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Was Putin und Selenskyj 2024 für den Krieg in der Ukraine erwarten

Für Selenskyj und Putin scheint kein Ende des Krieges in Sicht zu sein.
Für Selenskyj und Putin scheint kein Ende des Krieges in Sicht zu sein. ©AP/Reuters
Die Präsidenten der Ukraine und Russlands haben beide zum Ende des Jahres Pressekonferenz abgehalten, in denen Sie neben einem Rückblick auch die militärischen Ziele für das kommende Jahr verkündet haben.

Was die Welt 2024 von dem zermürbenden Konflikt erwarten kann - in den Worten von Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin:

Dürftige Siege

Sowohl der ukrainische Präsident Selenskyj als auch Russlands Putin hatten nach dem Kriegsjahr 2023 wenig gute Nachrichten für eigenen Staatsbürger und ihre Verbündeten.

Selenskyj hob "einen großen Sieg" des ukrainischen Militärs im Schwarzen Meer hervor, wo Kiew erfolgreiche Angriffe auf russische Kriegsschiffe vermeldete und Seehandelsrouten sichern konnte. Der ukrainische Präsident hielt seine Pressekonferenz vor dem Hintergrund einer großen Flagge der Europäischen Union ab. Die EU-Staaten hatten sich zuvor darauf geeinigt, Beitrittsverhandlungen mit Kiew aufzunehmen.

Am 29. Dezember 2023 gab es erneut russische Angriffe auf Kiew.
©Reuters

Putin seinerseits überstand im vergangenen Jahr einen bewaffneten Aufstand der Söldnergruppe Wagner. Er lobte die russische Gesellschaft dafür, dass sie sich hinter die Kriegsanstrengungen Moskaus gestellt habe. Dazu gibt es allerdings auch wenig Alternativen: Der Kreml erließ eine Reihe von Gesetzen, die jegliche Kritik an der Offensive im Nachbarland verbieten.

Rauch der Luftangriffe über der Stadt Kiew.
Rauch der Luftangriffe über der Stadt Kiew. ©Reuters

Ändert sich der Frontverlauf?

Keine der Kriegsparteien hat im vergangenen Jahr erheblich Fortschritte auf dem Schlachtfeld gemacht. Analysten zufolge fehlen sowohl Russland als auch der Ukraine derzeit die Ressourcen, eine ernsthafte Offensive zu starten. Die Ukraine bemüht sich seit geraumer Zeit darum, sich ebenso effektiv wie die russischen Streitkräfte entlang der Front zu verschanzen und ist auf dem Ostufer des Flusses Dnipro in russisch kontrolliertes Gebiet vorgedrungen.

Feuerwehrleute versuchen nach der Attacke in Kiew am Freitag ein getroffenes Gebäude zu löschen.
Feuerwehrleute versuchen nach der Attacke in Kiew am Freitag ein getroffenes Gebäude zu löschen. ©Ukrainian Emergency Service via AP

Zermürbungskrieg

Die Ukraine hat inzwischen eingeräumt, dass eine im Sommer gestartete Gegenoffensive aufgrund von Munitionsmangel und fehlender Luftüberlegenheit gescheitert sei. "Wir brauchen Unterstützung, weil wir einfach keine Munition haben", stellte Selenskyj fest, weigerte sich aber, mehr über die Pläne seiner auf Defensive umgestellten Armee für 2024 zu sagen.

Russlands Präsident Putin lobte seinerseits die russischen Truppen dafür, ihre Position entlang einem Großteil der Front "verbessert" zu haben. Beobachter zufolge erzielten russische Soldaten Geländegewinne in Richtung des Industriezentrum Awdijiwka im Osten des Landes.

Eine Frau in der Ukraine betet während einer Weihnachtsfeier in einer Kirche.
Eine Frau in der Ukraine betet während einer Weihnachtsfeier in einer Kirche. ©AP

Kriegsmüdigkeit im Westen

Putin, dessen Wiederwahl im Frühjahr sicher scheint, setzt auf das Schwinden der westlichen Unterstützung für die Ukraine, die Gegenstand politischer Streitigkeiten in Europa und den USA ist. Seiner Ansicht nach "droht diese Unterstützung zu enden" und "es sieht so aus, als würde sie nach und nach enden".

Selenskyj zeigte sich indes überzeugt, dass die Hilfe anhalten werde und dass die USA sein Land "nicht verraten werden". Er räumte allerdings ein, dass die Präsidentschaftswahlen in den USA, dem wichtigsten Unterstützer der Ukraine, den Kriegsverlauf beeinflussen könnten.

Das war das Kriegsjahr 2023

Wiederaufbau der Armeen

Analysten zufolge arbeiten beide Seiten an der Neuaufstellung ihres Militärs. Selenskyj sagte, die Ukraine solle eine Million Drohnen bauen und die inländische Produktion von Waffen und Munition vorantreiben. Eine Forderung der Armee, bis zu 500.000 neue Kräfte für das Militär zu mobilisieren, wies der ukrainische Präsident vorerst zurück.

Putin hat kurz vor der Wahl eine erneute Mobilisierung für das kommende Jahr ausgeschlossen. Ihm zufolge hat Moskau 486.000 Freiwillige im zurückliegenden Jahr rekrutiert. Er versprach zudem, Russlands Verteidigungsfähigkeiten zu stärken.

Nach einem Angriff auf die Stadt Cherson in der Ukraine blieb ein großes Loch im Boden zurück.
Nach einem Angriff auf die Stadt Cherson am 27. Dezember in der Ukraine blieb ein großes Loch im Boden zurück. ©Reuters

Keine Verhandlungen

Selenskyj hat Gespräche mit Russland ausgeschlossen, solange Putin an der Macht ist. Zudem wiederholte er sein Ziel, die Kontrolle über alle von Russland besetzten Gebiete, einschließlich der 2014 annektierten Krim, wiederzuerlangen. Aus Moskau habe es ohnehin keine Anfrage zu Gesprächen gegeben. "Ich erkenne in ihrer Rhetorik nur Arroganz und Mord", sagte Selenskyj.

Putin behauptet zwar immer wieder, Moskau sei offen für Verhandlungen. Doch während seiner im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz sagte er, Frieden könne nur erreicht werden, wenn die Ukraine "entmilitarisiert" und "entnazifiziert" sei.

Aufräumarbeiten nach einem Angriff auf die Stadt Cherson.
Aufräumarbeiten nach einem Angriff auf die Stadt Cherson. ©Reuters

Wie geht es aus?

Beinahe zwei Jahre nach der russischen Invasion und wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl in Russland versprach Putin erneut, der "Sieg wird unser sein". Friede werde es geben, "wenn wir unsere Ziele erreichen", fügte er hinzu, ohne einen Zeitrahmen zu nennen.

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte, "niemand" wisse, wann die Kämpfe enden würden. Er rief seine Landsleute auf, nicht ihre Widerstandsfähigkeit zu verlieren.

Politologen analysieren das Kriegsjahr 2023

--> Alle Infos zum Ukraine-Krieg

(APA/AFP)

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