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"Was, wenn aus 'Flüchtlingen' Nachbarn und Bekannte werden?"

In Wien kommen jeden Tag hunderte Flüchtlinge an.
In Wien kommen jeden Tag hunderte Flüchtlinge an. ©APA
VN-Chefredakteur Gerold Riedmann zur Flüchtlingskrise und der Aktion "Vorarlberg hilft" von VOL.AT und VN.
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Die Hilfsbereitschaft, spontan gezeigt in Nickelsdorf, am Wiener Westbahnhof, am Münchner Hauptbahnhof, sie bezeugt, wie beherzt die Zivilgesellschaft agiert, wenn es darauf ankommt.

Sie meinen, die Bahnhofs-Flüchtlingshilfe sei weit weg? Weit gefehlt: Am Donnerstag liefen in den Vorarlberger Einsatzzentralen bei Land, Caritas und Rotem Kreuz kurzzeitig die Telefone heiß. Ein Zug aus Ungarn, mit 200 Flüchtlingen an Bord, fuhr planmäßig bis zu uns. Wie 200 Menschen versorgen, die plötzlich an einem Bahnhof aufschlagen? Zum Einsatz kam es nicht, die Kriegsflüchtlinge sind zuvor umgestiegen.

Für dieses Wochenende kann niemand garantieren, was passieren wird. Die Einsatzkräfte rechnen mit einem stärkeren Flüchtlingsstrom als vergangenes Wochenen sichereres, besseres, kriegsfreies Leben. Millionen harren noch aus in Syrien, terrorisiert von radikalen Milizen des IS.

Auf manche meiner Flüchtlings-Leitartikel in dieser Zeitung habe ich immer eine Frage, vielfach gestellt, erhalten: „Was kann ich tun?“ Nun, viel. Was wäre, wenn flächendeckend pensionierte Deutsch-Lehrer unentgeltlich Flüchtlinge unterrichteten? Was, wenn nicht hundert Flüchtlinge in einer Tennishalle untergebracht werden müssten, sondern genügend überschaubare Unterkünfte verfügbar wären? Was, wenn Vereine sich aktiv ins Spiel bringen? Was, wenn überbetriebliche Ausbildungsstätten anerkannte Flüchtlinge zu Facharbeitern ausbildeten? Was, wenn aus „die Flüchtlinge“ Nachbarn und Bekannte mit Namen und Gesichtern würden?

Wir haben eine Initiative gegründet, die bestehende Hilfsprojekte vernetzen, Öffentlichkeit schaffen und Aufklärung leisten soll. Russ-Preis-Träger Egon Blum stellt seine Kontakte in Wirtschaft und Politik sowie seine Management-Kompetenz in den Dienst der guten Sache und leitet die Initiative „Vorarlberg hilft – #refugeeswelcome“. Wir heißen die aus Kriegsgebieten geflüchteten und bei uns Schutz suchenden Flüchtlinge Willkommen in Vorarlberg. Wir wollen bei der Organisation helfen, dass die Flüchtlinge schnellstmöglich Sprachkenntnisse erwerben – eine Grundvoraussetzung für Integration. Wir wollen eine Langzeitperspektive schaffen, um die Flüchtlinge vom Rand in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Wir sind nicht die anonymen Schreier und Pöbler auf Facebook, wir stehen zu unserer Meinung.

Fürchten wir uns nicht vor dem Fremden. Begreifen wir es als Chance. Auch die Zuwanderungswellen der Vergangenheit haben Vorarlberg bereichert, was „Vorarlberger Geschlechter“ wie Giacomuzzi oder Degasperi bestätigen können. Wir feiern Ramazan Özcan als Vorarlberger in der Deutschen Bundesliga. Jetzt sind wir gefordert, etwas weiter zu denken.

Es geht nicht um unmenschlichen Rund-um-die-Uhr- Einsatz. Es geht um ein kleines bisschen Nächstenliebe, oft um kleine Gesten, die an vielen Orten gemeinsam Großes bewirken können. Wir möchten zeigen, wieviel Herz in Vorarlberg steckt.

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