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Weltbuddhistentreffen in Graz

Die Grazer Messehalle ist seit Samstag „geweihter Boden“: In den frühen Morgenstunden startete der Dalai Lama mit den Vorbereitungszeremonien auf die Kalachakra-Initiation am kommenden Wochenende. Am ersten Tag wurden die Räumlichkeiten und Teilnehmer des Rituals „den Buddhas vorgestellt“, wie der amerikanische Kalachakra-Experte Alexander Berzin gegenüber der APA erläuterte.

Zwischendurch entzündeten Mönche Kerzen, um „störende Geister ruhig zu stellen“. „Damit alles gut klappt und diese Energien nicht bei der Intiation dazwischen kommen“, sagte Berzin. Am Nachmittag sollte mit der Errichtung des prächtigen Sand-Mandalas begonnen werden, das am Ende des Rituals wieder zerstört wird. „Das soll lehren, nicht an den schönen Dingen zu haften“, so der Experte.

Der Dalai Lama war dieses Mal ganz in seiner Funktion als spirituelles Oberhaupt zugegen. Auf einem Thron sitzend rezitierte er mit tiefer monotoner Stimme umringt von Mönchen aus seinem Kloster Verse aus heiligen buddhistischen Texten. „Er ist auf einem Thron, weil er die Lehren Buddhas repräsentiert“, erklärten die Organisatoren. Begleitet wurde die rituelle Lesung von Trommel- und Tschinellenklängen und Gesängen, wobei jeder Ton und jede Bewegung eine spezielle Bedeutung hat.

Das geheimnisvolle Ritual sollte niemand abschrecken. „Das wichtigste ist die Entwicklung von Altruismus“, betonte der Dalai Lama in seinen Erklärungen. Neben einem „Erleuchtungsgeist“ und eines „Gewahrseins von Leere“ sei dies die zentrale Praxis des tibetischen Buddhismus.

Die Entwicklung von Mitgefühl macht das Kalachakra, so Berzin, auch so wichtig für die Gegenwart. „Die erste große Initiation wurde ebenfalls in einer sehr kriegerischen Zeit gegeben“, sagte der Experte. Die tantrische Schule helfe dabei, sowohl die innere als auch die äußere Welt in Harmonie zu bringen. Anschuldigungen, dass das Ritual vor allem dem Erreichen von weltlicher Macht dient und gewaltverherrlichend ist, bezeichnete der Autor schlicht als „Unsinn“. „Es wird gelehrt, wie man genau diese negativen Emotionen transformiert.“

Die wenigen westlichen Zuseher, die bereits seit den frühen Morgenstunden vor den Bildern verschiedener tantrischer Gottheiten meditierten, wurden von dem nicht angekündigten Besuch des Dalai Lama überrascht. „Sie durften aber natürlich bleiben“, sagten die Organisatoren. Die in Tibetisch rezitierten Verse dürften dabei nur die Wenigsten verstanden haben. „Aber sie sind wohl vor allem hier, um in der Nähe Seiner Heiligkeit zu sein“, hieß es.

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