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Wieso ein Vorarlberger in Dresden beim Bündnis Sahra Wagenknecht anheuern will

Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Der gebürtige Emser und in Weiler aufgewachsene Benjamin Keckeis lebt seit 2018 in Dresden und war für "Die Linke" in Sachsen Mitglied des Landesrats der Partei. Im VOL.AT-Videointerview spricht er über seinen Werdegang und wieso er der polarisierenden deutschen Politikerin sein Vertrauen ausspricht.

VOL.AT: Wieso zieht es einen Vorarlberger in die deutsche Politik?

Benjamin Keckeis: Grundsätzlich war es bei mir immer schon so, dass ich mich für Politik interessiert habe. Deshalb bin ich dann auch schon in Vorarlberg während meiner Schulzeit in der Politik gelandet.

Und weil ich dachte, dass es in Deutschland eine Partei gibt, die ziemlich genau das vertritt, was ich auch wollte, bin ich dieser Partei beigetreten.

Benjamin Keckeis im Videocall

VOL.AT: Angesprochen auf Ihre Zeit in Österreich, Sie waren bei den Jungen Grünen, dann bei den Jungen Linken. Nach ihrem Umzug nach Dresden waren Sie für Die Linke als Bundesparteitagsdelegierter und dann als Mitglied des Partei-Landesrats aktiv. Wie würden Sie Ihre bisherige politische Laufbahn charakterisieren?

Benjamin Keckeis: In Vorarlberg wurde ich vor allem durch das Thema Klimaschutz politisiert. Darauf bin ich dann logischerweise bei den Jungen Grünen gelandet. Dort habe ich dann auch viele andere Erfahrungen gesammelt. Beispielsweise hat mir das Erstarken der FPÖ Sorgen bereitet. Und ich habe dann auch gesehen, dass man natürlich mehr liefern muss als ein bisschen Klimaschutz und Gleichstellungspolitik, um wirklich eine Stimme für die Mehrheit der Bevölkerung zu sein.

Benjamin Keckeis möchte Sahra Wagenknecht und ihre neue Partei von Beginn an unterstützen. ©handout/Keckeis

VOL.AT: Warum haben Sie sich dann für Deutschland entschieden?

Benjamin Keckeis: Zunächst wollte ich Verkehrsingenieurwesen studieren. Ich bin dann aber darauf gekommen, dass es nicht so wirklich das Richtige für mich war. Dann habe ich zu Verkehrswirtschaft gewechselt. Die Verkehrswirtschaft war noch zu stark in Richtung BWL orientiert und deshalb habe ich mich entschieden, zwar in Deutschland zu bleiben, aber eine Ausbildung als Straßenbahnfahrer zu absolvieren.

VOL.AT: Jetzt folgt aber Ihr Wechsel zum Bündnis Sahra Wagenknecht. Warum haben Sie sich politisch für diese neue Partei, die jetzt in der Gründungsphase sich befindet, entschieden?

Benjamin Keckeis: Zu einem aktuellen Zeitpunkt bin ich noch nicht Mitglied des Bündnisses, sondern bloß Unterstützer. Und ich möchte dann im Jänner beitreten. Die entscheidenden Gründe waren für mich eigentlich vor allem politischer Natur, eben weil ich gesehen habe, dass man da in der Linken nicht mehr so wirklich weit kommt, vor allem, wenn es um die Themen Wirtschaftssanktionen und Friedenspolitik geht.

Keckeis im Austausch mit Gleichgesinnten, die ihre Sympathien für das Bündnis Sahra Wagenknecht teilen. ©handout/Keckeis

VOL.AT: Können Sie uns mehr über Ihre Ansichten zu Wirtschaftssanktionen erzählen, insbesondere in Bezug auf Russland?

Benjamin Keckeis: Ich denke, das Thema wird ziemlich unterschätzt. Die Wirtschaftssanktionen sind zum Beispiel dafür verantwortlich, dass in Deutschland die Wirtschaftsleistung laut Prognose um 0,4 Prozent fallen wird. Oder weil wir alle natürlich fühlen, dass die Energiepreise massiv gestiegen sind. Jetzt spreche ich primär einmal die Sanktionen gegen Russland an. Und dass diese weder im Interesse der deutschen, russischen oder auch ukrainischen Zivilbevölkerung sein können.

VOL.AT: Sie sprachen über die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung. Welche spezifischen Themen oder Politiken denken Sie, sollten priorisiert werden, um diese Interessen zu vertreten?

Benjamin Keckeis: Es geht darum, eine Politik zu verfolgen, die nicht nur die Interessen einer Elite vertritt, sondern auch die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung berücksichtigt. Themen wie Frieden, wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit sollten im Vordergrund stehen.

VOL.AT: Sahra Wagenknecht kritisierte in Berlin die israelische Kriegsführung, gerade linken Strömungen wird eine Unterstützung der Hamas unterstellt, auch wenn es laut der SJ Vorarlberg beispielsweise nur um den Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung gehe. Gleichzeitig kommt es auf Demos zum Schwenken von Hamas- oder sogar IS-Fahnen. Wie geht man damit um?

Benjamin Keckeis: Hamas- oder sogar IS-Nähe ist absolut fehl am Platz. Gleichzeitig muss man aber auch Kritik an Israel äußern dürfen. Also wir haben auf jeden Fall die historische Verantwortung, uns für das Existenzrecht Israel einzusetzen, andererseits natürlich auch für die palästinensische Zivilbevölkerung.

VOL.AT: Wie sehen Sie die politische Landschaft in Deutschland im Vergleich zu Österreich?

Benjamin Keckeis: Beide Länder haben ihre eigenen einzigartigen politischen Herausforderungen und Dynamiken. In Deutschland gibt es eine breitere Palette von politischen Parteien und Bewegungen, was die Landschaft komplexer, aber auch vielfältiger macht.

VOL.AT: Mit Blick auf die Zukunft, welche Ziele haben Sie persönlich und was erhoffen Sie sich vom Bündnis Sahra Wagenknecht?

Benjamin Keckeis: Ich hoffe, dass wir konstruktive Diskussionen anregen und Lösungen für die Herausforderungen finden können, denen sich Deutschland gegenübersieht. Persönlich möchte ich weiterhin lernen, mich engagieren und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten.

(VOL.AT)

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