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Wandern durch die Weide

Bregenz- Durchschnittene Zäune am Pfänder erzürnen Bauern. "Täter" gesteht und sieht sich im Recht.

Josef Fessler ist ratlos. Er steht an der Grenze seines gepachteten landwirtschaftlichen Fünf-Hektar-Grundstücks Richtung Fluh und zeigt auf den Zaun. „Gestern“, sagt der junge Landwirt, „war er wieder zerschnitten. Einmal mehr musste ich ihn reparieren. Sonst hauen mir meine Rinder ab.“ Ein gutes Dutzend Mal schon stand Fessler allein heuer vor dem kaputten Zaun. Bis gestern wusste er nur: Da will jemand partout durch sein Grundstück Richtung Pfänder wandern, statt den vorgesehenen Wanderweg benützen. Bis Donnerstagabend hatte der 25-jährige Vollerwerbslandwirt keine Ahnung, wer der Zaunzerstörer ist.

Die Enthüllung

Des Rätsels Lösung gab es genau dann. Wenige Hundert Meter entfernt im Gasthaus bei der Pfänderbahn-Bergstation. Da brachte Wirt Ferdinand Kinz, dem die landwirtschaftlichen Flächen rund um den Pfänder gemeinsam mit zwei anderen Personen gehören, jenen Mann zu einem Geständnis, den er schon länger als Missetäter vermutete. „Ich habe dem Josef Vetter gesagt: Du bist es. Lass mich mal deinen Rucksack anschauen. Er gestattete dies. Und dann zog ich vom Rucksack eine große Zange ­heraus.“ Zur Überraschung der anwesenden Runde machte Vetter keinen Hehl aus seiner Täterschaft. Auch gegenüber den VN nicht. „Jawohl, ich hab diesen Zaun schon einige Male durchschnitten. Und ich habe das aus Überzeugung getan. Weil ich nämlich sicher bin, dass die Benützung dieser Route Richtung Pfänder ersessenes Recht ist. Ich bin da schon immer durchgegangen. Und werde das auch weiterhin tun.“

Klare Haltung

Er sei nun eigentlich erleichtert, dass die ganze Sache einmal auf dem Tisch liegt. „Man soll mich anzeigen, wie man will. Dann geht die Geschichte halt vor Gericht. Und dort wird sich zeigen, dass ich recht habe“, so Josef Vetter mit dem Brustton der Überzeugung. Er wisse mehrere Bregenzer Pfänder-Geher auf seiner Seite. Ferdinand Kinz gehört nicht dazu. „Ich habe ihm gesagt: Das kannst du doch nicht machen. Ich hatte ihn schon einige Zeit im Verdacht. Als am vergangenen Donnerstag die Zäune wieder durchgeschnitten und er kurz vorher dort gesehen wurde, war ich mir sicher“, so Kinz. Für Fessler ist die Umzäunung seiner Weide wichtig. „Der Verkehr zum Pfänder hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Es geht ja dabei nicht nur um Wanderer. Da sind Leute mit Hunden und Moutainbiker. Die Rinder werden verschreckt und laufen ohne Zaun fast bis nach Fluh hinunter, wenn sie durcheinander sind. Jetzt, wo ich weiß, wer den Stacheldraht und das Elektroband immer durchschneidet, werde ich Anzeige erstatten.“ Das hat Landwirtskollege Eugen Sieber, ein Schaf-Züchter, weiter unten Richtung Fluh schon getan. „Auch bei mir wurden immer wieder Zäune durchschnitten. Aber bis jetzt wusste ich nicht, wer dahintersteckt“, so Sieber zu den VN.

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