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"Wer mich töten will, muss sich anstellen"

Hussein schützt sich vor Attentätern. Er trägt einen kugelsicheren Hut, lässt sein Essen von Vorkostern testen, und in der Öffentlichkeit zeigt er sich schon lange nicht mehr.

Der irakische Staatschef Saddam Hussein schützt sich mit immer ausgeklügelteren Methoden vor möglichen Attentätern. Schließlich haben die USA diesmal mehr als deutlich gemacht, dass ihr drohender Militärschlag gegen Bagdad nur ein Ziel hätte: Saddam Hussein loszuwerden. Die irakische Bevölkerung hat ihr Staatsoberhaupt seit Dezember 2000 nicht mehr direkt zu sehen bekommen. Selbst Saddam Husseins Fernsehansprachen kommen nur unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen zu Stande: Während einer live übertragenen Rede vor dem Parlament ließ er sich vergangene Woche von einem bewaffneten Wachmann schützen.

„Das Gerede über einen Regimewechsel ist nichts als eine Illusion“, sagte der Abgeordnete Mohammed Mudhafr el Adhami auf der Parlamentssitzung. „Die Amerikaner versuchen das seit 30 Jahren, und es gelingt ihnen nicht.“ Diesmal geht die US-Regierung offener denn je Saddam Hussein persönlich an. Präsident George W. Bush ist zu einem Krieg bereit, den sich Washington Schätzungen zufolge neun Milliarden Dollar pro Monat kosten lassen würde. „Der Preis einer Kugel wäre deutlich niedriger, falls es das irakische Volk selbst in die Hand nehmen würde“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer – und zog für diesen nur wenig kaschierten Aufruf zu einem Attentat einige Kritik auf sich.

Dass ihm nach dem Leben getrachtet wird, ist für den irakischen Staatschef indes nichts Neues: Selbst in offiziellen Biografien ist schon von neun Attentats- und Putschversuchen gegen ihn die Rede. Saddam hat sie alle überlebt und seine Lektion daraus gelernt. „Wer mich töten will, muss sich hinten anstellen“, sagte er schon vor Jahren. „Tausende andere in der Warteschlange sind vor ihm an der Reihe.„Auch selbst hatte Saddam Hussein schon die Waffe des Attentäters in der Hand. 1959 war er an einem gescheiterten Mordanschlag auf den damaligen Militärmachthaber Abdel Karim Kassem beteiligt. Im Eifer des Gefechts feuerten der damals 22-jährige Baath-Aktivist und seine Komplizen wild durch die Gegend – dabei wurde auch Saddam getroffen. Aus dieser Erkenntnis habe er fürs Leben gelernt, wie wichtig Planung und Organisation seien, sagte er später.

Seit der Zuspitzung des Konflikts mit den USA macht Saddam Hussein aus jedem seiner Aufenthaltsorte ein Geheimnis. Selbst während des Referendums in der vergangenen Woche, in dem er für eine weitere siebenjährige Amtszeit bestätigt wurde, ließ er sich nicht öffentlich blicken. Lediglich sein ältester Sohn Udai tauchte kurz in seinem Luxusauto vor einem der Wahllokale auf, wo er einem sechs Jahre alten Kind seinen Stimmzettel in die Hand drückte und wieder davon rauschte. Udai war selbst im Dezember 1996 nur knapp einem Mordanschlag entgangen. Seitdem meidet die gesamte Familie Fahrten in Kolonnen, und mögen sie noch so streng bewacht sein. Stattdessen pendelt sie mit unauffälligen Wagen zwischen ihren mehreren Dutzend Palästen und Wohnsitzen hin und her. In jedem der Paläste bereiten Köche täglich alle Mahlzeiten zu, um bis zur letzten Minute geheim zu halten, wo der Staatschef essen wird. Seine Besucher werden vor Treffen mit ihm an geheimen Ort oft stundenlang durch die Gegend chauffiert, damit sie die Orientierung verlieren.

Während des Golfkriegs 1991 floh Saddam Hussein oft für mehrere Nächte aus seinen Palästen und suchte bei unauffälligen Bewohnern Zuflucht, wie sein persönlicher Berater Generalleutnant Abed Hamid Mahmud später schrieb. Diesmal vermuten Beobachter, dass er sich im Fall eines Angriffs entweder in Bagdad oder in seiner Geburtsstadt Tikrit im Norden des Landes verstecken würde. Nach Erkenntnis westlicher Geheimdienste stehen ihm dafür ein ganzes Netzwerk von Bunkern und eine Flotte von Fluchtfahrzeugen zur Verfügung.

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