Werner Hollenstein aus Lustenau: Hier hat er Jack Unterwegers Opfer gefunden

Lustenau - Werner Hollenstein (74) zeigt das Waldstück, in dem er die von Jack Unterweger ermordete Bregenzer Prostituierte Heide Hammerer 1990 gefunden hat.
"Hier habe ich sie gefunden"
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Im Lustenauer Ried machte der Hüttenbesitzer Werner Hollenstein am 31. Dezember 1990 einen grausigen Fund. In einem Waldstück bei der Schollengasse, zwischen Hofsteigstraße und Zellgasse, lag die Leiche der Bregenzerin Heide Hammerer. Jack Unterweger hatte die Frau am 5. Dezember ermordet.

Doktor musste sich übergeben

Entdeckt hatte Hollenstein die tote Frau, weil sein Hund, ein 50 Kilo schwerer belgischer Langhaarschäfer, ihren Leichnam witterte. “Die Leiche war nach 14 Tagen so unansehlich, dass der Doktor vor sein Auto gekotzt hat”, berichtet der Lustenauer Sticker.

“Strammer Bursch”

Angst vor Jack Unterweger habe Hollenstein keine gehabt. “Damals bin ich ein strammer Bursch gewesen”, erzählt der Lustenauer Pensionist. Er meint, dass er Unterweger sogar dabei gesehen hat, wie er etwas in das Waldstück trug. “Ich dachte, der Mann entsorgt etwas,” schildert Hollenstein. Konfrontiert habe er den fremden Mann nicht. Man habe nie wissen können, ob es nur bei einem Faustkampf bleibt, oder der Gegenüber nicht doch eine “Sprütze im Sack” habe.

Elf Morde, die Jack Unterweger begangen haben soll

Zwischen dem 15. September 1990 und dem 3. Juli 1991 wurden elf Frauen auf die gleiche Art erdrosselt – jeweils an Orten, in deren Nähe sich nachweislich auch der gefeierte “Häfenliterat” und vermeintlich resozialisierte Jack Unterweger aufgehalten hat.
Primar Reinhard Haller (
WANN & WO, 22. September
) im Gespräch
Von Martin Begle, WANN & WO
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„Er war ein bösartiger Narzisst“

Anlässlich des Kinofilms „Jack“ hat W&W mit Dr. Reinhard Haller über den Mörder Jack Unterweger gesprochen.

Lustenau, 1. Jänner 1991: In der Nähe seiner Riedhütte findet der Lustenauer Sticker Werner Hollenstein die Leiche der Bregenzer Prostituierten Heide Hammerer (31). Wie sich herausstellen sollte, ist sie das insgesamt vierte Opfer des Serienmörders Jack Unterweger, der in den Jahren 1990 und 1991 elf Frauen umgebracht haben soll. WANN & WO sprach mit Zeitzeugen und Dr. Reinhard Haller, der Unterweger psychologisch betreute.

Mörder auf freiem Fuß

Im Juni 1976 war Unterweger wegen des Mordes an einer Bekannten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Gefängnis begann er zu schreiben und wurde zum gefeierten „Häfenliterat“. 16 Jahre nach seiner Verurteilung wurde er 1990 aus der Haft entlassen, verkehrte in der High-Society und galt als Paradebeispiel für eine geglückte Resozialisierung. Wenig später begann eine beispiellose Mordserie in Österreich, der Tschechoslowakei und den USA. Eine rote Faser, die an der Leiche der ermordeten Vorarlbergerin sichergestellt wurde, konnte dem Schal Unterwegers zugeordnet werden und brachte den Durchbruch bei den Ermittlungen. Er wurde verdächtigt und 1992 nach seiner Flucht von Österreich in die USA vom FBI in Miami verhaftet. Nur sechs Stunden nach dem (nicht rechtskräftigen) Urteil, erhängte er sich an der Kordel seiner Jogginghose in seiner Zelle.

„Sadistischer Sexualmord“

Gerichtspsychiater Dr. Reinhard Haller untersuchte den mutmaßlichen Serienkiller. „Vor mir hat er 30 andere Sachverständige abgelehnt. Ich als Außenstehender sollte ihn beobachten“, erinnert sich Haller. „Von Ihnen lasse ich mich untersuchen“, habe er gesagt. „Er dachte wohl, dass er mich um den Finger wickeln kann, weil es mein erster großer Fall war“, ergänzt der Psychiater. Schnell stellt Haller klar, dass die Mordserie seiner Meinung nach verhindert werden hätte können: „Die erste Tat war ein sadistischer Sexualmord – er hat das Opfer mit einer Stahlrute durch den Wald gepeitscht und dann umgebracht. Nur weil er ihr 100 Mark abgenommen hat, wurde der Fall als Raubmord behandelt. Schließlich hat man ihn ohne Therapie raus gelassen“, erklärt Haller.

Typischer Serienkiller

„Er hat das Profil eines typischen Serienkillers aber genau erfüllt: Unterweger war charmant, recht intelligent und konnte Menschen gut einschätzen. Er war aber auch ein bösartiger Narzisst, misstrauisch und paranoid“, beschreibt Haller den Serientäter.

Mit allen Mitteln

Diese Wesenszüge hätten sich laut Haller auch während der Gerichtsverhandlung gezeigt. Unterweger habe stets behauptet, man könne ihn keiner einzigen Lüge überführen. Ebenso habe er betont, dass er nie bei einer Prostituierten gewesen sei. Als man ihm nachwies, dass er zum Zeitpunkt des Mordes in Bregenz gewesen ist, habe sein Einwand gelautet: „Ich war immer nur am Bahnhof. Die Prostituierten in Bregenz stehen an der Rheinstraße.“ Daraufhin habe der aufmerksame Richter gefragt, woher er das denn wisse, wenn er nie bei Prostituierten gewesen sei. Auch dafür hatte der manipulative Serienmörder laut Haller eine mehr oder weniger plausible Erklärung: „Er hat tatsächlich behauptet, dass ich ihm das gesagt habe“, erzählt der Psychiater.

11 Morde, die Jack Unterweger begangen haben soll

  • 15. September 1990: Blanka Bockova wird an einem Fluss bei Prag ermordet.
  • 26. Oktober 1990: Brunhilde Masser wird in einem Wald bei Graz ermordet.
  • 5. Dezember 1990: Heide Hammerer aus Bregenz wird in einem Wald nahe Lustenau ermordet. Ein Lustenauer Sticker fand ihre Leiche. Anfangs wurde ein Racheakt einer türkischen Familie vermutet. Der Ehemann der Ermordeten hatte Mitte der 80er-Jahre den türkischen Freier seiner Frau in deren Wohnung in Bregenz erwürgt. Dafür war er zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.
  • 7. März 1991: Elfriede Schrempf wird in einem Wald bei Graz ermordet.
  • 8. April 1991: Silvia Zagler wird im Wienerwald ermordet.
  • 16. April 1991: Sabine Moitzi wird ebenfalls im Wienerwald ermordet.
  • 28. April 1991: Regina Prem wird das dritte Opfer im Wienerwald.
  • 7. Mai 1991: Mord an Karin Eroglu im Wienerwald.
  • 19. Juni 1991: Shannon Exley wird auf einem leeren Grundstück bei Los Angeles ermordet.
  • 28. Juni 1991: Irene Rodriguez wird auf einem Parkplatz bei Los Angeles ermordet.
  • 3. Juli 1991: Sherry Long wird in Malibu getötet.

 

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