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Wärmepumpen belasten Stromnetze immer mehr - Öko-Vorteile zweifelhaft

Jährlich kommen 14.000 hinzu - auch mit PV-Anlagen für Gesamt-Bilanz kein Gewinn.
Jährlich kommen 14.000 hinzu - auch mit PV-Anlagen für Gesamt-Bilanz kein Gewinn. ©Bilderbox/Symbolbild
Der anhaltende Vormarsch der Wärmepumpen belastet die Stromnetze immer stärker und erfordert auch immer mehr Reserve-Kraftwerksleistung. Ökologisch stehen die üblichen Luftwärmepumpen für Heizzwecke gar nicht besser da als Gaskessel. Stromversorger könnten den Einbau von Pumpen im Haushaltsbereich dennoch subventionieren, um nicht Energieeffizienz-Strafabgaben zahlen zu müssen.

An Stromverbrauchs-Spitzentagen haben allein die Wärmepumpen die Netze mit bis zu 2,0 Prozent – im Jahr 2013 – zusätzlich belastet, im wärmeren Jahr 2014 an einem Tag um 1,8 Prozent, ergab eine Detailauswertung durch den Consulter e7 Energy Markt Analyse. Bei einem Extremszenario, wonach 25 Prozent des heimischen Wärmemarktes durch elektrisch betriebene Luftwärmepumpen abgedeckt werden – wie einmal eine EU-Empfehlung lautete -, würde dies eine Strom-Anschlussleistung von rund 5,4 Gigawatt erfordern. Heute beträgt die anteilige Heizleistung an die 1,7 Prozent.

“Die Frage ist: Wer zahlt das?”

Das Extrem-Szenario von 25 Prozent würde mindestens 3 GW Zusatzbelastung zu Spitzenlastzeiten bedeuten – mehr als alle Donaukraftwerke zusammen im Regelbetrieb leisten -, womit sich die Spitzenleistung in Österreich um fast ein Drittel von 10 auf 13 GW erhöhen müsste, sagte Studienautor Georg Benke am Freitag im APA-Gespräch: “Die Frage ist: Wer zahlt das?”

In den letzten Jahren wurden immer mehr Wärmepumpen neu installiert, “jährlich sind da 100 MW Heizleistung dazu gekommen”. Allein im Raumheizungsbereich dürfte von 2014 auf 2015 die Heizleistung der Pumpen von über 800 MW auf 950 MW steigen. Jedes Jahr kamen zuletzt 14.000 Wärmepumpen hinzu, wobei der Anteil der Luftwasserpumpen binnen einem Jahrzehnt von unter 20 Prozent laut jüngstem Branchenradar von Kreutzer Fischer & Partner zuletzt auf 67 Prozent wuchs.

Maximale Nachfrage im Winter zwischen 17 und 19 Uhr

Für die Gesamt-Strombilanz Österreichs sind Wärmepumpen auch – wie oft propagiert – in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen kein Gewinn. Zwar können die PV-Wärmepumpen-Anlagen auch Strom ins Netz liefern, aber zum “falschen” Zeitpunkt, nämlich im Sommer, wenn es ohnedies eher Stromüberschüsse gibt, und nicht im Winter. “Die maximale Nachfrage im Netz gibt es im Winter zwischen 17 und 19 Uhr, da helfen solche Anlagen gar nichts, weil geheizt werden muss”, so Benke: Um ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe wirklich autark übers ganze Jahr zu bringen, “bräuchte ich für 150 m2 Wohnfläche 350 m2 PV-Fläche und eine Batterie”.

Speichern ist überhaupt das große Stichwort bei Wärmepumpen – dadurch verschlechtert sich aber auch die Gesamteffizienz. Gängig sind ein bis zwei Kubikmeter große Pufferspeicher. Mit einem mit 1.000 Litern Wasser gefüllten Raumwärmespeicher kommt man – ohne Warmwassernutzung – schon eineinhalb bis zwei Tage aus. Solche Speicher kosten etwa 1.200 bis 1.300 Euro, so Benke. Möglich ist der Einbau in Betonkernelementen in Decken, Stiegen oder Kellern, aber nur in Neubauten, ergänzte Gernot Brandweiner vom Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke, der die Studie mitunterstützt hat. Auftraggeber waren der Verein “Freie Wärme Österreich”, proPellets Austria und die Schiedel GmbH, Projektpartner die Prognos AG, Berlin.

CO2: Gleichwertig im Vergleich mit Gaskesseln

Bezüglich der CO2-Emissionen stehen Wärmepumpen natürlich besser da als mit Öl betriebene Kessel – im Vergleich mit Gaskesseln ist in der Regel aber schon Gleichwertigkeit gegeben. Nur bei hocheffizienten Pumpenanlagen, etwa kombiniert mit Erdwärme, weisen sie weniger Emissionen auf als Gaskessel. Das betreffe etwa Luftwärmepumpen mit einer Jahresarbeitszahl von an die 4, wo also aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme gemacht werden – meist seien es aber nur 2,8 bis 3, auch wenn in der Werbung mehr behauptet werde, so Benke, der an e7 mitbeteiligt ist. Die CO2-Bilanz der Luftwärmepumpen sei deshalb so schlecht, weil für ihren Betrieb extra kalorische Kraftwerke fahren müssen: “Nimmt man diese Pumpen heraus, würden nur die Gas- und Steinkohlekraftwerke ihre Produktion zurückfahren” – nicht aber etwa die Wasserkraft – oder Windkraftanlagen, die ohnedies Vorrang hätten.

Dennoch könnten die Wärmepumpen gestützt durch Energieversorger einen zusätzlichen Schub erhaltet, vermutet der Experte, der bis vor rund einem Jahrzehnt bei der Energieverwertungsagentur (E.V.A.) tätig war. Wenn nämlich den EVU durch solche Anlagen in sanierten, nicht geförderten Althäusern 25.000 kW laut heimischen Energieeffizienz-Erfordernissen gutgeschrieben würden, liege es nahe, dass sie Luftwärmepumpen mit Förderbeiträgen von rund 2.500 Euro subventionieren könnten, um sich drohende Ausgleichszahlungen von 20 Cent pro kWh zu ersparen. Eine solche mögliche Stützung errechne sich, vergleiche man die Strafzahlung mit dem Marktpreis von 7 bis 10 ct/kWh, so Benke. Gerade im Haushaltssektor gebe es ohnedies hohen Handlungsbedarf, da dort die Lieferanten 40 Prozent der Effizienzmaßnahmen setzen müssten, erinnerte Co-Autor Christof Amann; zudem könne es sei, dass die E-Control einmal die Ausgleichszahlung von 20 auf 25 ct/kWh erhöht. Im Neubau sind für Wärmepumpen bis zu 900 Euro Zuschuss möglich, allerdings nur wenn keine Wohnbauförderung verwendet wurde.

(APA)

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