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Vorarlberger Kinderdorf zieht Jahresbilanz

Kinder brauchen Schutz
Kinder brauchen Schutz ©iStock.com/mediaphotos
Belastungen für erschöpfte Familien mit existenziellen Sorgen rauben Kindern Entwicklungs- und Entfaltungschancen.

Im Vorjahr wurden 3200 Kinder und deren Familien mit präventiven, ambulanten und stationären Angeboten in sieben Fachbereichen gestärkt. Der Einsatz der Kinderschutzeinrichtung gilt dabei vor allem jenen Kindern, deren Familien von Armut und Krankheit betroffen sind, die aufgrund existenzieller Sorgen erschöpft sind und denen laut Geschäftsführer Christoph Hackspiel zunehmend gesellschaftliche Solidarität entzogen wird. Als Beispiele nennt der Psychologe und Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit unter anderem Kürzungen der Sozialhilfe, die Abschaffung des Bundesgesetzes zum Schutz von Kindern und viel zu wenig Mittel für Prävention.

Staatliches Handeln zeige sich verstärkt „durch Ausgrenzung, anstatt unabhängig von Status und Herkunft auf das Wohl aller Kinder zu achten und in ihre Talente und Fähigkeiten zu investieren“. In Vorarlberg sei es in enger Kooperation mit dem Land und den Gemeinden, aber auch durch breite Unterstützung der Bevölkerung möglich, dringend notwendige Beziehungsnetzwerke aufzubauen und möglichst frühe Hilfestellungen umzusetzen. „Der Schutz von Kindern kann nur gelingen, wenn wir uns alle verantwortlich fühlen“, sagt Christoph Hackspiel.

Kampagne zur Pflegeeltern-Suche

Eine enorme Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, zeigte unter anderem eine Kampagne des Vorarlberger Kinderdorfs zur Pflegeelternsuche. Für 24 Kinder und Babys konnten im vergangenen Jahr neue Pflegeeltern gefunden werden. Groß war auch die Entlastung, die 287 Freiwillige durch ein Ehrenamt mit Kindern in Familien bewirken konnten. Darüber hinaus nahm der Einsatz für mehr Chancengerechtigkeit für Care Leaver – junge Erwachsene, die eine betreute Einrichtung verlassen – einen zentralen Stellenwert ein. 65 jungen Erwachsenen stand die Ehemaligenbetreuung des Vorarlberger Kinderdorfs auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit mit Rat und Tat zur Seite.

Steigender Druck für Familien am Limit

Im vergangenen Jahr spürbar gewachsen sei der Druck auf Familien, die sozial isoliert und psychisch erschöpft sind. Besonders betroffen seien vor allem Alleinerziehende. „Auch der Ruf nach mehr eigener Anstrengung verschärft die Belastungssituation der Eltern und den Stress für die Kinder“, warnt Alice Hagen-Canaval. Dadurch würden Kindern Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten entzogen, heißt es seitens des Vorarlberger Kinderdorfs. Mit fünf Regionalteams unterstützte der Ambulante Familiendienst im Vorjahr 527 Kinder und deren Familien.

Schon Babys betroffen

„Für Kinder haben existenzbedrohende Belastungen und Zukunftsängste der Eltern lebensentscheidende Folgen“, betont auch „Netzwerk Familie“-Leiterin Christine Rinner. „Aufwachsen in Armut bedeutet eine Gefahr für die altersentsprechende Entwicklung eines Kindes.“ Die Folge sind schlechtere Bildungschancen, gesundheitliche Belastungen, Scham und sozialer Ausschluss.

Gravierend seien die Auswirkungen schon für die Kleinsten: „Häufig kommen die Babys mit einem geringeren Geburtsgewicht auf die Welt und weisen Entwicklungsverzögerungen auf.“ 511 junge Familien mit 1009 Kindern wurden durch Netzwerk Familie um den Zeitpunkt der Geburt eines Kindes unterstützt. Mit dieser frühzeitigen Hilfe wird der Bedeutung der ersten Lebensmonate und -jahre für das ganze spätere Leben Rechnung getragen. „Gerade in dieser Zeit brauchen Eltern möglichst viel Unterstützung.”

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