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Wifo-Chef: "Aufs Tempo drücken"

Angesichts der derzeitigen Finanzmarktkrise muss die Regierung nach Ansicht des Wifo-Chefs Karl Aiginger bei der Steuerreform und bei den Konjunkturpaketen "aufs Tempo drücken".

“Vom Ausmaß her passiert in Österreich zwar viel, die Dringlichkeit lässt aber zu wünschen übrig”, sagte Aiginger gestern, Donnerstagabend, auf einer Informationsveranstaltung zum Thema “Konjunkturentwicklung und Finanzmarktrends” in Wien.

Ein Teil der Steuerreform müsse bereits im Dezember ausbezahlt werden, um das Weihnachtsgeschäft anzukurbeln, befindet der Wifo-Chef. Auch Kleinbetriebe, die im ersten Quartal 2009 finanzieren wollen, würden jetzt Geld brauchen und nicht erst nächstes Jahr. Laut Aiginger braucht Österreich schnell eine Regierung sowie einen fähigen Wirtschafts- und Finanzminister. Wer die beiden Posten seiner Ansicht nach besetzen soll, wollte er nicht sagen.

Die momentane Krise, nach Aiginger die “größte Herausforderung unserer Generation”, erfordere eine Reihe von Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene. “Man muss sich der Krise mit allen Mitteln entgegenstemmen”, so der Wifo-Chef. Dazu gehöre unter anderem die Senkung der Zinssätze “auch unter 2 Prozent” sowie das Überschreiten des Defizits um 3 oder sogar 4 Prozent. Zusätzlich forderte Aiginger die Politik dazu auf, im ersten Quartal des neuen Jahres mit der Staats- und Verwaltungsreform zu beginnen.

“Das heurige Jahr ist für die Wirtschaft noch ein relativ gutes Jahr”, sagte Aiginger. Das Wirtschaftswachstum werde knapp 2 Prozent betragen – vor allem durch die Stabilisierung von Tourismus und Bauwirtschaft. Auch 2009 ist ein Wachstum laut Aiginger noch möglich. Laut derzeitiger Prognose soll die österreichische Wirtschaft im Jahr 2009 um 0,9 Prozent wachsen. Entwickeln sich andere Länder jedoch schlechter als angenommen, liege das Risikoszenario bei minus 0,2 Prozent. Die Weltwirtschaft werde im nächsten Jahr um 2 Prozent wachsen. Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren ist sie um 25 Prozent gewachsen.

Während Aiginger ab Mitte 2009 mit einer Erholung der prekären Wirtschafts- und Finanzlage rechnet, glaubt RLB-NÖ-Wien-Treasury-Chef Tim Geissler, dass es zu diesem Zeitpunkt noch “viel zu früh” für ein Ende ist. “Wir haben noch eine ganze Weile sehr unruhige Zeiten vor uns”, sagte Geissler gestern Abend. Die Zinsen würden weltweit weiter sinken – Sparzinsen von ehemals 9 Prozent werde es nie mehr geben. Die Aktienmärkte würden volatil bleiben, laut Geissler sind sicher Veranlagungsformen wie das Sparbuch deshalb zu favorisieren.

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