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ÖVP-dominierter Bregenzerwald soll bunter werden

Alberschwende - Der Bregenzerwald ist traditionell fest in schwarzer Hand, Ergebnisse für die Volkspartei von weit über 70 Prozent sind keine Seltenheit.

Auch bei der Landtagswahl 2004 stimmte in der beliebten Tourismusregion mit rund 32.000 Einwohnern der Großteil der Wähler für die Volkspartei. Für die übrigen Wahlwerber war in den 22 Gemeinden bisher kaum etwas zu holen. Das soll sich nach dem Willen von FPÖ, SPÖ und Grünen aber nun ändern.

Die FPÖ hat im November 2008 in Alberschwende eine eigene Ortsgruppe gegründet, die erste im Bregenzerwald. Ihr steht der 27-jährige Elektrotechniker Jürgen Bereuter vor, der irgendwann der erste freiheitliche Bürgermeister im Bregenzerwald werden will. Aus Unzufriedenheit mit der politischen Lage habe er sich an FPÖ-Obmann Dieter Egger gewandt. Wenig später stand die Ortsgruppe mit zunächst 50 Mitgliedern. Inzwischen habe die FPÖ im Bregenzerwald rund 200 deklarierte Anhänger, so der Politik-Neuling stolz. Er kandidiert bei der Landtagswahl auf der Bezirksliste Bregenz auf Platz acht sowie auf Platz 22 der Landesliste.

Einziges FPÖ-Thema in der Region ist die Raumplanung, die es jungen Leuten teilweise unmöglich mache, im Bregenzerwald ein Haus zu bauen. Diese seien daher zur Abwanderung gezwungen, so Bereuter, der vor allem auf junge Protestwähler abzielt und diese im persönlichen Gespräch erreichen will. Die Reaktionen auf die “Wälder-FPÖ” seien durchwegs positiv. Hätten in früheren Generationen die Jungen noch gewählt, was der Vater am Frühstückstisch für richtig erklärt habe, sei man im Bregenzerwald inzwischen weit offener geworden, so Bereuter.

Zwar stammt die Galionsfigur der Vorarlberger Grün-Bewegung, Kaspanaze Simma, aus dem Bregenzerwald, dennoch gewinnt sie in der bäuerlich geprägten Region nur langsam an Bedeutung. Man setze beim Aufbau auf ein “nachhaltiges und gesundes Wachstum”, betonte der Bregenzerwälder Grünen-Sprecher Dominik Bartenstein, der auf Platz sechs der Landesliste kandidiert. Die “Grünen Bregenzerwald”, gegründet im Juli 2006, konzentrieren sich vor allem auf die Themen biologische Landwirtschaft, Klimawandel und Energieeffizienz, “alles Themen, für die sich der Bregenzerwälder begeistern kann”. Er sehe in seiner Region “großes Potenzial”. Zwar werde man “nie 40 Prozent machen”, aber man habe ein klares Programm als Alternative zur ÖVP.

Die SPÖ baut seit Februar 2008 eine Bregenzerwälder Parteiorganisation auf. Als Ansprechpartner bieten die Sozialdemokraten den 34-jährigen Bezauer Berufsmusiker Martin Meusburger auf. “Ein Wälder wählt einen Wälder”, so SPÖ-Landeschef Michael Ritsch über den dort ganz auf Meusburger zugeschnittenen Wahlkampf. In neuen Parteimitgliedschaften schlage sich die SPÖ-Präsenz in der Region noch nicht nieder. Wenn aber Meusburger, der auf Platz vier im Bezirk und Platz neun der Landesliste antritt, den Sprung in den Landtag schaffte, hätte das auch positive Auswirkungen für die Gemeindewahlen 2010, ist Ritsch überzeugt.

Noch sei aber die Angst häufig zu groß, als SPÖ-Mitglied abgelehnt zu werden. “Martin Meusburgers Oma hat deswegen ein Jahr lang nicht mehr mit ihm geredet”, erklärte der SPÖ-Chef. Im Bregenzerwald habe man vor fünf Jahren rund 800 Stimmen erreicht, über jede mehr freue man sich bei der SPÖ. Zuletzt war in den 22 Gemeinden des Bregenzerwalds 1985 eine SPÖ-Liste bei einer Regionalwahl angetreten.

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