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Vorarlberger Industrie sieht sich trotz Fachkräftemangel auf Erfolgskurs

Der "Geschäftsklima-Index" der Vorarlberger Industrie – das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2017 leicht verbessert. .
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An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) und der Industriellenvereinigung (IV) haben sich 43 Unternehmen mit insgesamt knapp 24.000 Beschäftigten beteiligt.

Drittbestes Ergebnis seit fünf Jahren

Der „Geschäftsklima-Index“ der Vorarlberger Industrie – das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten – hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2017 leicht verbessert. Er stieg von +36,30 auf +39,70 Prozentpunkte. Das bedeutet den drittbesten Wert in den letzten fünf Jahren.

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75 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, sechs Prozent sprechen von einer schlechten Situation. Getragen wird diese aktuell gute Lage von der Exporttätigkeit der Industrieunternehmen. Die Auslandsaufträge werden im vierten Quartal 2017 klar positiver als noch im dritten Quartal beurteilt. 80 Prozent halten sie für gut, 12 Prozent für gleichbleibend und acht Prozent für schlecht. Ähnlich verhält es sich mit dem aktuellen Auftragsbestand. 84 Prozent bewerten ihn als gut.

Neue Mitarbeiter dringend gesucht

Positiv ist auch der Ausblick für das nächste halbe Jahr. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird von elf Prozent als noch günstiger eingeschätzt, 89 Prozent erwarten eine zumindest gleichbleibende Situation. 40 Prozent der Befragten wollen in den nächsten drei Monaten zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen.

Fachkräftesituation weiter angespannt

Das Problem des Fachkräftemangels wird durch bevorstehende Pensionierungen jedoch noch deutlich verschärft werden. Spartenobmann Georg Comploj fordert als wesentliche Maßnahme gegen den Fachkräftemangel eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vor allem für die gut ausgebildeten und studierten jungen Frauen müsse es möglich sein, Beruf und Familie leichter vereinen zu können. Mehrere Unternehmen haben auf die angespannte Personalsituation bereits mit Auslagerungen nach Tschechien und Polen begonnen, warnt der Spartenobmann.

Kinderbetreuung mangelhaft

“Eine Nachmittagsbetreuung, die um 16 Uhr endet, ist keine Nachmittagsbetreuung”, betont Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie der WKV. Positiv bewertet Comploj die medialen Aussagen der neuen Bildungslandesrätin Dr. Barbara Schöbi-Fink in diesem Bereich. “Es ist zu hoffen, dass den Erkenntnissen über den Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten auch wirksame Schritte der Umsetzung und des Ausbaus folgen.”

Ganztagsschule weiterhin auf Wunschliste

Positiv sieht Spartenobmann Georg Comploj das Regierungsprogramm der neuen Bundesregierung. “Die ersten Signale zur Entlastung hören wir gerne. Es braucht aber nun den Mut zur Umsetzung”. Bei der von der Industrie gewünschten Ganztagesschule spricht er von einem laufenden Dialog, der auch mit der neuen Regierung geführt werde.

Verkaufspreise steigen an

Der Druck auf die Verkaufspreise hat sich leicht entspannt. Die durch Kostensteigerungen erforderlichen Preiserhöhungen können die Betriebe zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben. 38 Prozent der befragten Unternehmen erwarten sich daher steigende Verkaufspreise innerhalb der nächsten drei Monaten.

Die aktuelle Ertragssituation wird als zufriedenstellend beurteilt: 51 Prozent sprechen von einer derzeit guten, 40 Prozent von einer durchschnittlichen und neun Prozent von einer schlechten Ertragssituation. Vorausschauend auf die nächsten sechs Monate wird die Ertragssituation von 86 Prozent als gleich bleibend, aber immerhin von 12 Prozent als schlechter eingeschätzt. Nur drei Prozent rechnen mit einer weiteren Verbesserung ihrer Erträge.

Branchenergebnisse

Metalltechnische Industrie

Die Metalltechnische Industrie (Maschinen- und Metallwarenindustrie) ist weiterhin der Träger der guten Konjunktur. Für 94 Prozent ist die Geschäftslage aktuell gut. Besonders erfreulich ist die Beurteilung der Auslandsaufträge. 97 Prozent sprechen hier von einer guten Situation. Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftslage in sechs Monaten zeigen das hohe Niveau auf dem sich die Branche befindet. 78 Prozent der befragten Unternehmen sprechen von einer guten Ertragssituation, 18 Prozent von einer durchschnittlichen Situation.

Lebensmittelindustrie

Den derzeitigen Auftragsbestand in der Lebensmittelindustrie bewerten 90 Prozent der Betriebe als gut, für kein Unternehmen ist er aktuell schlecht. Die derzeitige Geschäftslage wird von 67 Prozent als gut beurteilt und ist bei keinem Unternehmen schlecht. Allerdings explodieren in einigen Bereichen die Rohstoffpreise, dementsprechend erwarten 51 Prozent der befragten Unternehmen eine schlechtere Ertragssituation im nächsten halben Jahr. Hier muss man aber in immerhin 17 Prozent mit einem abnehmenden Personalstand rechnen, so viel wie in keiner Sparte.

Textilindustrie

Mäßig bis durchschnittlich wird die Lage im Textilbereich gesehen. 13 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, 82  Prozent als durchschnittlich und fünf Prozent der Unternehmen als schlecht. Die Beurteilung der Auslandsaufträge ist leicht positiver als im 3. Quartal. Der Saldo liegt bei +43 Prozentpunkte.

Elektro-/Elektronikindustrie

In der Elektro- und Elektronikindustrie ist die Geschäftslage aktuell vergleichsweise am schwierigsten. Während 32 Prozent der befragten Unternehmen von einer zurzeit guten Lage sprechen, beurteilen sie 39 Prozent als schlecht. Hoher Druck lastet hier weiter auf den Verkaufspreisen. Für 44 Prozent werden diese in den nächsten drei Monaten weiter fallen.

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