe Berge im Nationalpark
Der Torresdel- Paine-Nationalpark liegt im Süden Chiles und ist ein Teil Patagoniens. Er gehört zur Región de Magallanes y de la Antártica Chilena und ist rund 140 km nördlich der Stadt Puerto Natales gelegen. Die Nationalpark-Fläche umfasst 2420 Quadratkilometer – er ist durchzogen von bis zu 3000 Meter hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen.

Die „Cuernos del Paine“ sind ein echter Hingucker
Die außergewöhnlichen Berge im Paine- Nationalpark ziehen seit mehr als 50 Jahren Kletterer an. 1952 wurde zum ersten Mal der Paine Grande, der höchste von allen, bestiegen. Dieser Berg ist zwar nicht viel höher als die Zugspitze, aber er gilt mit seinen Gletschern, Granitwänden und Wetterwechseln als extrem schwierig. Die Besteigung konnte bis heute nur ein einziges Mal wiederholt werden. Die drei Torres, die man vom Aussichtspunkt im Ascencio-Tal, am hinteren Ende des Ws, bewundern kann, sind dagegen schon fast ein Spielplatz. Vor ein paar Jahren hat ein US-Amerikaner die drei Felszinnen in 48 Stunden bestiegen. Vom Mirador las Torres ist seine Tour mit den Augen nachzuvollziehen: Rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter.

Wie eine riesige Kältekammer
Der Nationalpark liegt zwischen der Steppe und dem Campo de hielo sur, dem größten zusammenhängenden Eisfeld außerhalb der Polregionen – die das Klima nachhaltig beeinflusst.

Reiseinfo

Anreise: Iberia fliegt in Kooperation mit Lan Airlines (www.iberia.com, www.lan.com) von verschiedenen deutschen Flughäfen über Santiago de Chile nach Punta Arenas. Man ist fast 25 Stunden unterwegs. Die Preise beginnen bei etwa 1100 Euro. Den Nationalpark Torres del Paine erreicht man ab Punta Arenas mit Bussen, die über Puerto Natales fahren.
Trekking: Der populärste Wanderweg im Torres-del-Paine-Nationalpark ist der W-Trek. Er dauert drei bis vier Tage. Man schläft in Lodges oder Zelten. Der Nationalpark wurde im Jahre 1959 gegründet und wird von der chilenischen Forstbehörde CONAF verwaltet. 1978 wurde er zum Biosphärenreservat der UNESCO erklärt. Weitere Informationen im Internet unter www. torresdelpaine.com.
Unterkunft: Ein guter Ausgangs- und Endpunkt für Trekkingtouren ist das Hotel „Indigo“ in Puerto Natales. Zimmerpreise ab 187 Dollar (www.indigopatagonia.com). Die „Paine Grande Lodge“ befindet sich am Lago Pehoé mitten im Nationalpark und ist per Schiff zu erreichen, die Zimmer kosten 39 Dollar (www.verticepatagonia.cl). Das Explora-Hotel „Salto Chico“ liegt auf der anderen Seite des Sees und bietet eindrucksvolle Aussichten auf die Berge. Das 1993 eröffnete und nicht gerade preiswerte Luxushotel (vier Tage kosten zwischen 2600 und 6200 Dollar) ist allerdings schon etwas in die Jahre gekommen (www.explora.com).
Beste Reisezeit: Für Reisen nach Chile ist die beste Reisezeit von Oktober bis Mitte Dezember (Frühling/früher Sommer) und von April bis Mitte Juni (Herbst/früher Winter).
Währung: Chilenischer Peso – sinnvoll ist, einen Teil des Geldes in US-Dollar mitzunehmen. Diese können in Wechselstuben oder Banken eingetauscht werden. Die gängigen Kreditkarten werden in den Städten oft akzeptiert.

VN-srt/a. Lesti

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