Warnung vor "nächster Dürrekatastrophe"

Trockenheit führte im Jahr 2018 zu Ernteausfällen
Trockenheit führte im Jahr 2018 zu Ernteausfällen ©APA (dpa/Symbolbild)
Zu trocken ist es in der Landwirtschaft derzeit in Nord-, Nordost- und Ostösterreich sowie Teilen der Steiermark, Kärntens und Vorarlbergs.

Laut der Hagelversicherung hinterlässt die anhaltende Trockenheit bereits Spuren. Es gebe Anzeichen dafür, dass “die nächste Dürrekatastrophe” drohe. Besondere Nervosität herrscht unter Kartoffelbauern wegen erneut drohender Ernteausfälle.

230 Millionen Euro Schaden durch Dürre

Den Gesamtschaden durch Dürre in der Landwirtschaft im Jahr 2018 beziffert die Hagelversicherung mit mehr als 230 Millionen Euro – alleine auf die ausgefallenen Kartoffeln entfielen rund 40 Millionen Euro – durch den mangelnden Niederschlag und die Hitze noch in leidvoller Erinnerung.

Schon jetzt Niederschlagsdefizite im Norden und Osten

Bereits jetzt ist die Landwirtschaft mit dem Wintergetreide und den jungen, ausgebrachten Pflanzen im Norden und Osten Österreichs von massiven Niederschlagsdefiziten betroffen, so die Hagelversicherung. In Teilen Niederösterreichs und des Burgenlandes habe es in den vergangenen Wochen nur ein Viertel bis zur Hälfte des durchschnittlichen Regens im Vergleich zum zehnjährigen Durchschnitt gegeben. “Sollte die trockene Witterung in den kommenden Wochen anhalten, könnten sich die Dürreschäden des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden.”

Trockenheit in Österreich
Trockenheit in Österreich ©APA

Flächendeckende Entspannung nicht in Sicht

Die Witterung für einen längeren Zeitraum über Wochen ist freilich nicht vorhersagbar. Von einer Expertin der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hieß es im Gespräch mit der APA, dass eine flächendeckende Entspannung vorerst nicht in Sicht ist, obwohl für die kommenden Tage teilweise Regen vorhergesagt wird.

Kartoffelbauern schlagen Alarm

Die Kartoffelbauern schlugen am Donnerstag Alarm. Von der Vorjahresernte waren 130.000 Tonnen nicht mehr zum Verzehr geeignet und daher gibt es derzeit einen Versorgungsengpass mit heimischen Kartoffeln. Heuer drohen ähnliche Sorgen.

“Die Ernte vom Vorjahr fällt aus”, bedauerte Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), im Gespräch mit der APA. “Die Zeit bis Ende Mai/Anfang Juni bis es wieder heimische heurige Erdäpfel gibt muss mit ausländischer Ware überbrückt werden.”

Ohne Pflanzenschutz ist die Versorgung nicht sicherzustellen

Wanzenböck und Vertreter des Niederösterreichischen ÖVP-Bauernbunds hatten am Donnerstag zum Aktionstag für gesunde Lebensmittel gerufen und dort symbolisch die letzten einheimischen Kartoffeln am Heldenplatz in Wien an Passanten verteilt, die auch über die heimische Landwirtschaft informiert wurden. “Wir wollen sagen, dass wir ohne sinnvollen Pflanzenschutz die Versorgung nicht mehr sicherstellen können.”

Importierte Ware mit geringeren Produktionsstandards

Unfair finden die heimischen Bauern – nicht nur die Kartoffelbauern – dass sie selbst mit strengen Vorschriften arbeiten, dann aber ausländische Ware importiert wird, die unter keineswegs so hohen Standards produziert wird. Die meisten Austro-Kartoffeln kommen aus Niederösterreich. Die dortigen rund 4.000 Erdäpfelbauern bauen auf rund 20.000 Hektar gut 80 Prozent aller heimischen Kartoffel an.

Der Kartoffelbauer aus dem Raum Stockerau kritisierte, dass es eben an einem solchen “sinnvollem Pflanzenschutz” fehle. Das habe im Rahmen der Trockenheit für die Ausbreitung des Drahtwurms gesorgt.

Forderung: Wirkungsvolle zugelassene Mittel

Wanzenböck fordert “neue Mittel mit guten Wirkstoffen, die man in der Zulassung durchbringen kann”. Mittel, die zurzeit zur Verfügung stünden, “haben einen sehr schwachen Wirkungsgrad”. Was bedeutet das für die nächsten Kartoffelernten heuer?

“Dass das Risiko genauso hoch ist, wie voriges Jahr”, warnte Wanzenböck. Für die Kartoffeln ist die aktuelle Trockenheit aber immerhin vorerst noch nicht problematisch. Laut Wanzenböck brauchen die Grundbirnen erst ab der ersten Maiwoche mehr Wasser.

Explosionsartiger Vormarsch der Drahtwürmer

Die Trockenheit und die Klimaerwärmung wird von wärmeliebenden Drahtwurm-Arten so stark ausgenützt, dass sie sich quasi explosionsartig auf dem Vormarsch befinden, sagte der Leiter des Instituts für Bioforschung Austria, Bernhard Kromp, im “Mittagsjournal” des ORF-Radio Ö1. Besonders stark betroffen sind das Weinviertel, Marchfeld, Burgenland, Teile der Steiermark und Kärnten.

Mehr Chemie sei allerdings nicht die Lösung, so Kromp. Es gebe andere Möglichkeiten, die Ausbreitung des Drahtwurms zu verhindern, beispielsweise über die Fruchtfolge. Es gibt auch einen Bodenpilz, der den Drahtwurm infiziert und verdaut. Für diesen Pilz gebe es bereits ein für den biologischen Anbau zugelassenes Pilzbekämpfungsmittel.

Forderungen gehen in falsche Richtung

Mit der heutigen Aktion am Heldenplatz habe der Bauernbund ein Warnsignal gesetzt, dessen Forderungen “in eine völlig falsche Richtung” gehen würden hieß es vom Verband alternativer Bauern Via Campesina. Wetterextreme, Ertragsschwankungen und Ernteverluste würden in Zukunft zunehmen. Die Ursache dafür liege aber nicht im Verbot von Pflanzenschutzmitteln, sondern in der Klimakrise und in der Handelspolitik. “Es ist es hoch an der Zeit, die Ursachen anzugehen.”

(APA)

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