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Was ihr wollt

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©.

Bitte ein Taxi zum Bahnhof. „Mir siond glei dött!“ Nach 10 Minuten rufe ich erneut an. Nach weiteren 5 Minuten erscheint ein gelber Mercedes. In 5 Minuten fährt der Zug nach Wien. Der junge Fahrer fährt wie der Teufel. Eine dreifärbige Katze bleibt dennoch am Strassenrand hocken, unbewegt in sich gekehrt wie ein Buddha. Glück? Zug fährt ein. 10 Euro. Raus. Renne. Bahnsteig zwei. Treppe ab, Treppe auf, er steht noch. Drücke den grünen Knopf. Zu spät. Bedauernde Blicke der Umstehenden. Kein Glück. Werde mich bei der Dreifärbigen beschweren. Ich fahr zurück mit dem Bus, hock im Danner auf die Terrasse. Leberkäs mit Spiegelei, Semmel, Eistee. Im Ohr donnert der Verkehrslärm der Dornbirner Stadtverplaner. Lasterdorf Hatlerdorf. Später nehme ich den Bus zum Bahnhof. Es klappt. Feldkirch umsteigen, dann ÖBB-Zugrestaurant. Zuerst schreckt mich ein bestrumpfter Damenfuß. Der unästhetische Anblick gehört einer modischen Spätvierzigerin, die sich halbliegend breit gemacht hat. Ich setz mich an den Vierer gegenüber. Alles gut. Aber. Ab St. Anton beginnt die Modische zu telefonieren. „Ja – hallo – ich bins – bist du noch fertig geworden – hm – hahaha – nein – ich glaubs ja nicht – und die Kleine – ah gut – so – nein – ich bin im Zug – jaja – lass dich nicht stressen – übrigens – hab Rom gebucht – ja – hm – nein – voll gut – doch – hab ich – und – hä – du? – Wirklich? – Nein! – Ja – morgen Abend – … Die Damische telefoniert eine volle Stunde Müll total. Die Gäste des ÖBB-Speisewaggons sind bemüht, sich nichts anmerken zu lassen, alle sind verdammt, die unsäglichen Telefonkotzbröckle der Zehenbestrumpften anzuhören. Eine Frechheit, die Kuh. Ich suche nach dem Schildchen „Telefonieren verboten“. Nicht mehr da. Der Schaffner? Hilflos. OwehBB! Jetzt nehmen neben mir eine junge Frau und ein Herr Platz. Ich lese tapfer weiter. Schüttelspeer: Was ihr wolllt. 3. Akt: Viola und der Narr mit einer Trommel. Die Trutschn drüben quakt noch immer: „Worte sind rechte Hundsfötter! Narrheit geht rund um die Welt, sie scheint allenthalben“ sagt der Narr. Ich bestelle Topfenmohnnudeln mit Apfelmus. Da geschiehts. Die Nette neben mir entpuppt sich plötzlich auch als Quatsche, klappt ihr Handy aus. Ich schlucke, zur Höflichkeit verdammt, die Wut hinunter. Statt Ruhe mit Apfelmus stereo quakende Vorhölle. Facetime. Auch das noch. Jetzt muss ich ihren Quatsch-Haberer auch noch auf ihrem Screen sehen. Ich zieh mein zweites Reclam heraus: Sebastian Brants „Narrenschiff“. Hilft nicht. „Hallo Bärli“ pfludert sie ins Mobile. Bärli erscheint als Rundschädel mit Rollkragen, eine Art grauer Yogi und schwatzt offenbar Zuckerwörter in den Kopfhörer, der in ihrem goldverklipsten Öhrchen steckt. Sie gurrt, aber hält wenigsten den Mund. Wollt ihr das?

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