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War es die ETA oder El Kaida?

War es die ETA oder El Kaida? Einen Tag nach den verheerenden Bombenanschlägen stellten die Spanier sich vor allem eine Frage: Wer waren die Terroristen?

Die spanische Regierung war sich anfangs sicher, dass nur die baskische Untergrundorganisation ETA für den blutigsten Terroranschlag in der jüngsten Geschichte des Landes verantwortlich sein konnte. Aber dann kamen Ministerpräsident Jose Maria Aznar doch Zweifel. „Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen. Es wird keine Hypothese ausgeschlossen“, sagte der konservative Regierungschef am Freitag.

Steckte am Ende doch die Organisation von Osama bin Laden hinter den Anschlägen, die als „Spaniens 11. September“ in die Annalen eingehen dürften? Eigentlich ist es die Aufgabe der Ermittler, darauf eine Antwort zu finden. Aber die Frage der Täterschaft ist in diesem Fall auch eine hoch politische Frage. Sie könnte sogar den Ausgang der Parlamentswahl entscheidend beeinflussen, die in Spanien an diesem Sonntag ansteht.

„Wenn El Kaida die Bomben gelegt hat, bedeutete dies, dass das Terrornetzwerk den Irak-Krieg auf das spanische Staatsgebiet auszudehnen versucht“, meint die Zeitung „El Paós“. Dann wäre die Regierung in einer kniffligen Lage. Innenminister Angel Acebes, der die ETA rasch als Täter identifiziert hatte, müsste sich nachsagen lassen, den islamischen Terrorismus nicht auf der Rechnung gehabt zu haben.

In diesem Fall würden die Wähler daran erinnert, dass die Aznar- Regierung gegen den Willen der großen Mehrheit der Spanier die Amerikaner und Briten im Irak-Krieg unterstützt hatte. Politiker der Opposition hegen daher den Verdacht, dass die Regierung vor dem Hintergrund der Wahlen ein Interesse daran haben könnte, dass die ETA und nicht El Kaida die Bomben gelegt hat.

„Die Bürger haben ein Recht darauf, vor der Wahl zu wissen, wer die Hintermänner der Terroristen waren“, sagt der Sozialist José Blanco. Für eine mögliche Täterschaft von El Kaida gibt es mehrere Indizien. In Alcalà de Henares wurden in einem gestohlenen Auto Zünder neben Kassetten mit Koran-Versen entdeckt. In London tauchte ein – wenngleich zweifelhaftes – Bekennerschreiben auf.

Zudem ist Spanien seit Jahren ein beliebtes Rückzugsgebiet von El- Kaida-Terroristen. Die „Köpfe“ des 11. September hatten in Tarragona an der Costa Blanca auf einem „Terroristengipfel“ die Einzelheiten für die Anschläge in den USA abgesprochen.

„Die Anschläge in Madrid entsprechen nicht dem Modus, nach dem die ETA bisher vorgegangen war“, sagt der Direktor von Europol, Jürgen Storbeck, nach Angaben der Zeitung „El Mundo“. „Die Attentate der ETA richteten sich bisher gegen bestimmte Personen. Wenn eine Gefahr für andere Leute bestand, gab die ETA eine Warnung.“

Allerdings scheint eine mögliche Täterschaft der ETA auch keineswegs auszuschließen zu sein. Die spanische Regierung weist darauf hin, dass die Organisation zu Weihnachten bereits Anschläge auf Züge in Madrid geplant habe und damit gescheitert sei. „Wenn das Massaker wirklich ein Werk der ETA war, hätten wir es mit einer völlig neuen ETA zu tun“, sagt ein Ermittler.

Britische Experten brachten noch eine weitere Hypothese ins Spiel. Danach könnte die ETA sich mit islamischen Gruppen zusammengetan haben. Dies wird in Spanien jedoch für ausgeschlossen gehalten. „Es scheint uns nicht plausibel zu sein, dass eine marxistisch-leninistische Bande sich mit islamistischen Fanatikern verbündet“, meint „El Mundo“.

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