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Wegestreit im Großwalsertal

Raggal - Auffassungsunterschiede über eine Privatwegnutzung bringen Maruler Nachbarn vor Gericht.

Die Idylle im Großwalsertaler 150-Einwohner-Ort Marul, der zu Raggal gehört, trügt. So frei nach Schiller „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem lieben Nachbarn nicht gefällt“, liegen sich der Maruler Landwirt Werner Sparr und der Thüringer Vizebürgermeister Reinhold Schneider, der hier sein elterliches Anwesen als Feriendomizil und Zweitwohnsitz ausgebaut hat, buchstäblich in den Haaren.
Seit Jahren werden Rechtsanwälte und Gerichte beschäftigt. Ein neuer Gerichtstermin mit Lokalaugenschein ist bereits anberaumt. Grund ist der andauernde Streit über den gemeinsamen Zufahrtsweg zum Wirtschaftsgebäude von Werner Sparr und zum Anwesen von Reinhold Schneider. Sparr bewirtschaftet die drei Hektar seit 32 Jahren als Hut- und Futterfläche, Schneider vermietet seit einigen Jahren seinen Zweitwohnsitz während der Sommermonate an Bekannte und Feriengäste.
Auf dem Weg besteht allgemeines Fahrverbot, lediglich die Zufahrt zu den beiden Objekten für Nutzungszwecke ist erlaubt. Und weil der Maruler Landwirt den Weg in der Zeit, in der seine Mutterkühe mit Jungtieren auf der Weide stehen, mit einem Zaun absperrt, sieht sich sein Gegenüber in seiner uneingeschränkten Nutzung und Zufahrt beeinträchtigt.
„Der Zaun ist vor allem auch an Wanderer ein Signal, dass hier Weidevieh ist und man vorsichtiger sein muss“, erklärt Werner Sparr seine Absperrmaßnahme. Schließlich sei der Zaun auch nicht ganzjährig, sondern maximal fünf Wochen im Jahr über die Straße gespannt. „Damit ist gewährleistet, dass meine Tiere auch im Stallgebäude Unterschlupf finden können“, beruft er sich auf Grundsätze der artgerechten Tierhaltung. Zudem habe Schneider selbst eine Schranke angebracht, die geschlossen wird, wenn das Haus unbewohnt ist, wundert sich Sparr.
„Um zu meinem Anwesen zu kommen, muss ich mehrmals aus dem Fahrzeug aussteigen und die beiden über die Straße gespannten Abzäunungen auf- und zumachen“, sieht sich der Thüringer Vizebürgermeister dagegen als Wegerhalter in seinem Bewegungsraum eingeschränkt. Schließlich lasse er sich die Wegerhaltung jährlich etwas kosten, während sein Widersacher nur Nutznießer sei. Außerdem sei die Weganlage länger als nur fünf Wochen im Jahr „eingezäunt“. „Es ist in diesem Zusammenhang ja auch schon zu Handgreiflichkeiten gekommen“, merkt Reinhold Schneider an und verweist auf seinen Rechtsanwalt.

Weidegitter

Demnächst als Zeuge vor Gericht geladen ist diesmal auch der Raggaler Bürgermeister Hermann Manahl, der als Nebenerwerbslandwirt die Flächen rund um Schneiders Anwesen bewirtschaftet. Manahl kann sich eine salomonische Lösung mit einem in den Wirtschaftsweg eingelassenen Weidegitterrost vorstellen. „Damit müssten eigentlich beide Seiten leben können“, wünscht sich der Gemeindechef nichts sehnlicher, als dass endlich Frieden einkehrt in der leidigen Angelegenheit.

(VN)

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