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Wassertreten in der Wanne

Bregenz -   Die Lehre nach Pfarrer Kneipp hält den 90-jährigen Herbert Killmayer jung.

Seine Erinnerungen sind so frisch wie zuweilen der Wind im April. Wenn Ing. Herbert Killmayer ins Erzählen kommt, ist er in seinem Element und niemand würde vermuten, dass da ein Neunzigjähriger sitzt. Als Jungbrunnen hat sich für den gebürtigen Niederösterreicher die Kneipp’sche Lehre erwiesen. Und so ist auch sein Name untrennbar mit der Kneippbewegung in Vorarlberg verbunden. Wechselbäder und Wassertreten in der Badewanne halten den betagten Herrn immer noch fit und geistig jung.

 

Alternativen gesucht

Herbert Killmayer kommt flotten Schrittes zur Tür. Sein Händedruck ist fest, aus seinen Augen leuchtet die Abgeklärtheit eines langen Lebens. Vor bald 50 Jahren wurde Vorarlberg zur seiner neuen Heimat. „Ich habe mich für den Landesdienst beworben, weil es an Experten für den Hochbau mangelte“, erzählt der Absolvent der Technischen Hochschule Wien. Er bereute den Umzug nicht. Vor allem den „Gerechtigkeitssinn der Vorarlberger“ wusste er zu schätzen. „Da habe ich in Niederösterreich und Wien anderes erlebt“, merkt Herbert Killmayer schmunzelnd an. Schon damals pflegte er das, was Pfarrer Sebastian Kneipp predigte. Eine schwere Darmerkrankung, die er aus dem Krieg mitgebracht hatte, ließ den jungen Mann nach schulmedizinischen Alternativen suchen. Die behandelnden Ärzte in Wien unterstützten ihn dabei. „Das ist ein Gesunder, der ist Kneippianer“, hieß es, wenn Herbert Killmayer auftauchte. Tatsächlich bescherten ihm die Kneipp’schen Methoden eine deutliche Besserung seines Leidens. „Mein Leben wurde durch Kneipp neu geformt, weil ich mehr auf mich achtete“, sagt er.

 

Hochachtung und Respekt

Doch nicht nur deshalb empfindet Killmayer „besondere Hochachtung“ für Kneipp. „Er machte nie einen Unterschied zwischen den Menschen, die in Scharen zu ihm pilgerten. Er hat auch Hoheiten ganz normal behandelt“, weiß Herbert Killmayer aus der Geschichte. Respekt nötigen ihm aber auch heute noch jene Bregenzerwälder ab, die zu Fuß nach Bad Wörrishofen gingen, um bei Pfarrer Kneipp Heilung zu suchen. Sein persönliches Vorbild war ein Volksschuldirektor aus Feldkirch. „Er konnte die Dinge so vermitteln, dass sie jeder verstand“, erinnert sich Killmayer an den „enormen Zulauf zu seinen Kräuterwanderungen“. Schließlich stellte er sich ebenfalls in den Dienst der gesundheitsfördernden Sache. Er wurde Obmann des Ortsvereins Bregenz und 1971 Landesleiter des Kneippbundes.

 

Auszeichnungen

In den 15 Jahren seiner Tätigkeit an vorderster Front richtete Ing. Herbert Killmayer unter anderem den gesamt­österreichischen Kneipp-Kongress aus und hielt unzählige Vorträge. „Ich hatte ein fantastische Mitarbeiterschar“, schwärmt der Jubilar und will zwei „besondere Damen“ besonders erwähnt haben, nämlich Leonie Fürst und Maria Oster. Für seine Verdienste um das Kneippsche Gedankengut wurde Herbert Killmayer schließlich zum Ehrenlandesleiter des Österreichischen Kneippbundes ernannt. Für das Bemühen zur Förderung des Gesundheitswesens erhielt er 1990 das Verdienstzeichen und 2004 das Große Verdienstzeichen des Landes. VN-MM

 

Zur Person
Ing. Herbert Killmayer
Geboren: 29. April 1920 in Wien
Familienstand: verheiratet, 1 Tochter
Hobbys: klassische Musik

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