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Wenn Gott sagt: ''Ihr gehört dazu''

Bischof Elbs: Weihnachten ist ein Fest, an dem wir uns vor allem eines wünschen: liebevolle Geborgenheit.
Bischof Elbs: Weihnachten ist ein Fest, an dem wir uns vor allem eines wünschen: liebevolle Geborgenheit.
Ein Gastkommentar von Bischof Benno Elbs zu Weihnachten.

Hört man von Weihnachten, dann fallen die Bilder nur so über einen her: Christkindelmarkt, Glühwein, Kekse, Konsum. Erst kürzlich habe ich gelesen, dass Herr und Frau Österreicher heuer im Durchschnitt rund 380 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. 380 Euro, das ist für sehr viele Menschen sehr viel Geld. Und ich will diese Begleiterscheinungen von Weihnachten keineswegs schlechtreden. Das alles ist auch Weihnachten. Nur will ich versuchen, auch hinter die Dinge zu sehen.

Weihnachten ist ein Fest, an dem wir uns vor allem eines wünschen: liebevolle Geborgenheit. Die Familie ist der erste Ort, an dem wir diese Geborgenheit als Kleinkind erfahren sollten. Nicht ohne Grund zieht es uns gerade an Weihnachten so sehr zu unseren Familien beziehungsweise zu jenen Menschen hin, bei denen wir uns geborgen und angenommen fühlen. Wir kennen das, aus allen Himmelsrichtungen reisen Mütter und Väter, Töchter und Söhne an, um Weihnachten gemeinsam verbringen zu können. Freunde und Bekannte schicken Grüße, ein Telefonat, eine E-Mail überbrückt selbst große Distanzen.

Nicht ohne Grund spüren wir aber auch gerade an Weihnachten diesen Sehnen nach geliebten Menschen, und die Einsamkeit schmerzt an diesen Tagen besonders. Ein Gradmesser, der dieses Schwanken zwischen weihnachtlicher Freude und Einsamkeit besonders deutlich anzeigt, ist sicher die Telefonseelsorge. Bereits in der Vorweihnachtszeit wächst die Zahl der Anrufe. Der Wunsch, der hinter vielen Problemen steht, ist so oft der des Dazugehörens. Wir wollen nicht alleine sein, wir wollen Teil von etwas sein, wir wollen dazugehören. Und Weihnachten ist in seinem tiefsten Inneren ein Fest des Dazugehörens. Die Geburt Jesu ist ein Fest, an dem Gott Mensch wird, an dem Er in die Armut kommt, zu den Menschen am untersten Rand der Gesellschaft, zu denen, die niemand beachtet und die niemand sehen will. Genau dort wird Gott Mensch und sagt damit nichts anderes als: Ihr gehört dazu. Ich gehöre zu euch.

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Weihnachten ist der Moment, an dem wir uns vielleicht auch die Frage stellen können, wann wir denn zum letzten Mal jemanden haben spüren lassen, dass er dazu gehört. Wann war denn das letzte Mal, dass wir jemanden – und darin liegt die besondere Herausforderung – der nicht unseren Vorstellungen entspricht, einfach haben dazugehören lassen? Der Gedanke an die Millionen Menschen auf der Flucht, an die vielen modernen Herbergssuchen liegt nahe. Fragen wir uns doch einfach, ob wir zu denen gehören, die die heilige Familie, die übrigens ja auch eine Flüchtlingsfamilie wurde, weggewiesen hätten oder ob wir zu den Hirten gehören, die, ohne Stand und Ansehen, den Kern der Weihnacht erkannt haben.

Das mag jetzt durchaus moralisierend klingen, es ist aber eine Überlegung wert. Weihnachten ist der Moment, in dem wir uns über unsere Standpunkte klar werden können. An Weihnachten geht es im Grunde darum, dass wir der Liebe einen Platz in unserem Leben, Denken und Handeln einräumen. Schaffen wir das, wird es Weihnachten – unabhängig von jedem Datum und jeder Jahreszeit. Weihnachten ist dann, wenn wir jemanden spüren lassen, dass er dazugehört – so wie er ist. Das Schenken ist ein Weg, diese Liebe zu zeigen, und es gibt noch viele andere.

Leicht, nein leicht ist es sicher nicht immer, Menschen teilhaben zu lassen. Und wir sind Menschen mit Fehlern und es gelingt uns nicht alles. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Gerade an Weihnachten.

Liebe VOL-Leserinnen und -Leser, ich wünsche uns allen, dass die kommenden Festtage reich sind an Versuchen, es Weihnachten werden zu lassen.  Ich wünsche uns, dass wir uns darüber freuen können, dass Menschen da sind und ich wünsche uns, dass auch wir vielleicht der Grund solcher Freude für andere sein können. Gottes Segen begleite uns und die Weihnacht 2014.

Bischof Benno Elbs

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