Wenn die Wiesen wieder wackeln: Wacken Open Air startet in Jubiläum

25. Ausgabe nach 44 Stunden ausverkauft - rund 75.000 "Metalheads" kommen in die holsteinische Gemeinde.
25. Ausgabe nach 44 Stunden ausverkauft - rund 75.000 "Metalheads" kommen in die holsteinische Gemeinde. ©EPA
In der kommenden Woche startet im kleinen Wacken mitten in der schleswig-holsteinischen Provinz das nach Veranstalterangaben größte Heavy-Metal-Festival der Welt. Rund 75.000 zahlende Besucher aus aller Welt werden zur 25. Ausgabe des Wacken Open Air (W:O:A) erwartet.
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An den drei Festivaltagen werden auf sieben Bühnen 120 Bands stehen – darunter Gruppen wie Motörhead und Szene-Größen wie Accept.

Mit 75.000 Fans “weiter familiär”

Momentan werden die Bühnen aufgebaut, Soundanlagen installiert und Zeltplätze vorbereitet: Offiziell geht es zwar erst am 31. Juli los, doch bereits am Tag zuvor stehen zahlreiche Bands auf den Bühnen. “Im Moment sind wir der Meinung, dass 75.000 Menschen sicherheits- und spaßtechnisch die richtige Größe sind”, sagte Festival-Gründer Thomas Jensen am Rande der Vorbereitungen für das Wacken Open Air. “Das Festival ist weiter familiär, auch wenn das einige bestreiten.”

Bevölkerungszahl Wackens steigt auf 100.000

Bereits Tage vor dem offiziellen Start am 31. Juli werden die “Metalheads” genannten Fans den Ort wieder für sich einnehmen. Mit allen Beteiligten steigt die Bevölkerungszahl Wackens auf knapp 100.000 Menschen an. In Schleswig-Holstein haben nur Kiel und Lübeck mehr Einwohner.

Mit knapp 800 Gästen auf einer kleinen Wiese hatte in Wacken 1990 alles angefangen. Jensen und Kumpel Holger Hübner gründeten das Festival aus einer Bierlaune heraus. Jensen spielte damals mit seiner eigenen Band Skyliner und zapfte zwischendurch noch Bier. Die Band spielt auch dieses Jahr wieder in Wacken. Jensen gehört ihr aber seit langem nicht mehr an.

Ausverkauft nach nur 44 Stunden

Das diesjährige Festival war nach Angaben der Veranstalter binnen 44 Stunden ausverkauft. Bereits zwei Tage nach Ende des Festivals war Anfang August 2013 das letzte Ticket vergeben. Bereits zum neunten Mal in Folge ist das Open Air ausverkauft.

Neu ist in diesem Jahr das Wacken:Music.Camp. Eine Woche nach dem Festival werden dazu 70 Nachwuchsmusiker im Alter von 13 bis 17 Jahren erwartet. Begleitet von sechs professionellen Musikern sollen sie Songs schreiben und auf einem Abschlusskonzert in Bands spielen. (APA/DPA)

Reportage: Wacken – Ein Dorf sieht schwarz

3D-Kinodoku über den Wacken-Wahnsinn

Eben noch kommt Schockrocker Alice Cooper direkt auf einen zu, schon kann man sich selbst wie ein Rockstar fühlen. Man steht auf der Bühne vor den Fanmassen und sieht den Wahnsinn in Zeitlupe. Man blickt in die ersten Reihen, die sich hinter der Absperrung drängeln, Arme recken sich einem entgegen. “Wacken 3D” bringt das größte Heavy-Metal-Festival der Welt ab Donnerstag (24.7.) auf die Leinwand.

Der Film nimmt die Zuschauer dreidimensional mit auf die Bühne, hinter die Kulissen und auf die W:O:A-Wiese. Mittendrin in Wacken – ohne live dabei zu sein, aber auch ohne selbst im Schlamm zu versinken. Musiker wie Alice Cooper, Deep Purple, Motörhead und Rammstein rockten im Sommer 2013 das Festival, als die Dokumentation in dem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein entstand.

75.000 Zuschauer kamen an vier Tagen auf das 300 Fußballfelder große Gelände. Einfach nur dabei sein und headbangen wollen viele Fans, die aus verschiedensten Ländern anreisen. Für Cielu Wang aus Taiwan ist es das dritte Wacken-Open-Air. Ihrer Mutter erzähle sie, sie sei auf Geschäftsreise, sagt die junge Frau im Film – wenigstens der Rollkoffer, den sie über die Wiese zieht, passt dazu.

Mittendrin: Spektakuläre Bilder

Musikfilmregisseur Norbert Heitker lässt Bands und Fans zu Wort kommen, zeigt spektakuläre Konzertbilder – mal aus der Perspektive der Stars, mal aus der des Publikums. W:O:A-Anhänger dürften beim Sehen in Erinnerungen schwelgen. Wacken-Neulinge lassen die 3D-Bilder im Kinosessel einmal in diese andere Welt eintauchen. Im Leinwand-“Holy-Wacken-Land” sieht dann sogar der Schlamm, wenn er tröpfchenweise und in Zeitlupe durch den Kinosaal schwebt, nicht weniger poetisch aus als die Seifenblasen und Ballons beim Alice-Cooper-Auftritt.

Ohnehin liefert der Film nicht 90 Minuten Schwermetall-Dröhnung. Es gibt Sonnenaufgänge und Vogelgezwitscher, aus Zelten und Autos kriechende mehr oder weniger verkaterte Besucher und zwischen “Smoke On The Water” von Deep Purple, Rammsteins “Du hast” und Alice Coopers “School’s Out” viele Interviews. Das Familienfest, als das es die Macher und Besucher bei allem Erfolg noch immer sehen, wird begreifbar. Ein Metal-Fan habe ihm nach einer Testvorführung gesagt, er würde den Film seiner Mutter zeigen, sagt Heitker im Presseheft.

“Verbeugung” vor dem W:O:A

Als “Verbeugung” vor dem W:O:A sieht Produzent Thomas Erhart den Film. “Wir schmeißen uns nicht unnötig ran, aber natürlich schlägt das Herz des Films für Wacken.” Eine Produktion passend zum 25. Jubiläum des Wacken-Wahnsinns in diesem Sommer (31. Juli-2. August). “Ich habe mich gewundert, dass man in 90 Minuten komprimiert so viele Facetten zeigen kann”, sagt Thomas Jensen, neben Holger Hübner einer der Festivalgründer. “Alles kann man nicht zeigen”, meint er, “trotzdem habe ich das Gefühl, es fehlt gar nichts.” Diesmal spiele nur das Dorf selbst keine so große Rolle wie noch in “Full Metal Village”.

Vor dem Kinostart freute sich Jensen vor allem auf die Premiere in Itzehoe, auch wenn diese erst nach der Hamburg-Aufführung anstand. “Hamburg ist großes Kino mit schwarzem Teppich, aber in Itzehoe kommt unsere ganze Crew”, sagt er. “Und die ist es, die Tonnen an Stahl bewegt und im Modder mit uns die Schlacht geschlagen hat.” In den wunderbaren Bildern der Doku sprühen die Schweißfunken dreidimensional und fliegt der Schlamm zur Opernarie.

Dreidimensionale Schlammschlacht

Die Idee zu “Wacken 3D” hatte Produzent Erhart, der vor Jahren die Produktionsfirma Jumpseat 3D gründete. Ursprünglich wollte er das Festival live auf die Leinwand bringen, musste im Gespräch mit den Veranstaltern aber feststellen: nicht umsetzbar. Gleichzeitig brachte ihn das auf “Wacken 3D”. “Musik im Zusammenhang mit 3D eröffnet eine neue Dimension für die Zuschauer”, sagt Erhart im Presseheft. “Das Dreidimensionale hebt die Distanz zu den Künstlern auf der Bühne völlig auf und zieht den Zuschauer direkt ins Geschehen.” (APA/DPA)

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