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Wem gehören Schindlers Listen? Erbin will Herausgabe erstreiten

Schindlers Liste: Ein Bild der originalen Kopie der Liste, die die Namen von 1200 geretteten Juden aufführt.
Schindlers Liste: Ein Bild der originalen Kopie der Liste, die die Namen von 1200 geretteten Juden aufführt. ©AP
Für die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist Oskar Schindlers Liste ein zentrales Dokument. Auf ihr stehen die Namen von mehr als 1000 geretteten Juden. Doch nun droht ein bizarrer Rechtsstreit.

Er rettete mehr als 1200 Menschen das Leben: Während des Zweiten Weltkriegs forderte der Industrielle Oskar Schindler jüdische KZ-Häftlinge zur Arbeit in seiner Fabrik an und bewahrte sie so vor dem Tod.

Seine Geschichte war lange unbekannt – bis Regisseur Steven Spielberg in den 1990er Jahren den Film “Schindlers Liste” drehte. Aus einem Mann, der aus dem Krieg Gewinn gemacht hatte, wurde ein Held.

Faksimiles in Yad Vashem ausgestellt

Ein Zeugnis von Schindlers Verdienst ist in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ausgestellt: Hinter Glas sind dort Faksimiles der Namenslisten zu bewundern, die Schindler einst erstellte. Eine Kopie aus jener Zeit wird im Archiv aufbewahrt. Die Gedenkstätte in Israel ist überzeugt: Nirgendwo könnten die historischen Dokumente besser aufgehoben sein als in Yad Vashem. Die Argentinierin Erika Rosenberg sieht dies anders.

Bilder der Schindler-Liste

Rosenberg: Schindlers Listen nach Israel “geschmuggelt”

Rosenberg ist Nachlassverwalterin und Erbin von Schindlers 2001 gestorbener Ehefrau Emilie. Sie will die Herausgabe der Dokumente einklagen: Die Listen seien nach Israel “geschmuggelt” worden, sagte Rosenbergs Anwalt der israelischen Zeitung “Haaretz”.

Wem gehören Schindlers Listen?

Die Frage ist: Wem gehören Schindlers Listen? Noch ist kein Prozess eröffnet. Sollte es so weit kommen, stünde Schindlers Leben nach seiner Rückkehr von Argentinien nach Deutschland 1958 im Fokus. Emilie Schindler blieb in Südamerika. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beziehung zu dem Ehepaar Heinrich und Annemarie Staehr aus dem niedersächsischen Hildesheim. Der damals 62-Jährige lernte 1970 Annemarie Staehr kennen und begann eine von deren Ehemann geduldete Liebesbeziehung zu ihr.

Der umfangreiche schriftliche Nachlass mit Dokumenten und Fotos des Fabrikanten Oskar Schindler. Foto: dpa/ Archiv
Der umfangreiche schriftliche Nachlass mit Dokumenten und Fotos des Fabrikanten Oskar Schindler. Foto: dpa/ Archiv ©Der umfangreiche schriftliche Nachlass mit Dokumenten und Fotos des Fabrikanten Oskar Schindler. Foto: dpa/ Archiv

Schindler-Dokumente auf Dachboden entdeckt

Schindler lebte zwar in Frankfurt am Main, verbrachte aber regelmäßig einige Wochen bei dem Ehepaar in Hildesheim, wo der Judenretter 1974 völlig mittellos starb. 1999 berichtete die “Stuttgarter Zeitung” von der Entdeckung von Schindlers Koffer mit zahlreichen Dokumenten – darunter die berühmte Liste – auf dem Dachboden in Hildesheim. Der Sohn hatte nach dem Tod von Heinrich Staehr den Koffer gefunden und den Journalisten übergeben.

Schindler-Witwe ging gerichtlich gegen Veröffentlichung vor

Von der Existenz des Koffers habe sie nur aus der Zeitung erfahren, sagt die Erbin Erika Rosenberg. Da sei es schon zu spät gewesen, denn die Dokumente seien bereits außer Landes gebracht worden. Man habe Emilie Schindler “übergangen und ignoriert”. Die Witwe ging damals gerichtlich gegen die Zeitung vor und erhielt 2001 – kurz vor ihrem Tod – 25 000 D-Mark für die Veröffentlichung der Dokumente.

Erika Rosenberg genügt das nicht. Sie möchte, dass die Dokumente in ihren Besitz zurückgehen – so wie es die Erbschaft vorsehe. Rosenberg sagt, sie kämpfe nicht um Geld – obwohl manche den Wert der vergilbten Papierblätter auf einige Millionen Euro schätzen. Es gehe ihr um die Rolle von Emilie Schindler, um ihre Würdigung und ihr Vermächtnis.

Yad Vashem will nicht um Holocaust-Dokumente feilschen

Die Gedenkstätte Yad Vashem will sich auf die Argumentation nicht einlassen: Man lehne es ab, um Holocaust-Dokumente zu feilschen oder sie gar kommerziell zu handeln. Die Liste sei ein Papier von “historischer Bedeutung” und rechtmäßig im Besitz von Yad Vashem.

Zeitzeugin: “Der Koffer war für Israel bestimmt”

Nach ersten Medienberichten über den möglichen Prozess um Schindlers Liste meldete sich eine gute Freundin der Familie Staehr. “Ich habe Schindler nur einmal bei einem Abendessen getroffen, aber es wurde häufig von ihm gesprochen”, sagt die 79 Jahre alte Lehrerin aus Hannover, die bereit ist, als Zeugin in Jerusalem auszusagen. Sie erinnert sich, dass der Koffer für Israel bestimmt war. “Heinrich Staehr sagte immer: Wir haben da noch einen Koffer von Oskar, da sind Unterlagen drin über die geretteten Juden, das kommt auf jeden Fall nach Yad Vashem.”

Holocaust-Gedenkstätte vor Gericht

Dass die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vor Gericht steht, sehen viele in Israel nicht gerne. Bei einer ersten Anhörung vor dem Bezirksgericht in Jerusalem riet der Richter am Mittwoch beiden Parteien, es doch noch einmal mit einer außergerichtlichen Einigung zu versuchen. (APA/red)

Doku: “Ich stand auf Schindlers Liste

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