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Weg für erste Frau an US-Notenbankspitze fast frei

Janet Yellen hat gute Chancen demnächst an der Spitze der US-Notenbank zu sitzen.
Janet Yellen hat gute Chancen demnächst an der Spitze der US-Notenbank zu sitzen. ©AP
Vorentscheidung im Rennen um den Chefposten der mächtigen US-Notenbank Fed: Nach dem überraschenden Verzicht des früheren Finanzministers Lawrence Summers hat Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen die besten Karten.

Sie wäre in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik des Amtsinhabers Ben Bernanke. Mit ihr dürfte die Fed Experten zufolge noch länger auf Konjunkturhilfen setzen und eine Zinserhöhung auf die lange Bank schieben. Die weltweiten Börsen reagierten sofort: Der Dollar verlor an Wert, während es an den Aktienmärkten nach oben ging. In Frankfurt erreichte der Dax ein Rekordhoch.

Zinspolitik an Arbeitslosenquote gekoppelt

Yellen ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin – ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. Denn die Fed hat anders als etwa die Europäische Zentralbank nicht nur den Auftrag, für stabile Preise zu sorgen, sondern auch für Vollbeschäftigung. Und sie koppelt ihre Zinspolitik an die Arbeitslosenquote, die mit über sieben Prozent zwar langsam fällt, aber noch immer auf einem für amerikanische Verhältnisse hohen Niveau liegt.

Anleihen-Käufe sind umstritten

Die Fed versucht, die Lage mit massiven Konjunkturhilfen zu verbessern. Die Maßnahmen – etwa milliardenschwere Anleihe-Käufe – haben aber Nebenwirkungen für die Wirtschaft und sind daher umstritten. Die frühere Berkeley-Professorin Yellen betont, im Zweifelsfall eine höhere Inflation für eine niedrigere Arbeitslosenquote in Kauf zu nehmen.

Amtszeit läuft im Jänner aus

Mit Timothy Geithner will Insidern zufolge ein weiterer Ex-Finanzminister nicht in das Rennen um die Nachfolge Bernankes einsteigen. Dessen zweite Amtszeit läuft Ende Jänner 2014 aus. Er ist dann acht Jahre an der Spitze der Fed und hat die US-Geldpolitik durch die Immobilien-, Finanz- und Weltwirtschaftkrise in den Jahren 2007 bis 2009 geführt – mit schnellen Zinssenkungen und aggressiven Konjunkturhilfen. Den früheren Princeton-Professor zieht es nun aber zurück in die Wissenschaft.

Ökonom lehnt ebenfalls ab

“Larry” Summers gilt als gleichermaßen brillanter Ökonom wie eigenwilliger Typ. “Ich bin widerstrebend zu dem Schluss gekommen, dass ein mögliches Prüfungsverfahren für mich bitter wäre”, schrieb er in einem Brief an US-Präsident Barack Obama. Das wäre weder im Interesse der Fed noch der Regierung. Obama sagte, er akzeptiere den Rückzieher des früheren Harvard-Präsidenten. Er will sich im Herbst zur Bernanke-Nachfolge äußern. In einem zweiten Schritt muss der Senat dann der Personalie zustimmen. Es war zunächst nicht klar, ob Summers den Schritt aus eigenen Stücken gewählt hat oder von Obama überredet worden ist.

Brandbeschleunigung zur Krise

Eine Gruppe von Senatoren – zumeist von Obamas Demokraten – wirft Summers vor, in den 1990er-Jahren die Deregulierung der Finanzmärkte zu radikal vorangetrieben zu haben. Gegner sehen ihn gar als Wegbereiter der Finanzkrise. Als Finanzminister unter Präsident Bill Clinton hatte er daran mitgewirkt, dass der Derivatemarkt unreguliert blieb. Undurchsichtige Finanzprodukte dieses Marktes erwiesen sich später als Brandbeschleuniger der Krise. Zudem kreiden Kritiker ihm an, dass er das Trennbankensystem beseitigte und Geldhäusern mit Privatkundeneinlagen den Weg zu riskanten Geschäften ebnete.

Summers sei autoritär und chauvinistisch

Viele Senatoren setzen sich daher für Yellen ein, obwohl Summers als Chef-Wirtschaftsberater Obamas im Eindämmen der Krise gute Noten von der Fachwelt erhielt. Dem Ökonom werden jedoch ein autoritärer Führungsstil und chauvinistische Züge nachgesagt. Er hat einmal beispielsweise Frauen eine Ader für Naturwissenschaften abgesprochen.

Noch zwei Weitere im Rennen

Obama könnte allerdings auch einen ganz anderen Weg gehen. Zwei Namen fallen dabei immer wieder: Roger Ferguson und Donald Kohn. Ferguson wäre der erste Afroamerikaner an der Notenbank-Spitze. Er war von 1999 bis 2006 Fed-Vize und ist Absolvent der Elite-Universität Harvard. Kohn ist 2010 nach 40 Jahren in der Notenbank in den Ruhestand gegangen. Er sei zwar mittlerweile 70 Jahre alt, sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. “Alan Greenspan hat jedoch gezeigt, dass man den Aufgaben des Fed-Chefs durchaus auch im höheren Alter noch betraut sein kann.” Greenspan war vor Bernanke knapp 20 Jahre lang Fed-Präsident – am Ende war der legendäre Notenbanker fast 80 Jahre alt.

Anleihen-Käufe werden reduziert

Am Mittwoch wird sich die Fed ausführlich zu ihrer Geldpolitik äußern. Die meisten Experten erwarten, dass die bisherige Summe der Anleihe-Käufe von 85 Mrd. Dollar (63,93 Mrd. Euro) pro Monat um 10 Mrd. reduziert wird.

Kapitalflucht trifft Schwellenländer

Allerdings hat der erwartete Einstieg in den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes schon jetzt viele negativen Auswirkungen. So trifft eine regelrechte Kapitalflucht die Schwellenländer, vor allem in Asien – da der Renditevorteil von Anleihen dieser Länder gegenüber den USA schmilzt. Das kann die Weltwirtschaft in Schieflage bringen. Daher rechnen Experten mit einem vorsichtigen Manöver der Fed. (APA)

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