Wanderer aufgepasst: Richtiger Umgang mit Kühen kann Leben retten

Rinder können für Wanderer auch zur Gefahr werden.
Rinder können für Wanderer auch zur Gefahr werden. ©VOL.AT/Hartinger
Schwarzach -In den letzten zwei Tagen kam es in Österreich zu zwei tödlichen Unfällen mit Rinderherden. Die Naturfreunde geben deshalb Tipps für den richtigen Umgang mit den Huftieren.
Deutsche Wanderin von Kuhherde getötet
Fahrlässige Tötung bei Tiroler Kuh-Attacke
Steirer von Stier getötet

Auf einer Alm im Tiroler Stubaital wurde am Montagnachmittag eine 45-jährige Deutsche von 20 Kühen und Kälbern attackiert und tödlich verletzt. Die Frau war laut Polizei im eingezäunten Bereich mit ihrem Hund auf einem Wanderweg unterwegs, als die Tiere plötzlich von der Seite auf sie zuliefen. In der Steiermark wurde ein 43-jähriger landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter von einem Stier getötet, als er eine Kuhherde zusammentreiben wollte.

Von Natur aus friedfertig

“Rinder sind von Natur aus friedfertige Tiere, sie laufen normalerweise bei Bedrohung eher davon. Angreifen tun sie nur dann, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr haben oder jemanden verteidigen wollen”, erklärt die Leiterin der Umweltabteilung bei den Naturfreunden Österreichs, Regina Hrbek, das normale Verhalten der Huftiere.

Besondere Vorsicht ist daher geboten, wenn nicht nur Mutterkühe, sondern auch junge Kälber auf der Wiese sind. Der Mutterinstinkt der Kühe sei stark ausgeprägt und sie würden ihre Jungen sofort verteidigen.

Weiden mit Kälbern meiden

Sollten Jungtiere also neugierig sein und aktiv auf Wanderer zugehen, sollten diese einfach langsam weitergehen und die Mutterkühe im Auge behalten, meint Hrbek. Wenn ein Hund mit von der Partie ist, sollte man als Passant besonders vorsichtig agieren. “Egal ob groß oder klein, der Hund wird vom Rind als Feind angesehen. Aufpassen muss man auch besonders, wenn Stiere auf der Weide dabei sind, da diese ihre Herde schützen wollen und daher aggressiv reagieren können”, so die Naturfreundin.

Verhalten bei einem Rinderangriff

Sollte ein oder mehrere Rinder angreifen, ist es laut den Naturfreunden wichtig, dass Hektik vermieden wird. Wenn sich ein drohendes Rind mit gesenktem Kopf nähert, ist die langsame Flucht nach hinten der beste Weg. “Niemals aber ihm den Rücken zudrehen und weglaufen”, meint Hrbek. Hunde sollten dann jedenfalls von der Leine gelassen werden, Bäume und Sträucher können als Schutz genutzt werden. Gerade für Wanderer empfiehlt sich laut Naturfreunde die Mitnahme eines Stockes: “Wenn ein Tier angreift, hilft meistens lautes Zurufen und das Bewegen des Stockes.”

Allgemeine Tipps für Wanderer:

  • Großen Sicherheitsabstand zur Herde halten
  • Keinesfalls Kälber streicheln, füttern oder ihnen zu nahe kommen
  • Nicht mitten durch eine Herde laufen
  • Lärm und hektische Bewegungen vermeiden
  • Das Weidegatter immer geschlossen halten

Zusätzliche Tipps für Wanderer mit Hunden:

  • Routen planen: Eine Alternativroute zur Rinderweide suchen oder die Weiden mit anwesenden Kühen großräumig umgehen
  • Hunde auch hinter dem Weidezaun an der Leine führen
  • Nur ausgebildete Hunde mitnehmen, die Befehle auch befolgen
  • Keine ängstlichen Hunde mitnehmen, die sich bei Gefahr hinter dem Hundehalter verstecken und ihn somit in Gefahr bringen

Tirol: StA ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Nach der tödlichen Attacke von 20 Kühen und Kälbern auf eine 45-jährige Deutsche im Tiroler Stubaital am Montag hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck ein Verfahren gegen unbekannte Täter wegen des “Anfangsverdachts” der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Die Obduktion habe ergeben, dass die Frau zu Tode getrampelt wurde. Der Druck auf den Brustkorb der Wanderin sei letztlich zu groß gewesen, heiß es seitens der Anklagebehörde. Die Obduktion habe zwar ergeben, dass die Frau auch von Hörnern der Kühe getroffen wurde. Dies sei allerdings nicht todesursächlich gewesen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Sobald die Staatsanwaltschaft alle Vernehmungsprotokolle auf dem Tisch habe, werde die Behörde abschließend beurteilen, ob der Vorfall einer bestimmten Person zurechenbar ist oder nicht. Derzeit sei dies nicht der Fall, deshalb werde der betroffene Landwirt auch nicht als Beschuldigter geführt.

LK will Verhaltensregeln erarbeiten

Unterdessen ist in Tirol eine Debatte über mögliche Konsequenzen aus dem tragischen Vorfall ausgebrochen. Der Tiroler Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger lud am Mittwoch zu einem “Runden Tisch”, bei dem Regeln für Wanderer auf Almen festgelegt werden. Der Tierschutzverein “Vier Pfoten” riet unterdessen in einer Aussendung, Kuhherden generell zu meiden.

Medienecho in Deutschland

Die Attacke der Kuhherde im Stubaital löste indes auch in Deutschland ein großes Medienecho aus. Die “Bild Zeitung” brachte den tödlichen Vorfall auf ihrer Titelseite und schieb unter anderem von den “Killer-Kühen vom Stubaital”. “Focus Online” fragte: “Was ist los mit den Kühen in Österreich?” und nahm dabei nicht nur Bezug auf den Tod der 45-jährigen Deutschen in Tirol, sondern auch auf den Vorfall in der Steiermark am Dienstag, bei dem ein 43-jähriger landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter auf einer Weide von einem Stier getötet worden war.

(Red., APA)

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