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Was ist eigentlich ein Erweiterter Suizid?

Die Täter leiden meist an Psychischen Vorerkrankungen
Die Täter leiden meist an Psychischen Vorerkrankungen ©APA - Georg Hochmuth
Vereinfacht gesagt versteht man darunter einen Mord mit anschließendem Selbstmord. Ein Grundmotiv kann Rache sein. Die Opfer der "Selbstmord-Mörder" sind vor allem Familienangehörige oder nahe Angehörige. 
Neue Details zum Mord in Bregenz

Von: Daniel Hoffmann (VOL.AT)

In Bregenz ereignete sich am Dienstagmorgen ein tragischer „Erweiterter Suizid“. Darunter versteht man vereinfacht gesagt einen Mord mit anschließendem Selbstmord. Menschen, die sterben wollen, reißen vor ihrem eigenen Tod noch andere Menschen mit in den Tod.

Die Germanwings-Tragödie

Einer der bekanntesten und gleichzeitig tragischsten „Erweiterten Suizide“ der letzten Jahre im deutschsprachigen Raum war jener des Andreas Lubitz. Der junge Co-Pilot der Lufthansa-Tochter Germanwings hatte im März 2015 absichtlich ein Flugzeug zum Absturz gebracht. 150 Personen waren an Bord der Maschine, als er den Airbus 320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit voller Absicht in den französischen Alpen in ein Bergmassiv steuerte. Alle 150 Personen – inklusive Andreas Lubitz selbst – kamen bei der Tragödie ums Leben.

 „murder-suicide”

Der anglo-amerikanische Raum hat für Todesfälle mit Mord und Selbstmord einen weiter gefassten Begriff gefunden, als er im Deutschen existiert. Im Englischen werden in diesem Zusammenhang die Begriffe “murder-suicide” oder “homicide-suicide” verwendet (homicide heißt übersetzt etwa: Mord oder Totschlag). “Wenn ein Mensch 149 andere mit in den Tod nimmt, dann ist das für mich ein anderes Wort als Selbstmord”, hatte auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr damals auf einer Pressekonferenz gemeint.

Was führt zu einem „Erweiterten Selbstmord?“

Was bringt einen Menschen dazu, zuerst Andere und danach sich selbst zu richten? Grundsätzlich liegen beim Täter in Normalfall schon des Längeren psychische Vorerkrankungen vor. Andreas Lubitz beispielsweise war vor seiner Tat in ärztlicher Behandlung und hatte sich vor den Tagen des Absturzes im Internet nach Möglichkeiten für einen Suizid erkundigt.

Die deutsche Staatsanwaltschaft ging nach zahlreichen angestellten Ermittlungen davon aus, dass der Co-Pilot schon lange an einer Angststörung litt. Ursprünglich hatten die Ermittler angenommen, dass der 27-Jährige unter Depressionen litt. Aus psychologischen und psychiatrischen Gründen hätte Lubitz kein Flugzeug fliegen sollen. In der Öffentlichkeit wurde er als depressiver Massenmörder dargestellt.

Nicht selten altruistische Täter-Motive

Bizarr anmutet, dass einem Erweiterten Suizid nicht selten altruistische Motive anhaften. Der Täter glaubt, mit seiner Entscheidung im Sinne Anderer zu handeln. Zum Beispiel, wenn eine Mutter hoffnungslos verschuldet ist und daher nicht nur sich tötet, sondern auch ihre Kinder, damit diese nicht ein ständiges Leben in bitterer Armut führen müssen.

Abgrenzen muss man den Erweiterten Suizid von einem Amoklauf. Beim Amoklauf will der Täter andere verletzen oder töten. Bei einem Erweiterten Suizid steht die Selbsttötung im Vordergrund. Manche der Amok-Läufer legen es allerdings bewusst darauf an, bei ihrem Amoklauf durch Einsatzkräfte getötet zu werden.

Geplant, nicht spontan

“Die Risikofaktoren für den sogenannten Mord-Selbstmord wurden bislang kaum erforscht”, wird Radoslaw Panczak vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern in einem „Spiegel Online“-Artikel zitiert. Was man weiß: Erweiterte Suizide sind nur selten spontan und impulsiv. Zumeist werden sie geplant.

Sind keine paranoiden oder psychotischen Züge beim Täter zu erkennen, ist dessen Grundmotiv oft Rache. Meist handelt es sich bei den Selbstmord-Mördern um Männer. Männer, die sich in ihrem Selbstwert-Gefühl angegriffen bzw. gedemütigt fühlen. Jedoch ohne dass sie – im Gegensatz zu vielen anderen Killern – im Vorfeld auffallen. Weder durch Gewalttaten noch durch Exzesse.

Primär sind Familienmitglieder und Angehörige gefährdet

Erweiterte Suizide sind Gott sei Dank sehr selten. Nur 4 Prozent aller Suizide fallen in diese Kategorie. Die Opfer eines Erweiterten Suizids sind in der Regel Familienmitglieder oder nahe Angehörige. Wie beim aktuellen Fall in Bregenz jetzt.

(Red.)

 

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