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Warum Putin seine Truppen Hals über Kopf aus Syrien abzieht

Putin ordnet Abzug an.
Putin ordnet Abzug an. ©AFP
Die Meldung am Montagabend war ein klassischer Knalleffekt: Vollkommen unvermittelt zieht Wladimir Putin seine Truppen aus Syrien ab. Aus Geldnot? Oder sieht er die Feinde Assads tatsächlich bereits als besiegt an? Der wahre Grund dürfte ein völlig anderer sein.

“Mission accomplished” auf Russisch: Wladimir Putin zieht seine Truppen aus dem Syrien-Konflikt zurück. Unmittelbar nach der Verkündigung begann die “Ausreise” von militärischem Personal. Auch Fliegerstaffeln sollen sich bereits auf dem Heimflug befinden. Nach offizieller russischer Lesart war der Kampfeinsatz ein voller Erfolg, ein Weiterverbleib russischer Truppen und Fliegerstaffeln in bisherigem Ausmaß daher nicht notwendig. So einfach dürfte sich die Sachlage aber nicht darstellen. Ein Blick auf die militärische Landkarte beweist: Noch halten die “Rebellen”, unter ihnen auch die Al-Kaida nahestehende Al-Nusra-Front, weite Teile Nordsyriens. Und der IS wurde durch das fünfmonatige Engagement Russlands zwar geschwächt, besiegt ist er aber noch lange nicht. In Syrien bleiben zwar Fliegerstaffeln, vor allem auf dem Hmeimim-Luftwaffenstützpunkt. Auch die gefürchteten S-400-Systeme bleiben vor Ort. Dennoch, ein Eingreifen im Ausmaß der vergangenen Monate wird es vorerst nicht mehr geben. Über die Gründe wird nun gerätselt. Wurde der Einsatz schlicht zu teuer? Unwahrscheinlich. Wie Beobachter schon in den vergangenen Monaten schrieben, ist der Einsatz für Russland relativ “günstig” – das auch in politischer Hinsicht. Schließlich wurden die Bodenoperationen weiterhin von der Syrisch-Arabischen Armee getragen, Verluste waren kaum in der Heimat zu “rechtfertigen”. Innenpolitischer Druck dürfte Putin auch nicht zum Umdenken bewogen haben. Der Syrien-Krieg ist in Russland zwar nicht populär, Putin aber zu beliebt, als dass die Wähler ihm diesen ernsthaft ankreiden würden.

Putin will Verhandlungslösung…

“Ich hoffe, dass die heutige Entscheidung ein gutes Signal für alle Konfliktparteien sein wird”, sagte Putin selbst. “Hoffentlich wird es das Vertrauensniveau bei allen Beteiligten des Friedensprozesses erheblich steigern.” Damit dürfte er wohl ein erhebliches Motiv vorweggenommen haben. Der russische Einsatz war insofern ein Erfolg, als dass wieder eine Patt-Situation zwischen den Rebellen und Assad hergestellt wurde. Exakt an dieser Stelle dürfte sich die Putin-Allianz um Iran, Syrien und Russland auch überworfen haben.

Wie “Debka” schon vor einigen Wochen berichtete, kam es vor allem zwischen dem Iran und Russland zu erheblichen Spannungen, wie der Krieg weiterzuführen sei. Russland auf der einen Seite, das demnach auch mit einem Abtreten Assads klarkäme, so lange die Interessen Moskaus auch von einer Übergangsregierung gewahrt blieben. Putin hätte den Berichten zufolge gut mit Neuwahlen leben können, befürwortete den Aussöhnungsprozess zwischen der Regierung und gemäßigten Rebellen-Fraktionen. Deshalb stellte Russland nach der unlängst beschlossenen Waffenruhe seine Luftangriffe weitgehend ein. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Bodenoperationen, denn das Vorrücken der “Assad-Allianz” war nur mit russischer Luftunterstützung möglich.

…Iran und Assad nicht

Iran – sowie Assad selbst – sollen mit der russischen Sichtweise absolut nicht einverstanden gewesen sein. Ginge es nach dem Iran, würden die Offensiven mit unverminderter Härte fortgesetzt, um eine schnellstmögliche militärische Lösung des Konflikts herbeizuführen. “All in” lautet Teherans Devise, und dass Assad seine Macht teilen – oder gar abgeben müsste, sei für die Iraner keine denkbare Alternative. In den inneren Machtzirkeln von Assads Baath-Partei würden die Dinge gleichgesehen. Es gelte, den militärischen Aufwind zu nützen und den Widerstand gänzlich zu brechen. Der Streit in der Allianz soll sich dermaßen hochgeschaukelt haben, dass sich Putin im Zorn dazu entschloss, seine Streitkräfte in Syrien abzuziehen. Die Botschaft: Wenn ihr kämpfen wollt, dann ohne mich. Gleichzeitig wurde auch ein Signal an die Weltgemeinschaft ausgesendet, dass Moskau für eine Verhandlungslösung, und auch die mögliche Bildung einer Übergangsregierung steht. Damit wurde auch Druck auf die Rebellen-Fraktionen ausgeübt, die nun ihrerseits ebenso unter Druck stehen, zu verhandeln. Viel liegt jetzt aber sicher an den “Falken” in Teheran und Damaskus.

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