"Wichtig ist, dass möglichst viele Entscheidungen im Land bleiben"

WANN & WO traf Gerald Fleisch zum Sonntags-Talk in Feldkir
WANN & WO traf Gerald Fleisch zum Sonntags-Talk in Feldkir ©Sams
Gerald Fleisch, Direktor der Vorarlberger KHBG und Vollblutmusiker im Sonntags-Talk mit W&W über Karriere, den Ärztemangel und Fleisch und Fleisch.

Von Lisa Purin (Wann & Wo)

WANN & WO: Welche Vorsätze haben Sie sich für das neue Jahr vorgenommen?

Gerald Fleisch: Ich habe immer viele Vorsätze, die kann ich allerdings nicht so einhalten, wie ich mir das wünschen würde. Da gehts mir so wie ganz vielen. Mit zunehmendem Alter will ich immer authentischer sein und das verfolgen, was wirklich wichtig ist. Die Grundbotschaft lautet: Wir leben in einer Welt, die momentan sehr polarisiert und das mag ich nicht. Man muss ganz klar sagen: Ausländer sind grundsätzlich bereichernd für eine Gesellschaft. Unsere Gesellschaft lebt davon, dass wir multikulturell sind. Jeder von uns hat – über viele Generationen gedacht – einen ausländischen Hintergrund. Natürlich soll man die Werte, die unsere Vorfahren erarbeitet haben, aufrecht erhalten. Aber das Schlimmste sind Ausgrenzungen. Auch für ein Unternehmen. Bei uns arbeiten auch Menschen aus über 50 Nationen, ohne die es nicht funktionieren würde. Zum Thema Integration ein Beispiel: Worte wie Joghurt, Kiosk oder Tulpe sind türkische Begriffe. Die abendländischen Naturwissenschaften – auch die Medizin – haben ihren Ursprung im arabischen Raum. Das ist inzwischen unser Kulturgut – deshalb sollten wir damit anfangen, weiter oder größer zu denken. Was das betrifft, möchte ich mich auch in meiner Fuktion als Geschäftsführer noch etwas mehr positionieren im neuen Jahr.

WANN & WO: Wie stehen Sie zum Strukturplan Gesundheit bzw. zur dazugehörenden Zentralisierung?

Gerald Fleisch: Dazu gibt es eine klare Antwort: Vorarlberg ist topografisch abgegrenzt. Wir haben eine besondere Lage, was ganz Österreich anbelangt. Deshalb ist es extrem wichtig, dass möglichst viele Entscheidungen im Land bleiben, weil man eben die Vorortkenntnisse hat. Das ist das Eine. Zum Anderen ist es wichtig, dass im Land möglichst alle Krankenhäuser koordiniert zusammenarbeiten. Das hat ganz viele Vorteile. Man kann viele Eingriffe an einem Ort machen – damit bekommt man auch die für eine hohe Qualität notwendigen Fallzahlen und ermöglicht gute Ausbildungsbedingungen. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg – auch in der Kooperation mit dem KH Dornbirn. Wesentlich ist, dass wir bei Gesundheitsthemen die Deutungs- und Gestaltungshoheit im Land haben.

WANN & WO: Auch, was die Kinder­onkologie betrifft?

Gerald Fleisch: Im Grunde finde ich es gut und toll, dass letztlich eine Lösung gefunden wurde.

WANN & WO: Die Regierung verspricht sich durch die Kassenreform Verbesserungen für die Patienten. Wie sehen Sie das?

Gerald Fleisch: Es ist sicher gut, wenn es Signale seitens der Regierung gibt, dass man Neuerungen schafft und Dinge in Angriff nimmt. Allerdings bin ich vorsichtig, wenn es darum geht, dass Geldmittel abwandern. Hier muss man aufpassen. Wir müssen unbedingt darauf achten, dass die Entscheidungshoheit bei uns, hier in Vorarlberg bleibt.

WANN & WO: Wie stehen Sie Veränderungen gegenüber?

Gerald Fleisch: Das Leben besteht aus Veränderungen, alles andere ist langweilig und rückwärtsgewandt. Man sollte immer Herausforderungen annehmen, aus der Komfortzone herauskommen. Nur Entwicklungen und Veränderungen bringen die Menschheit weiter. Das hält flexibel und jung. Auf meiner To-Do-Liste steht Neugierde und Veränderung ganz oben.

WANN & WO: Welche Charakterzüge mögen Sie an sich?

Gerald Fleisch: Eine gewisse Beharrlichkeit und die Liebe zu Land und Leuten. Das ist eine feine Grundvoraussetzung, aber das ist nicht meine Leistung, sondern die der Erziehung, die ich genossen habe. Ich sehe in jedem Menschen das Positive. Das wird mir aber auch oft vorgeworfen. Auch in meiner Funktion – ich mache das jetzt seit 15 Jahren – das kann man nur mit Freude und Begeisterung machen, wenn man stets das Positive sieht.

WANN & WO: Wie steht es um die Sicherheit im Krankenhaus? Christof Bitschi äußerte sich im vergangenen Jahr zu Bodycams für Sicherheitsbedienstete …

Gerald Fleisch: Das Interesse des Unternehmens, dass die Mitarbeiter möglichst viel Sicherheit haben, ist natürlich deckungsgleich mit dem der FPÖ. Das ist genauso in unserem Interesse. Das heißt, wir haben das immer schon ganz stark im Fokus gehabt und Maßnahmen gesetzt. Ich will Bodycams nicht für alle Zukunft ausschließen, doch im Moment ist das in Vorarlberg absolut nicht notwendig. Das hängt aber davon ab, wie sich die Situation entwickelt. Es hat mich nur etwas gestört, dass man das Ganze dramatisiert hat und eher in das Eck gerückt hat, als würden Ausländer hier eine entscheidende Rolle spielen. Ich bin kein Fan von Dramatisierungen. Sicherheit für die Mitarbeiter hat oberste Priorität. Jeder Fall ist natürlich ein Fall zu viel. Aber man muss das Ganze genau beobachten. Wenn es zu Gefährdungssituationen oder Übergriffen kommt, verfügen wir über Alarmsysteme wie etwa Notruftasten. In Bregenz und Feldkirch, denn hier haben wir die größten Sicherheitsbedenken, wird auch fallweise Sicherheitspersonal eingesetzt. Einmal mehr, einmal weniger. Je nachdem wie sich die Situation entwickelt. Natürlich sind wir auch mit den ortsansässigen Polizeidienststellen gut vernetzt.

WANN & WO: Mit Fleisch und Fleisch sind Sie auch als Musiker sehr erfolgreich. War Ihnen immer klar, in welche berufliche Richtung es gehen würde?

Gerald Fleisch: Nein, das war nie klar. Aber das ist ein ständiges Spannungsfeld in meinem Leben – ein ungelöstes. Das Musikalische lag immer schon in unserer Familie, wir haben immer viel musiziert. Das ist eine wunderschöne, lebensbegleitende Freude. Aber es gab wirklich immer wieder die Überlegung – in welche Richtung gehe ich? Ich bin sehr froh, dass es so ist, wie es ist. So kann ich beides machen. Mein großer Vorteil ist, dass ich einen tollen Beruf habe und nebenbei zum Ausgleich musizieren kann – und das ohne Druck. Ich kann Musik machen, die mir Spaß macht, ohne damit eine Familie ernähren zu müssen.

WANN & WO: Wie steht es um den Ärztemangel in Vorarlberg?

Gerald Fleisch: Wir haben in den Landeskrankenhäusern eine positive Ärztebilanz, das ist toll. Wir haben derzeit sogar wieder Wartezeiten für Jungärzte in Ausbildung. Ärztemangel gab es in einzelnen Fächern immer schon. Wie etwa in der Radiologie oder Psychiatrie. Aber ansonsten muss man das Thema Ärztemangel mit Augenmaß betrachten. Im Verhältnis zu anderen Staaten haben wir eine sehr hohe Dichte an Ärzten. Wir haben großes Glück, dass wir Top-Ärzte in Vorarl­berg haben, die einen guten Ruf genießen. Aber auch die hochwertige, einer guten Landespolitik zuzuschreibenden Krankenhausinfrastruktur, trägt viel dazu bei, dass die Landeskrankenhäuser für alle Berufsgruppen attraktiv sind. Besonderen Wert legen wir auch auf Sozialleitungen wie etwa unser Kinderbetreuungsprogramm „Kinderwelt“ der Landeskrankenhäuser.

WANN & WO: Wie lassen sich Familie und Beruf vereinbaren?

Gerald Fleisch: Ich habe eine sehr tolerante Frau, eine großartige Partnerin, die mich in allen Belangen unterstützt. Wenn man seinen Beruf gerne ausübt, ist meiner Meinung nach alles möglich. Vor allem jetzt, wo unsere beiden Kinder in Wien studieren, ist zeitlich alles einfacher. Ich freue mich, dass ich nach all den Jahren meinen Job immer noch gerne mache und auch machen darf.

zNüne mit Gerald Fleisch

Zur Person

  • Name: Gerald Fleisch (52)
  • Wohnort: Dornbirn
  • Geboren: 17.7.1966
  • Beruf: Geschäftsführung der Vlbg. KHBG
  • Hobbys: Musik und Menschen

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