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Widersprüchlichen Angaben zum Geiseldrama

Von Anfang an waren die Angaben der russischen Behörden zum Geiseldrama in Beslan mit Vorsicht zu genießen. Viele Fragen sind immer noch offen. Vor allem die Angaben zu den Opferzahlen.

Vor allem die stark untertriebenen Angaben zur Zahl der Kinder, Lehrer und Erwachsenen, die die Geiselnehmer am vergangenen Mittwoch in ihre Gewalt brachten, lässt bei den Bewohnern der nordossetischen Kleinstadt noch heute den Zorn aufsteigen. Sie haben inzwischen die Bildung einer unabhängigen Kommission angekündigt, um zu klären, wie das Geiseldrama in einer solchen Katastrophe enden konnte. Auch vier Tage nach dem blutigen Ende bleiben zahlreiche Fragen offen:

Wieviele Opfer gab es wirklich ?

Nach offiziellen Angaben wurden insgesamt 335 Geiseln getötet, mehr als 500 verletzt. Der Sprecher der nordossetischen Regierung, Lew Dsugajew, sprach darüberhinaus von 18 vermissten Geiseln. Dagegen hatte eine Mitarbeiterin der Leichenhalle von Wladikawkas am Sonntag allein 394 Leichen gezählt. Die Einwohner Beslans und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gaben die Zahl der Vermissten am Dienstag weiterhin mit mehr als 200 an.

Wer waren die Geiselnehmer ?

Hier sind die Angaben am widersprüchlichsten. Nach der letzten offiziellen Version vom Montag bestand das Kommando aus 32 Mitgliedern, von denen 31 getötet und einer festgenommen wurden. Zuvor hatten die Behörden von drei Festnahmen berichtet. Die Version vom Wochenende, wonach zu dem Kommando zehn Araber, darunter ein Schwarzer, gehörten, wurde inzwischen fallen gelassen. Seit Montag heißt es nur noch, an der Geiselnahme hätten sich Tschetschenen, Inguscheten, Nordosseten und weitere Mitglieder südrussischer Ethnien beteiligt. Übereinstimmend hatten überlebende Geiseln zuvor die Berichte über arabische Geiselnehmer zurückgewiesen.

Was forderte das Kommando ?

Am 1. September meldeten die Behörden zunächst, die Geiselnehmer forderten die Freilassung aller in Inguschetien inhaftierten Rebellen. Stunden später hieß es, sie forderten den Abzug russischer Truppen aus Tschetschenien. Am Freitagmorgen hieß es dann, sie wollten die Unabhängigkeit Tschetscheniens – nach Auffassung kritischer Kommentatoren hätte diese völlig inakzeptable Forderung einen guten Vorwand geliefert, die Verhandlungen abzubrechen und die Geiselnahme gewaltsam zu beenden.

Laut einer Geisel hatten die Kidnapper rasch den Eindruck, dass die Behörden an ernsthaften Verhandlungen nicht interessiert seien, sondern bereits an Plänen zur Erstürmung der Schule arbeiteten.

Warum gab es keinen ranghohen Unterhändler ?

Die russische Presse warf der Regierung bereits am Montag vor, keine ranghohen Unterhändler nach Beslan entsandt zu haben. Zwei Tage lang habe sich kein Vertreter aus Moskau blicken lassen, erst am Freitag sei Kreml-Berater Aslambek Aslachanow in Beslan eingetroffen. Vergeblich hätten die Geiselnehmer Gespräche mit den Präsidenten Nordossetiens und Inguschetiens gefordert – eingeschaltet habe sich allein der inguschetische Ex-Präsident Ruslan Auschew. Bis Dienstag blieb unklar, wer wirklich die Verhandlungen geleitet hatte.

Wie kam es zur Erstürmung der Schule und ihrem blutigen Ende ?

Nach offizieller Version war der Sturm auf die Schule nicht geplant. Vielmehr sei er durch Explosionen in der Turnhalle ausgelöst worden; erst als eine Anzahl von Geiseln zu flüchten versuchte und von den Geiselnehmern beschossen wurde, hätten sich die Sicherheitskräfte zum Eingreifen entschlossen.

Auschew dagegen sagte am Montag, bewaffnete Milizen hätten auf eigene Faust zu schießen begonnen, während die Verhandlungen noch liefen. Vergeblich hätten die Sicherheitskräfte einen Waffenstillstand angeordnet – die Schießerei sei weitergegangen und die Tragödie habe ihren Lauf genommen.

Einige Bewohner Beslans werfen wiederum den Sicherheitskräften vor, mit Versuchen, eigene Männer in die Schule zu schleusen, die gewaltsame Reaktion des Geiselnehmer-Kommandos ausgelöst zu haben.

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