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"Wer diesen Krieg gewinnt, wird die Machtbalance im Nahen Osten verschieben"

Huthi-Krieger in Sanaa.
Huthi-Krieger in Sanaa. ©AP
Saudi-Arabien verfügt über das drittgrößte Militärbudget der Welt. Mit seiner Streitmacht führt es  Krieg - im benachbarten Jemen. Und bezieht dort Niederlage um Niederlage gegen notdürftig ausgerüstete Kämpfer. Die setzen nun zum Gegenangriff an - auf saudischem Staatsgebiet. Ein Konflikt, bei dem es in Wahrheit um mehr geht - um viel mehr.

“Allahu Akbar” ruft einer aus der Gruppe. Andere stimmen ein. Der Hügel, auf dem sie stehen, gibt den Blick in ein kleines Tal frei. Dort mäandert ein Weg, auf welchem saudische Soldaten in hochmodernen Panzern und sonstigem Kriegsgefährt das Weite suchen. In der Ferne geben nur noch Staubwolken darauf Hinweis, dass es sich lediglich um Nachzügler eines ganzen Konvois saudischer Einheiten handelt – die ihr Heil in der Flucht zu finden versuchen. Ihnen gelten die Rufe aus dem Trupp. Männer in traditioneller jemenitischer Kleidung. Sie tragen keinerlei Uniform. Viele sind nur in Sandalen unterwegs. Bewaffnet mit Kalaschnikows und Panzerfäusten. Mehr nicht. Es handelt sich um Huthis. Sie sind es, die derzeit der saudischen Armee auf saudischem Boden das Fürchten lehren. Und Videos, die Szenerien wie die Beschriebene zeigen, finden sich zuhauf im Netz.

Saudi-Arabien sieht sich “umzingelt”

Vor zwei Jahren startete Saudi-Arabien seine Militärintervention im benachbarten Jemen. Ziel war es, den saudi-treuen gestürzten Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi samt Kabinett wiedereinzusetzen, sowie den Abzug der Huthi-Rebellen aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zu erreichen. Die Huthis hatten zuvor ausgehend von ihrem im Nordteil des Landes liegenden Kerngebiet eine Offensive begonnen, und zusammen mit Verbündeten weite Teile des Landes – eben auch Sanaa – überrannt. Hadi flüchtete Hals über Kopf. Doch die vermeintlichen Eindringlinge aus dem Norden wurden in weiten Teilen der neueroberten Gebiete nicht als Feinde empfangen. Das hat auch einen Grund.

Bei den Huthis handelt es sich – vergleichbar mit der libanesischen Hizbollah – um eine politisch-militärische Bewegung. Ihren Namen hat sie von ihrem politischen und religiösen Führer Hussein Badredin al-Huthi. Er wurde von jemenitischen Streitkräften 2004 getötet. Damals, als die Regierung die Huthis noch geeint bekämpfte. Bei den Huthis handelt es sich um Schiiten, welche je nach Schätzung 40 – 50 Prozent der Bevölkerung im Jemen stellen. Schiiten, wie besagte Hizbollah. Wie Syriens Machthaber Assad – denn auch die Alawiten werden zu der Schia gerechnet. Und allen voran der Iran. Eine schiitisch-militärische Bewegung, die handstreichartig die schiitischen Gebiete im Jemen unter ihrer Kontrolle brachte. Oder befreite, je nach Sichtweise. So oder so, aus der Sicht des sunnitischen Saud-Arabiens ein Affront – der schlicht nicht hinzunehmen war. Das Königreich sah sich plötzlich nicht nur mit einem schiitischen “Nachbarn” konfrontiert, sondern mit einem möglichen Satellitenstaat des Erzrivalen Iran direkt an der Grenze. Doch eine weitere Sache macht die Angelegenheit zum absoluten saudischen Alptraum.

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Rebellen setzen Riad zu

Saudi-Arabien wird in westlichen Breitengraden vor allem als streng sunnitisches Land wahrgenommen. “Wahhabismus” ist ein Begriff. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Saudi-Arabien verfügt über eine starke religiöse Minderheit. Und die ist schiitisch. Die Schätzungen wie viele Saudis Schiiten sind, sind unterschiedlich. Irgendwann hieß es, es seien fünf Prozent. Dann zehn. Schließlich fünfzehn. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass 20 Prozent der 20 Millionen Bürger Schiiten sind. Die siedeln in zwei Blöcken in Saudi-Arabien: Direkt am Golf, wo sich die Ölquellen des Landes befinden. Und vor allem an der Grenze zum Jemen. Einst gehörten die schiitischen Gebiete im Süden nicht zu Saudi-Arabien. Das Herrscherhaus hat sie in einem Eroberungsfeldzug unterworfen. Nicht nur im Jemen sind viele der Meinung, dass dieser Zustand schon zu lange andauert. Und der Erfolg der Huthi-Rebellion könnte Begehrlichkeiten wecken, fürchtet man in Riad. Huthi-Armeen, die in saudisch-schiitischen Städten wie Najran als Befreier einziehen. Im Herrscherhaus hat man noch die Bilder aus Sanaa vor Augen. Und nur wenig Gefallen daran gefunden. Ganz unrealistisch sind die saudischen Befürchtungen nicht – den Huthis ist es bereits gelungen, auf saudisches Staatsgebiet vorzudringen und dort Siedlungen einzunehmen. Aus saudischer Sicht gibt es deshalb nur eine vertretbare Lösung: Neben der Wiedereinsetzung Hadis müssen die Huthis wieder in ihr Kerngebiet zurückgedrängt werden, ob freiwillig oder nicht.

Millionen von Hungersnot bedroht

Der Feldzug der Saudis und mit der Ölmonarchie verbündeter Staaten wird deshalb – vom Westen weitgehend unbeachtet – mit außerordentlicher Brutalität geführt. Die Öldynastie hat ein Quasi-Embargo über Gebiete unter Huthi-Kontrolle verhängt. Flughäfen, Häfen, Brücken und Lagerhallen wurden durch Luftangriffe zerstört, die Seewege werden von Kriegsschiffen kontrolliert. Die Konsequenzen bekommt nun vor allem die Zivilbevölkerung zu spüren: Die Hilfsorganisation Oxfam warnt, dass fast sieben Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht sind. Mehr als zehn Millionen weitere Menschen seien von Nahrungsmangel bedroht und benötigten dringend humanitäre Hilfe. Weite Teile der jemenitischen Bevölkerung leben bestenfalls von Brot und Tee, viele Erwachsene würden zugunsten ihrer Kinder auf Mahlzeiten verzichten. Oxfam fordert die Konfliktparteien auf, die Kämpfe zu beenden. Eine Prämisse, die unerfüllbar scheint: Friedensverhandlungen scheiterten wiederholt – die saudischen Bedingungen des Rückzuges sind für die vom Iran unterstützten Huthis inakzeptabel.

Es geht um Großmachtpolitik

Letzten Endes ist der Jemen-Konflikt – gleich wie der Konflikt in Syrien oder dem Irak – lediglich ein weiterer Schauplatz im Ringen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran um die politische Dominanz in der Region. Dieser Umstand macht die Lösung all dieser Konflikte so schwierig. Denn der schiitische Iran versteht es mit außerordentlicher Finesse, seinen Einfluss in der Region auszubauen. Teheran ist drauf und dran, bestimmender Faktor in Syrien und dem Irak zu werden. Im Libanon verfügt es mit der Hizbollah über starke und treue Verbündete. In Bahrain, das mehrheitlich schiitisch ist, konnte der Sturz der sunnitischen Herrscherfamilie nur durch Einmarsch saudischer Truppen verhindert werden. Und der iranische Schatten reicht bereits bis nach Zentralasien: Der Westen Afghanistans ist logistisch bereits besser an den Iran angeschlossen als an den Rest Afghanistans. Das Vorgehen der Iraner, um ihre Macht auszubauen, folgt dabei einem Muster: Teheran schickt keine Invasionstruppen, es führt keine kostspieligen Kriege. Es schickt Militärberater, sucht sich in den Ländern Verbündete, und verschafft sich durch Investitionen enormen wirtschaftlichen Einfluss. Sollte ein Verbündeter in Bedrängnis geraten – so etwa in Syrien – entsendet Teheran Milizen, niemals seine Armee. Diese gezielte Unterwanderung von Ländern wird als “Light Footprint” bezeichnet – der Iran ist in verbündeten Ländern omnipräsent, ohne “wirklich” da zu sein.

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Die gesamte Machtbalance im Nahen Osten droht zu kippen

Die gesamte Machtbalance – nicht nur im Nahen Osten, sondern in der Großregion – könnte nun in Richtung Iran kippen. Dabei geht es auch um Öl – mit der Kontrolle über Syrien, den Irak und den persischen Golf wären die Transportwege für Saudi-Arabien fast “dicht”. Der letzte Mosaikstein in der Umzingelung der Saudis ist das “Tor der Tränen” – Bab al-Mandab, wie die Meeresstraße auch genannt wird. Sie liegt zwischen Eritrea, Dschibuti und – Jemen.

Der Iran erhöht den Einsatz

Fällt der Jemen an den Iran, könnte eine komplette machtpolitische Neuordnung des Nahen Ostens bevorstehen. Der Iran hat den Einsatz im Jemen mittlerweile erhöht. Er liefert moderne Waffen an die Huthis. Auch die Finanzhilfen wurden aufgestockt. Die Huthis produzieren mittlerweile auch weitreichende Raketen sowie Drohnen – die Technologie stammt laut Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Iran.

»Hussam Al-Sanabani on Twitter Breaking : President Saleh Alsmad inaugurate an exhibition of homemade unmanned drone built by MIC at the Ministry of Defence Department.«

“Wer diesen Krieg gewinnt, wird die Machtbalance im Nahen Osten verschieben”, sagt ein hochrangiger iranischer Militärangehöriger, der anonym bleiben will, gegenüber “Reuters”. Und niemand weiß das besser als Saudi-Arabien.

 

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