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Vorarlberger neuer Dirigent bei Berliner Philharmoniker

Petrenko ist neuer Dirigent bei den Berliner Philharmonikern.
Petrenko ist neuer Dirigent bei den Berliner Philharmonikern. ©Steurer
Kirill Petrenko tritt sein Amt als neuer Chefdirigent bei den Berliner Philharmoniker an. Das Auftakt-Konzert ist am Freitag mit Ludwig van Beethovens Neunter Symphonie.

Die jüdisch stämmige Familie Petrenko, Vater Violinist, Mutter Musikwissenschafterin und Dramaturgin, stammt aus dem sibirischen Omsk und übersiedelte 1990 nach Österreich, wo der Vater beim dortigen Symphonieorchester eine Stelle antrat. Damals wirbelte Gorbatschows Perestroika die Sowjetunion durcheinander, Angriffe gegen Juden nahmen zu, zugleich wurden die Ausreisebestimmungen gelockert. Das nutzten viele Juden zur Ausreise, auch die Petrenkos.

Klavierstudium

Drei Jahre lebte der junge Kirill in Vorarlberg, wo er am Landeskonservatorium ein Klavierstudium mit Bravour abschloss. Ohne Deutschkenntnisse kam der junge Mann aus dem fernen Sibirien an den Bodensee. Sein Lebensziel schon damals: Dirigent. "Er war ein Überflieger", erinnert sich Heiko Kleber, Paukist im Symphonieorchester Vorarlberg . "Da sind sogar die Professoren manchmal nicht mehr mitgekommen."

In einem Interview spricht Petrenko selbst von einer "irrsinnig nützlichen Zeit" in Feldkirch. Er habe viel Musik kennengelernt, die er in Russland nicht gekannt habe: alte Musik, Barockmusik, Mahler und Bruckner. Er sang in Chören mit, assistierte bei Opern im Landestheater Bregenz, korrepetierte mit Mitstudenten. "Das war seins, das war immer zu spüren", sagt Kleber.

Schlag auf Schlag

Mit dem Klavierdiplom in der Tasche ging Petrenko nach Wien, um dort das Dirigierhandwerk zu lernen. Dann ging es Schlag auf Schlag: Kapellmeister an der Volksoper Wien, Generalmusikdirektor (GMD) der Meininger Hofkapelle, wo er mit Richard Wagners "Ring des Nibelungen" international auf sich aufmerksam machte, GMD an der Komischen Oper Berlin, Debüts bei den Wiener und Berliner Philharmoniker, GMD in München, Bayreuther und Salzburger Festspiele. Ab September ist er Chef der Berliner Philharmoniker und Nachfolger von Pultlegenden wie Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Claudio Abbado und Sir Simon Rattle.

Der immer etwas schüchtern wirkende Petrenko scheint seine Wurzeln nicht zu vergessen. 2008 begann er mit dem Symphonieorchester Vorarlberg einen Zyklus "Mahler 9 x 9" mit allen Symphonien des Meisters. "Den zieht er mit uns durch, obwohl er ja sagen könnte, das er jetzt so viele Angebote hat, dass er sich diese Ausflüge nicht mehr leisten könne", sagt Kleber. Neben seiner Heimatverbundenheit kommt Petrenko auch die in Bregenz mögliche, intensive Probenarbeit zugute. "Bei uns bekommt er sieben bis acht Termine, anderswo nur zwei bis drei, und kann jeder Symphonie seinen Stempel aufdrücken."

Weltbürger und Vorarlberger

Der Weltbürger Petrenko ist eben auch ein Vorarlberger, hier begann alles, hier lebte bis heute seine Mutter, der Vater ist vor ein paar Jahren gestorben. Vor zwei Jahren sagte Petrenko in einer Probe mit dem Symphonieorchester Vorarlberg, es sei schade, dass der Bregenzer Mahler-Zyklus bald zu Ende sei. Aber man könne ja einen Zyklus aller Haydn-Symphonien angehen. Joseph Haydn war fleißiger als Mahler: Er komponierte nicht neun, sondern mehr als hundert Symphonien.

(APA)

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