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Waffen sind nun im Cockpit erlaubt

In den USA sind Waffen im Cockpit von Passagiermaschinen erlaubt. Die Piloten werden nach Kursen mit Pistolen ausgestattet und wenden diese im Krisenfall an.

Der Entführer hatte keine Chance: Kaum war er in das Cockpit eingedrungen, wurde er von dem Piloten angeschossen und überwältigt. Noch war es nur ein Training, doch die Vertreter der US-Transportsicherheitsbehörde zeigten sich angetan. Seit Beginn dieser Woche fliegen im Cockpit der amerikanischen Passagiermaschinen die ersten bewaffneten Piloten.

Nach Abschluss des ersten Kurses, zu dem auch ein Vortrag zum Thema „Die Psychologie des Überlebens“ gehörte, erhielten die Piloten eine Pistole überreicht. In einer speziellen abschließbaren Metallbox dürfen sie die Waffe mit an Bord nehmen. Erst im Cockpit darf der Pilot die Box öffnen und die Pistole herausnehmen.

Selbst US-Präsident George W. Bush, der als einer der waffenfreundlichsten Präsidenten seit Jahren gilt, hatte ursprünglich Bedenken gegen die Bewaffnung im Cockpit. Ebenso wie andere Skeptiker hatte er befürchtet, dass bewaffnete Piloten mehr Schaden anrichten als verhindern könnten.

So verwiesen Kritiker darauf, dass Terroristen unbewaffnet in eine Maschine eindringen und sich dann der Pistole des Piloten bemächtigen könnten. Zudem bestehe die Gefahr, dass Querschläger Passagiere treffen oder die Kugeln die Flugzeughülle durchlöchern könnten. Mehr Sicherheit werde schon durch verstärkte Cockpit-Türen und den Einsatz der so genannten Sky-Marshalls erreicht, die in den USA an Bord der Passagiermaschinen mitfliegen. Derartige Sicherheitskräfte – speziell ausgebildete GEK-Angehörige – gibt es auch an Bord österreichischer Maschinen. Sie begleiten bereits seit rund 20 Jahren Flüge nach sensiblen Destinationen.

US-Piloten, die schon lange eine Bewaffnung gefordert hatten, setzten ihren Willen im Kongress durch. Der Pilot Mark Flagg, dessen Eltern in der Maschine saßen, die am 11. September 2001 im Pentagon explodierte, erklärte damals im Kongress: „Meine Eltern könnten heute noch leben, wenn es der Crew erlaubt gewesen wäre, Waffen zu tragen.“

Inzwischen gibt es weniger Widerstand gegen die Bewaffnung der Piloten, und die Absolventen des ersten Trainingskurses zeigten sich überzeugt, dass eine Pistole im Cockpit für die Passagieren mehr Sicherheit bedeuten werde. „Es ist heute einfach eine andere Welt und deshalb brauche ich die Pistole, um meine Passagiere und mein Cockpit zu verteidigen“, sagte eine Pilotin nach dem Kurs.

Und die Airlines, von denen einige zunächst Bedenken hatten, sind jetzt auch überzeugt, zumal ihnen der Kongress die Zustimmung erleichterte. So müssen sie nicht für das Programm zahlen, und vor allem wurden sie von der Versicherungspflicht entbunden für den Fall, dass ein Pilot versehentlich einen Passagier erschießt.

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