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Weitere Milosevic Greueltaten

Der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hatte im April 1999 16 Mitarbeiter des staatlichen TV-Senders absichtlich geopfert, um ihren Tod im Propagandakrieg gegen die NATO-Allianz zu nutzen.

Dies behauptet der Belgrader Publizist Zoran Janic, der sich mit dem Bombardement des staatlichen TV-Senders durch die NATO-Allianz am 23. April 1999 intensiv befasst hat. Die Ergebnisse seiner Recherchen wurden nun vom Belgrader Verlag „Dan graf“ unter dem Titel „Stille in der Aberdareva-Straße“ (Tisina u Aberdarevoj) herausgegeben.

„Aus Unterlagen und zuverlässigen Zeugenaussagen ergibt sind unzweideutig, dass die NATO und ihr Befehlshaber in Europa, General Wesley Clark, Milosevic rechtzeitig über ihre Absicht informiert hatten, den TV-Sender zu bombardieren“, wurde Janic heute, Dienstag, von Belgrader Medien zitiert.

Dem Buchautor zufolge hatte auch das damalige jugoslawische Militär ganze drei Tage im Voraus gewusst, dass die NATO einen Luftangriff gegen das Sendergebäude plante. Zudem wurde vom Militär auch ein Gespräch eines NATO-Piloten mitgeschnitten. Milosevic habe gehofft, den Tod von Sendermitarbeitern dazu nutzen zu können, um dem Westen einen entscheidenden Schlag im Propagandakrieg versetzen zu können, behauptet Janic.

Beweise für seine These fand Janic auch in einem Gespräch zwischen dem Sohn Milosevics, Marko, und dem damaligen serbischen Propagandachef Aleksandar Bakocevic einen Tag vor dem NATO-Angriff auf den Sender. Die Gesprächspartner hatten sich laut einem Augenzeugen geeinigt, dass die „Opfer angesichts des Propagandanutzens zu vernachlässigen wären“.

Die jugoslawische Regierung hatte während der NATO-Luftangriffe eine dringende Verlegung des staatlichen Rundfunk- und TV-Senders, der von der NATO als legitimes Angriffsziel bezeichnet wurde, an eine sicherere Stelle angeordnet. Allerdings hatte das Verteidigungsministerium daraufhin dem damaligen Senderdirektor Dragoljub Milanovic und seinen engsten Mitarbeitern erlaubt, die Anordnung nicht durchzuführen. Eine diesbezügliche Zustimmung kam angeblich auch vom serbischen Informationsminister, Aleksandar Vucic, einem Spitzenpolitiker der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS). Milanovic, ein Politiker von Milosevics Sozialisten, wurde vor drei Jahren zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Alle anderen Beteiligten in der Causa TV-Sender kamen ungestraft davon.

Milosevic war vom UNO-Kriegsverbrechertribunal wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo angeklagt. Er erlag im März dieses Jahres im Gefängnis des Haager Tribunals einem Herzleiden. In Belgrad wurde in der Causa des TV-Senders gegen Milosevic nie ermittelt, wenngleich dies seitens Familienangehöriger der Opfer wiederholt gefordert worden war.

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