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Wettsucht in der Weltmeisterschaft: Christine Köhlmeier vom Clean Feldkirch

©VOL.AT/APA
Am heutigen Donnerstag startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Davon betroffen sind nicht nur Fans, sondern auch Wettsüchtige, weiß Christine Köhlmeier vom Clean Feldkirch.

Die Glücksspielsucht ist eine sehr schwere Erkrankung. “Ich vergleiche sie gern mit der Kokain-Sucht. Nur dass die Sucht nach Wetten und Glücksspielen gesellschaftlich gesehen nicht als Erkrankung gesehen wird”, erklärt Köhlmeier. Es sei aber vergleichsweise schwer darüber hinwegzukommen.

Steigende Zahl nach WM

In 10 Jahren behandelte das Suchtzentrum “Clean” in Feldkirch etwa 300 Klienten mit Glücksspielsucht. Sportwettensüchtige haben es während der Fußballweltmeisterschaft besonders schwer. “Die steigende Anzahl der Wettbüros und die Werbungen für Wetten vor Fußballspielen tun dann ihr Übriges”, so die Expertin, die seit 26 Jahren in diesem Bereich tätig ist. Für die Zeit nach der WM rechnet Köhlmeier wieder mit einem kurzzeitigen Anstieg der Betroffenen, die sich bei beratenden Stellen melden. Generell ist die Anzahl der Abhängigen laut Köhlmeier in den vergangenen Jahren eher gestiegen.

Grenzen aufzeigen

Bei jedem Süchtigen gibt es einen Auslöser, der den Anstoß für den Beginn einer Beratung gibt. “Es muss eine Grenze aufgezeigt werden. Meistens sind es Partner, die das tun, wenn zum Beispiel das Geld ausgeht”, so Köhlmeier. Die meisten Süchtigen sind männlich und zwischen 20 und 40 Jahren. Auch viele Personen mit Migrationshintergrund oder mit Stressberufen geraten in die Fänge der Wettsucht. “Bei Menschen mit Migrationshintergrund habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Familie der Betroffenen viel länger mitspielt und finanziell aushilft”, erklärt die Expertin. “Hier wäre es wichtig kein Geld mehr zu leihen und Grenzen aufzuzeigen.”

Angehörige animieren

Generell kämen Angehörige der Suchtkranken oft viel zu spät auf die Idee, aktiv etwas gegen die Sucht zu unternehmen. Dabei gibt es auch für Angehörige Beratungen in der Suchtstelle. “Wir empfehlen Angehörigen, die Betroffenen immer wieder auf das Problem anzusprechen und mit den Folgen ihres Handelns zu konfrontieren.

Betroffene können persönlich vorbeikommen, einen Termin telefonisch vereinbaren oder eine E-Mail schreiben. “Das geht auch völlig anonym”, versichert Köhlmeier. Die Kosten für die ersten fünf Beratungen werden aus dem Sozialfonds des Landes finanziert.

(Red.)

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