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Vorarlberger Handel profitiert sehr von starkem Franken

Eine Studie zur Einzelhandelsstruktur in Vorarlberg zeigt eine hohe Kaufkraftbindung im Ländle.
Eine Studie zur Einzelhandelsstruktur in Vorarlberg zeigt eine hohe Kaufkraftbindung im Ländle. ©VLK
Der Vorarlberger Einzelhandel profitiert enorm von der Stärke des Schweizer Frankens und schafft es sehr gut, die Kaufkraft im Land zu halten. Das geht aus einer aktuellen Kaufkraftstrom-Analyse hervor, die am Donnerstag präsentiert wurde.

Die Kaufkraftbilanz ist trotz einer regelrechten Explosion der Umsätze im Online-Handel hoch positiv und belief sich 2015 auf 115 Mio. Euro. Die Studie wurde von Roland Murauer, dem geschäftsführenden Gesellschafter der “CIMA Beratung+Management GmbH”, im Auftrag des Landes erstellt. Es war die dritte derartige Analyse nach 2001 und 2009. Für die aktuelle Bewertung wurden unter anderem 16.540 Telefoninterviews in Vorarlberg und der nahen Umgebung geführt sowie Handelsunternehmer von 1.263 Betrieben befragt. In der Branchenmix-Erhebung wurden in den 15 Vorarlberger Zentralorten 1.881 Handelsbetriebe gezählt.

Schweizer Ausgaben in Vorarlberg verdoppelt

Der Analyse zufolge lag der Wert der wirksamen Kaufkraft in Vorarlberg 2015 bei zwei Mrd. Euro (plus 20 Prozent gegenüber 2009). Die Kaufkraftzuflüsse ins Land betrugen im vergangenen Jahr 317,2 Mio. Euro, das bedeutete einen Zuwachs um 59 Prozent gegenüber 2009. Dabei spülte insbesondere die Stärke des Schweizer Frankens viel Geld in die Kassen der Vorarlberger Handelsunternehmen. Gaben die Schweizer Nachbarn bei Einkaufsfahrten in Vorarlberg 2009 noch 43,3 Mio. Euro aus, so hat sich dieser Wert im Jahr 2015 auf 84,4 Mio. Euro beinahe verdoppelt. Liechtensteiner kauften für 22,7 Mio. Euro ein (2009: 9,7 Mio.).

Grafik: VLK
Grafik: VLK ©Grafik: VLK

Online-Handel verlagert Ausgaben aus Vorarlberg heraus

Ebenfalls angestiegen ist der Anteil aus unregelmäßigen Einkaufsfahrten und aus Einkäufen von Touristen in Vorarlberg. Dieser lag im vergangenen Jahr bei 201,7 Mio. Euro (2009: 134,2 Mio.). Zurückgegangen sind hingegen die Ausgaben der deutschen Nachbarn, nämlich auf 7,1 Mio. Euro (2009: 12,2 Mio.). Eingekauft wurden und werden insbesondere Lebensmittel und Bekleidung.

Umgekehrt wurde zuletzt auch viel mehr Geld anderswo als in Vorarlberg ausgegeben, nämlich 202,2 Mio. Euro (plus 110 Prozent gegenüber 2009). Hauptverantwortlich für diesen Trend war der Online-Handel, der bezüglich Volumen von 38,2 Mio. Euro im Jahr 2009 auf aktuell 104,2 Mio. Euro explodierte. Von diesem Umsatz entfielen 60 Prozent auf österreichische Webseiten, 40 Prozent auf ausländische. Ebenfalls deutlich angewachsen ist der Abfluss nach Deutschland, nämlich von 28,7 auf 50,7 Mio. Euro.

Vorarlberger geben 9 von 10 Euro im Ländle aus

Weiters stellte die Studie fest, dass der Vorarlberger Einzelhandel die Kaufkraft der eigenen Bürger im Österreich-Vergleich am besten zu binden weiß. Murauer ermittelte einen Wert von 89,5 Prozent, was bedeutet, dass der Vorarlberger Konsument neun von zehn Euro im heimischen Handel ausgibt. In Oberösterreich und Salzburg liegt dieser Anteil bei jeweils 87 Prozent, in Wien bei 82 Prozent oder im Burgenland bei 76 Prozent.

Nimmt man die Vorarlberger Bezirke unter die Lupe, so ist das Angebot für den kurzfristigen Bedarf auch in den ländlichen Regionen gut geeignet. Wenn es aber um mittel- und langfristigen Bedarf geht (Schuhe, Bekleidung, Bücher), gibt es eine starke Kaufkraftabwanderung in die Zentren. Mit einem Umsatzanteil von 32 Prozent konnten die Orts- und Stadtkerne ihre Umsatzanteile halten.

Tourismus weiter ausbaufähig

Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser (ÖVP) war mit den Ergebnissen der Studie sehr zufrieden. Man werde die entsprechenden Schlüsse ziehen und Maßnahmen ableiten, kündigte er an. Den Internet-Handel dürfe man nicht dämonisieren, noch immer würden die Vorarlberger 95 von 100 Euro im Geschäft ausgeben. Theresia Fröwis, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, regte einen Ausbau des mittel- und langfristigen Angebots in den ländlichen Regionen an. Ebenso müsse man über einzelne verkaufsoffene Sonntage diskutieren. Beide zeigten sich überzeugt, dass der Anteil des Tourismus am Handelsumsatz – derzeit zehn Prozent – noch zu steigern sei.

(APA)

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